Bei uns gibt es 36 verschiedene Hummel-Arten – Hätten Sie's gewusst? 

Eine fleißige Pollensammlerin: die Erdhummel, hier auf der Blüte eines Natternkopfes.
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Eine fleißige Pollensammlerin: die Erdhummel, hier auf der Blüte eines Natternkopfes.

Friedfertig, harmlos und aerodynamisch ein Wunderwerk der Natur: Mit der Hummel beschäftigt sich die 106. Folge der OVB-Serie „Safari daheim“.

Rosenheim – Hummeln sind harmlose, friedfertige und schöne Insekten. Sie sind die Zeppeline unter den Bienen und sollten nach den Gesetzen der Aerodynamik eigentlich gar nicht fliegen können. Wie gut, dass die dichtbepelzten Hummeln das nicht wissen. Vom Klima her bevorzugen sie die gemäßigten Zonen. Daher trifft man sie in Alaska, Sibirien und sogar in Grönland an, dagegen ganz wenige im Amazonasgebiet. Südlich der Sahara fehlt sie sogar gänzlich.

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36 Arten sind in Deutschland heimisch. Davon kommen sechs bei uns relativ häufig an. Ihre plumpen Körper sind alle mit einem dicken Pelz aus dichten Haaren ausgestattet, meist in den Farben Gelb-Schwarz mit weißem oder braunem Hinterteil. Mit die bekanntesten und größten Hummeln – die Königin kann bis zu 28 Millimeter groß werden – sind die Erdhummel (Bombus terrestris) und die Gartenhummel (Bombus hortorum), die nicht leicht zu unterscheiden sind.

Unterschiede bei Größe und Farbe

Einzelindividuen und Geschlechter zeigen dabei starke Größen- und Farbunterschiede. Sie alle gehören zu den Stechimmen und sind echte Wildbienen, wenn auch der Körperbau auf den ersten Blick doch sehr unterschiedlich scheint. Sie bilden sogenannte Sommervölker, die nur wenige Monate existieren. Wenn das Frühjahr erwacht, dann krabbeln auch die überwinterten Königinnen aus dem auftauenden Boden und machen sich schleunigst auf Futtersuche.

Nur die im vergangenen Sommer geschlüpften befruchteten Königinnen haben den Hummelstaat überlebt – alle anderen Mitglieder sind im September oder Oktober eingegangen. Noch können die Jungköniginnen von ihren Nahrungsvorräten aus dem Vorjahr, die sie in ihrem Honigmagen eingelagert haben, zehren. Sind diese Reserven aber aufgebraucht, müssen genügend nektar- und pollenspendende Pflanzen zur Verfügung stehen.

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Als erste Nahrungsquellen dienen beispielsweise Palmkatzerl (Salweide) oder Krokusse. Während die Honigbiene noch im warmen Bienenstock im Schwarm vereint auf wärmere Temperaturen von mindestens zehn Grad wartet, ist die Hummelkönigin bereits bei zwei Grad fleißig beim Bestäuben. Früh blühende Obstbäume werden dabei häufig angeflogen.

Die Königin hat zu dieser Zeit noch geschrumpfte Eierstöcke, in denen sich das eingelagerte Sperma der Drohne aus dem Vorsommer befindet. Nun braucht die Königin dringend eiweißreiche Blütenpollen, um die Entwicklung der Eier voranzutreiben. Zur gleichen Zeit sucht sie einen Nestplatz, der sich – je nach Art – im Erdboden, in Baumhöhlen, Vogelnestern, Vogelkästen, Holzstößen oder auch in Nistkästen befinden kann.

Folglich haben die verschiedenen Hummelarten auch unterschiedliche Biotopansprüche. Als Dämmmaterial verwendet die Hummelkönigin Moos, Federn, Heuhalme und Ähnliches und bildet daraus eine isolierende Hülle gegen den Wärmeverlust, die auch oft noch mit Wachs und Honig verklebt wird. Dann wird eine Hohlkugel in Faustgröße geformt.

Königin baut die erste Wabe

Die Königin baut darin aus Wachs, das sie aus ihrem Hinterteil ausscheidet, die erste Wabe, in die sie sechs bis acht Eier legt. Zusätzlich baut sie einen fingerhutförmigen Honigtopf, der mit Honig befüllt wird. Durch intensive Vibration bebrütet sie die Eier vier bis fünf Tage bei konstant 30 Grad Celsius, bis die Larven schlüpfen. Ihr Körper erwärmt sich dabei bis zu 38 Grad. Die Zuckermenge, die sie dafür verbrennt, entspricht ihrem eigenen Körpergewicht, also rund 1,2 Gramm. Dazu sind rund 6000 Blütenbesuche notwendig.

