Almwirte in der Region öffnen wieder: Das kommt auf die Besucher zu 

Die Almhütten dürfen wieder öffnen, Bergwanderer können einkehren. Auf der Hochrieshütte gibt es aber aus organisatorischen Gründen vorerst nur einen To-go-Betrieb. re

Kaiserschmarrn, Brotzeit und Bier: Darauf können sich Bergsteiger und Wanderer nun wieder freuen. Denn seit dieser Woche dürfen im Zuge der Corona-Lockerungen die bayerischen Hütten öffnen – zumindest die Außenbereiche. So haben sich die regionalen Almwirte gerüstet.

Rosenheim – Die Durststrecke ist vorbei: Nach wochenlangem Umsatzverlust, bedingt durch die Schließung der Gastronomie, dürfen auch die bayerischen Almen seit vergangenen Montag ihre Hüttengärten wieder für Bergliebhaber öffnen. Am kommenden Montag, 25. Mai, können auch die Innenbereiche wieder genutzt werden.

Daten von jedem Gast müssen notiert werden

In der Gori-Alm auf der Kampenwand hat Paul Moosmüller die Zeit während des Shutdowns genutzt, um seine Hütte auf Vordermann zu bringen. Zusammen mit seiner Familie hat er neue Barhocker gezimmert, die Toilettenräume renoviert und die Böden neu gefliest. Außerdem wurde laut Moosmüller daran gearbeitet, die gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen, die auch in Almhütten gelten. Sprich: genügend Abstand zwischen den Tischen, Desinfektionsmittelspender und ausgeschilderte Wege zu den Toiletten. Und noch eine Sache musste bedacht werden: „Von jedem Gast müssen die Kontaktdaten notiert werden“, sagt Moosmüller. „Wir haben Zettel vorbereitet, die ausgefüllt und dann aus Datenschutzgründen in einer Box verwahrt werden.“

Gäste nehmen die Situation mit Humor

Um alles vorzubereiten und zu regeln, habe er Wochen gebraucht. „Das war viel Arbeit.“ Eine erste kleine positive Bilanz kann Moosmüller schon ziehen. Da die Hütte seit Montag geöffnet hat, habe er schon Gäste empfangen können. „Auf der Alm haben alle die ganze Situation eher mit Humor genommen“, sagt er. „Die Gäste waren kontaktfreudig, man hat sich unterhalten und auch mal über eine lustige Maske lachen können“, freut er sich. 

In den nächsten Wochen hofft er vor allem auf gutes Wetter. „Wenn es jetzt drei Wochen lang regnet, bringt uns das nicht viel.“ Außerdem wünscht er sich, dass die Leute sich auch trauen, zur Hütte zu kommen und nicht aus Angst vor großen Menschenmengen fernbleiben.

Der Vorsitzende der DAV-Sektion Rosenheim, Franz Knarr, sieht besonders die gesetzlichen Vorschriften als besonders schwierig für die Hüttenwirte. Bei diesen stehe nicht die Praktikabilität der Bewirtschaftung im Vordergrund, sondern vor allem die Hygienevorschriften. Hinzu komme das zusätzliche Personal, das notwendig sei, um die Registrierung der Gäste sowie die Platzzuweisung zu leisten.

To-Go auf der Hochrieshütte 

Bei der Hochrieshütte, die zur DAV-Sektion Rosenheim gehört, ist diese Vorgabe genau das Problem. „Bei uns ist immer zu viel Andrang, um die Registrierung von allen Gästen zu leisten“, sagt Wirtin Sarah Hohenegg. Deshalb hätten sie sich entschlossen, die Terrasse nicht zu öffnen. Stattdessen gebe es seit Montag bei schönem Wetter einen To-go-Betrieb. „Die Leute können sich bei uns mit Essen und Getränken versorgen und sich dann rund um die Hütte ins Gras setzen“, erklärt Hohen egg. Auf diese Weise könne jeder etwas bekommen und niemand müsse aus Platzgründen abgewiesen werden. 

Ein Problem bei der Hochries ist laut Knarr vor allem die wegen Sanierung geschlossene Seilbahn. Da raus entstehe ein Versorgungs- und auch Entsorgungsproblem. Aufgrund der geschlossenen Bahn müsse zur Hochrieshütte alles mit dem Quad hoch und auch wieder herunter gefahren werden. Frühestens ab Anfang Juni könne die Kabinenbahn wieder in Betrieb genommen werden. Samerbergs Bürgermeister Georg Huber hofft, dass der Sessellift hingegen etwas früher in Betrieb gehen kann. Laut Kabinettsbeschluss dürfen die Bergbahnen ab 28. Mai wieder fahren.

Selbstverpflegungwie im Biergarten

Im Brünnsteinhaus bei Oberaudorf, die zweite Hütte in der DAV-Sektion Rosenheim, sind die Pforten erst ab morgigen Donnerstag geöffnet. Laut Wirtin Yvonne Tremml gibt es vorerst nur Getränke und keine Speisen. Diese können Bergsteiger in klassischer Biergartenmanier selbst mitbringen. Sie freut sich auf die Gäste und hofft, dass alles glatt läuft.

Im Chiemgau werden die meisten Almen und Berghütten spätestens ab Christi Himmelfahrt am Donnerstag wieder öffnen. „Wir halten uns an die Vorgaben der Landesregierung und haben die Tische auseinandergerückt“, sagt Wirtin Viola Vogelmann von der Nattersbergalm in Reit im Winkl. Die Alm sei klein, die umliegenden Wiesen sehr weitläufig.

Thomas Götschl von der Feldlahnalm hat ebenfalls für ausreichend Platz zwischen den Tischen gesorgt. Er kann noch mit einer Besonderheit aufwarten: ein Gehege mit Eseln und Ziegen für kleine und große Kinder.

Auch am anderen Ende des Landkreises Rosenheim hat man sich für die Wiedereröffnung gerüstet. Der Außenbereich derTregler Alm bei Bad Feilnbach ist wieder zugänglich – mit brandneuer Pflasterung. Die Wirte Tanja und Markus Millauer haben die Zeit für Renovierungsarbeiten genutzt. Außerdem wurden draußen zwischen den Tischen Trennwände installiert. „Wir werden erst einmal abwarten und schauen. Dann sehen wir weiter, je nachdem, wie groß der Ansturm ist“, sagt sie. Der wird, denkt sie, vor allem am morgigen Vatertag groß sein. „Ich hoffe, dass die Leute vernünftig sind und sich an die Regeln halten.“

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