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Agro-Gentechnik mit fatalen Folgen

Rosenheim - «Auch Europa ist herausgefordert: Es muss gelingen, weltweit Landwirtschaft und unsere Nahrung von gentechnisch veränderten Organismen freizuhalten.

» Vehement warnt die indische Wissenschaftlerin und Gentechnik-Gegnerin Vandana Shiva seit Jahren vor den sozialen und ökologischen Folgen, die durch den globalen Einsatz der Agro-Gentechnik entstehen können. Als Beispiel beschreibt die Trägerin des alternativen Nobelpreises im Gespräch mit der Redaktion des Oberbayerischen Volksblatts die dramatische Situation der Bauern in Indien in den 90er-Jahren.

 Die indische Umweltschützerin, Bürgerrechtlerin und Feministin Dr. Vandana Shiva gilt als weltweite Gallionsfigur im Kampf gegen die Agro-Technik. Vor allem engagiert sie sich gegen transnationale Unternehmen, die versuchen, zunehmend Einfluss auf die indische Landwirtschaft zu nehmen. Und es ist ein erschreckendes Bild, das die promovierte Physikerin zeichnet: Seit 1998 haben sich hunderttausende indische Landwirte das Leben genommen - weil sie keinen Ausweg mehr sahen aus dem Teufelskreislauf, in den sie hineingeraten waren. «Diese Zahlen sind amtlich: Nach Regierungsangaben brachten sich allein im vergangenen Jahrzehnt über 200000 Bauern um», belegt Dr. Shiva anhand ihrer Unterlagen. «Es gab einen regelrechten ‚Selbstmordgürtel', der die Regionen umschließt, in denen Firmen wie Monsanto Monopole aufgebaut haben.»

Bis in die 80er-Jahre sei es für die Bauern Tradition gewesen - wie in Europa - 80 Prozent der Saat aus den Ernten zurückzuhalten; 18 Prozent kamen aus Forschungsinstituten dazu, der Rest von Saatgutfirmen. Im gleichen Jahrzehnt boomte dann die Nachfrage nach indischer Baumwolle; vor allem Kleinbauern gaben ihre Mischkulturen auf und setzten auf Hybridsorten.

Konzerne wie der Chemiegigant Monsanto erlangten laut Shiva dann aber in Folge der Globalisierung eine monopolartige Kontrolle über Saatgut. «Sie verkauften genetisch veränderte, insektenresistente Baumwollsamen. Als Verkaufsargument versprachen die Unternehmen den Bauern einen höheren Ernteertrag und damit bessere Erlöse. Gleichzeitig sorgten sie dafür, dass selbstgezogenes Saatgut vom Markt verschwand.» Die Landwirte seien schließlich gezwungen gewesen, dieses Hochpreis-Saatgut Jahr für Jahr - zum Beispiel von Monsanto - zu kaufen, so Shiva.

Mit fatalen Folgen: «Dieser Gen-Samen ist weder erneuerungsfähig noch bringt er mehr Erträge. Im Gegenteil: Das von der Gentechnik-Pflanze produzierte sogenannte Bt-Gift schafft neue Krankheiten, weshalb der Bauer letztendlich vermehrt Pestizide einsetzen muss. Und die wiederum liefert der Chemiekonzern Monsanto - ein Teufelskreislauf», erbost sich die Globalisierungskritikerin.

Vor diesem Hintergund blieb die Umweltaktivistin nicht untätig: 1991 gründete sie Navdanya, eine nationale Bewegung um die Vielfalt und Unversehrtheit der Lebensressourcen, insbesondere des einheimischen Saatguts, zu bewahren. Sichtlich stolz berichtet sie im OVB-Gespräch von ihren Erfolgen: «Inzwischen hat Navdanya in ganz Indien ein großes Netzwerk aufgebaut, dem etwa 200000 Bauern direkt als Mitglied angehören. Diese wiederum verbreiten das Wissen und die Kenntnisse in ihre Dörfer, so dass inzwischen wohl fünf Millionen Menschen von Navdanya erreicht wurden.»

Außerdem seien mit Hilfe der Organisation in ganz Indien 40 Saatgutbanken eingerichtet worden, in denen zum Beispiel über 2000 Reissorten erhalten und auch an die Bauern zum Anbau abgegeben werden. Dr. Shiva: «Mit Aufklärungskampagnen bei landwirtschaftlichen Verbänden und Organisationen in ganz Indien über unsere eingereichten Klagen und über die Gefahren der Gen-Technik konnten wir erreichen, dass bis heute keine genveränderten Pflanzen mehr kommerziell eingeführt wurden.»

Mit Bio-Kraftstoffen auf dem Irrweg

Eine klare Absage erteilt Shiva, unter anderem Mitglied des «Club of Rome» und des Exekutivkomitees des Weltzukunftsrates, der Förderung von Bio-Treibstoffen. «Der Weg, den Klimawandel mit Bio-Brennstoffen als erneuerbare Energiequellen eindämmen zu wollen, ist ein Irrweg.» Die Energiebilanz stelle sich negativ dar, denn zur Erzeugung biologischer Kraftstoffe müsse mehr Energie aufgebracht werden, als genutzt werden könne. Der Verbrauch ganzer Soja-, Mais- oder Palmöl-Ernten für flüssige Treibstoffe verschärfe die Kohlendioxid-Emission und damit das Klimachaos. «Warum ist es so schwer, das den Politikern zu vermitteln?», fragt sich die engagierte Umweltschützerin. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf ein Manifest zum Klimawandel der «Internationalen Kommission zur Zukunft der Lebensmittel und der Landwirtschaft», deren Präsidentin sie ist.

Dann warnt sie vor dem «magischen Fünfer-Monopol»: «Fünf Wassergiganten (darunter auch die deutsche RWE), fünf Gen-Giganten und fünf Giganten der Nahrungsmittelindustrie wollen weltweit ihre Vormachtstellung ausbauen. Wir müssen diese vereinnahmten Gemeingüter zurückfordern. Das ist unser wichtigster ökonomischer Kampf, die wichtigste Friedensfrage», so Shiva.

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