Nach der Schlupfzeit werden die Larven durch ein kleines Loch, das die Königin in die Zelle gebissen hat, rund fünf bis zehn Tage versorgt. Nach sieben bis zehn Tagen spinnen die Larven einen Kokon aus Seide. Arbeiterinnen, Drohnen und Jungköniginnen haben unterschiedlich lange Entwicklungszeiten – von 20 bis 27 Tagen.

Während die erste Generation geboren wird, legt das Weibchen die Eier für die zweite Generation. Sie sammelt noch etwas Nektar, und wenn die erste Generation zur Aufzucht das erste Mal das Nest zur Futtersuche verlässt, um die weiteren Nachkommen damit zu versorgen, ist für die Königin der Zeitpunkt gekommen, ihre Nahrungsflüge einzustellen. Der Grundstock für das Sommervolk ist gelegt.

Ab jetzt übernehmen die Hilfsweibchen die weiteren Pflichten: Ausbau und Erweiterung des Nestes, Futterbeschaffung für die Königin, Brutpflege und – wenn nötig – die Nestverteidigung. So kann ein Hummelstaat aus 50 bis 600 Individuen bestehen. Ab jetzt ist die Hummelkönigin nur noch für das Produzieren von Nachwuchs zuständig. Sie wird das Tageslicht nicht mehr sehen.

Im Hochsommer ist schließlich Paarungszeit. Männchen und neue Königinnen verlassen dazu das Nest. Männliche Hummeln halten im Sommer dabei mit größter Beharrlichkeit tagelang eine in sich geschlossene Flugbahn rund 200 bis 300 Metern ein. An Ästen, Zweigen und Blättern markieren sie ihre Runde am Morgen mit Pheromonen. In der Hoffnung, dass Weibchen seine Strecke kreuzen, wird die Strecke alle paar Minuten abgeflogen.

Vorzeitiger Winterschlaf

Im September ist mit der alten Königin das Nest abgestorben. Erstaunlicherweise gehen die Jung-Königinnen im Juli und August, obwohl noch genügend Nektar und Pollen zu finden wären, in den vorzeitigen Winterschlaf. Sie suchen zur Überwinterung möglichst frostfreie Plätze auf, wie beispielsweise Komposthaufen. Ihre Körperfunktionen fahren sie auf ein Minimum herunter.

Ein kleiner Nektarvorrat in ihrer Honigblase, den sie sich vor der Winterruhe zugelegt hat, dient ihr als kleine Versorgung in den kalten Monaten. Sofern sie alle Widrigkeiten und die Herausforderungen eines strengen Winters überleben, können sie im nächsten Jahr ihren eigenen Hummelstaat gründen. Der Kreislauf beginnt von Neuem.

Neben Honigbienen und Fliegen gehören Hummeln zu den wichtigsten Bestäuberinsekten. Von frühmorgens bis in den späten Abend sind sie auf Nahrungssuche. Bis zu 18 Stunden zieht sich ein Arbeitstag hin. Ihre Spezialität ist, mit ihrem zwölf Millimeter langen Rüssel den Nektar aus tiefkelchigen Blüten zu sammeln.

Inzwischen hat sich auch die Treibhausindustrie für die Hummeln als Bestäuber interessiert. Zwischenzeitlich werden jährlich circa eine Million komplette Nester in die ganze Welt verschickt, um in Glashäusern verschiedene Gemüsesorten natürlich zu befruchten.

Am Stachel keinen Widerhaken

Ein Irrglaube ist, dass Hummeln nicht stechen könnten, verfügen sie doch über den gleichen Stechapparat wie ihre verwandten Wildbienen. Im Gegensatz zur Honigbiene besitzt die Hummel aber keinen Widerhaken, sie kann mehrmals stechen. Ihr Aggressionspotenzial ist aber viel niedriger als bei anderen Wehrstachelträgern, und nur im äußersten Notfall wird sie auf ihren Stachel als Waffe zurück- greifen.

Hummeln haben auch natürliche Feinde – von der Kuckuckshummel bis zur Wachsmotte und zur Dickkopffliege – was letztlich bei Befall auch das Ende eines Hummelnests bedeuten könne. Deutlich gefährlicher ist aber das Abmähen blühender Flächen mit Maschinen und der Einsatz von Chemie, der mittlerweile zu einem dramatischen Artensterben geführt hat.

Viele Arten vom Aussterben bedroht

So flogen vor zehn Jahren noch zwölf Hummelarten häufig von Blüte zu Blüte – heute sind es noch sechs heimische Arten. Etwa ein Drittel aller europäischen Hummelarten ist vom Aussterben bedroht. Wer Hummeln helfen will, sollte deshalb seinen Garten oder Balkon möglichst naturnah und blütenreich gestalten.

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