Ätzende Stoffe auf der A8: Wie die Feuerwehren einen Öko-Schaden verhindern

Arbeit für eine Nacht und einen Tag: Reinigung des Parkplatzes am Seehamer See. Foto: Reisner
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Arbeit für eine Nacht und einen Tag: Reinigung des Parkplatzes am Seehamer See. Foto: Reisner

Dreckspur von 42 Kilometern Länge: Weil ein Tanksattelzug auf der A 8 zwischen Bernau und Rastplatz Seehamer See große Mengen einer ätzenden Chemikalie verlor, mussten am Montagabend über 150 Feuerwehr-Einsatzkräfte aus zwei Landkreisen ausrücken. Wie die Wehrleute den Schaden eindämmten.

Bernau –Nachdem die Polizei die Fahrt des Tanklasters aus Österreich am Parkplatz Seehamer See gestoppt hatte, wurde die Autobahn Richtung München kurz komplett gesperrt. Doch nach wenigen Minuten konnte die Fernstraße wieder für den Verkehr geöffnet werden. Allerdings blieb die rechte Spur bis in die frühen Morgenstunden gesperrt.

Insgesamt haben die Feuerwehrleute aus den Landkreisen Rosenheim und Miesbach wohl großen Schaden von der Umwelt abgewendet. Auch, weil sie binnen weniger Minuten am Schauplatz waren. „Wo größere Mengen ausgelaufen waren, vor allem aber auf dem Parkplatz, wurde der Stoff schnell und gründlich abgebunden“, sagte Kreisbrandrat Rudolf Schrank.

Seit Bernau sickerte der Stoff aus dem Tanklaster

Am Montag gegen 19.25 Uhr wurde der Verkehrspolizei Rosenheim ein Tanksattelzug gemeldet, der unter der Fahrt größere Mengen an unbekannter Flüssigkeit aus seinem Tank verliere. Eine Polizeistreife hielt schließlich das Tankfahrzeug an, Die Ladung: Über 25 Tonnen Eisentrichlorid. Der Fahrer, ein 58-jähriger aus Österreich, erlebte die böse Überraschung der Woche: Er hatte während der Fahrt selbst offenbar nichts bemerkt. Die Polizei stellte schließlich fest, dass der Tanklaster die Autobahn A 8 auf insgesamt 42 Kilometern verschmutzt hatte.

Stoff für Kläranlagen und für Metallbearbeitung

Eisentrichlorid kann die Haut, Augen und Atemwege schädigen.“Von dem Stoff gehen akute oder chronische Gesundheitsgefahren aus“, heißt es in einer Stoffdatenbank.

Zudem kann es Metalle angreifen. Verwendet wird es unte anderem in Kläranlagen und zum Ätzen von Kupfer. Wie viel von Flüssigkeit genau ausgetreten ist, ist noch nicht bekannt. Eine Überprüfung durch den Gefahrguttrupp der Verkehrspolizei Rosenheim und der Feuerwehren ergab, dass eine „nicht unerhebliche Menge“ ausgetreten war. Vermutlich hatte der Fahrer ein Ventil der Druckleitung nicht richtig geschlossen, das Eisentrichlorid hatte sich anschließend durch die Dichtungen gefressen. Die Ermittlungen dauern an.

Wasserwirtschaftsamt Rosenheim gibt Entwarnung

Lange Spur: Von Bernau bis zum Parkplatz Seehamer See verteilte der Tanklastzug Eisentrichlorid.

Das Gefahrgut sickerte unter anderem auf dem Parkplatz am Seehamer See in verschiedene Kanäle sowie in ein Auffangbecken. Aus diesem Grunde wurde auch das Wasserwirtschaftsamt verständigt. Von dieser Behörde gab es gestern Nachmittag Entwarnung. „Das ging glimpflich aus“, berichtete Wasserwirtschaftsamtleiter Paul Geisenhofer, „es sind keine schlimmen Folgen zu befürchten.“ Die Flüssigkeit lief unter anderem auf dem Parkplatz in verschiedene Kanäle und in ein Auffangbecken, auch ein Bach ist betroffen. Eine Spezialfirma kümmert sich um die Reinigung.

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Für den Fahrer, beziehungsweise die Versicherung seines Arbeitgebers kann das Missgeschick teuer werden. 150 bis 200 Feuerwehrleite waren nach Schätzungen von Kreisbrandrat Rudolf Schrank bis weit in den Dienstag hinein im Einsatz, unter der Federführung der Kreisbrandinspektion Miesbach wurden die Wehren aus Holzkirchen, Weyarn. Otterfing, Schliersee, Irschenberg, Bad Aibling, Bernau, Prien, Frasdorf, Rohrdorf, Traundorf, Rosenheim, Miesbach, Hausham, Frauendorf und Kolbermoor koordiniert, zudem waren als Fachberater Fachleute der Werksfeuerwehr Gendorf vor Ort.

Spezialfirma reinigt 42 Kilometer Autobahn

Zudem musste der Parkplatz komplett geräumt werden. Der rechte Fahrstreifen der Autobahn A 8 wurde auf einer Länge von ca. 42 Kilometern gesperrt, die Sperrung dauert bis zum Abend des Dienstag, 8. September. Die Autobahnmeistereien Holzkirchen und Rosenheim mussten eine Firma für die Reinigung der Straße beauftragen.

Bislang meldete sich ein Geschädigter aus Schleife in Sachsen, der seinen Sattelzug auf dem Parkplatz geparkt hatte. Verletzt wurde aber bislang niemand. Gegen den Fahrer des Tankzuges hat die Verkehrspolizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dieses Verfahren lief gestern nachmittag noch, die Beamten wollten sich daher weder zu den Schäden noch zur konkreten Ursache äußern. Der Einsatz von Feuerwehr, Polizei und Reinigungsfirma kann sich schon auf einen fünf- bis sechsstelligen Betrag summieren. Richtig teuer kann es werden, wenn die Chemikalie den Straßenbelag angegriffen hat. Dazu kann die Autobahndirektion Südbayern bislang aber nichts Gesichertes sagen. „Die Fahrbahn scheint nicht stark beeinträchtigt zu sein“, sagte Sprecher Josef Seebacher. In dieser Angelegenheit werden jedoch Gutachter das letzte Wort haben.

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