„Abwegig“: Bahn weist Brennerdialog-Vorschlag zum Ausbau des Bahnhofs Rosenheim zurück

Ein Spielfeld und zwei Kontrahenten:Man kann den Bahnhof kreuzungsfrei ausbauen, sagt Brennerdialog. „Abwegig“, sagt hingegen die Bahn. Reisner
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Droht Rosenheim durch die Planungen zum Brenner-Nordzulauf vom Fernverkehr abgehängt zu werden? Die Vertreter der Bürgerinitiativen pro Bestandsstrecke warnen vor dieser Gefahr. Damit fangen sich die Bürgerinitiativen und ihr Gutachter Martin Vieregg den entschiedenen Widerspruch der Bahn ein.

Rosenheim – Die Bahn hat die Berichte zum zweiten Teil der Vieregg-Studie offenbar genau studiert. „Wir kennen diese Pläne nicht, lesen aber, dass erneut ein großer Umbau des Bahnhofs Rosenheim die Voraussetzung sein soll.“ So zitiert ein auf der Seite von DB Netz und ÖBB veröffentlichter Text den DB-Gesamtprojektleiter Matthias Neumaier. „Diese Ideen hatten wir schon im vergangenen Jahr als abwegig zurückgewiesen.“

Bahn sagt: Fernverkehrshalt auch künftig

Die Behauptung, dass durch einen Neubau abseits der bestehenden Strecke Rosenheim vom Fernverkehr abgehängt werden würde, bezeichnete ein Sprecher der Bahn als unbegründet. Vieregg hatte bei der Präsentation des zweiten Teils seiner Studie am Dienstag in Rosenheim gesagt, die Bahn plane am Deutschlandtakt vorbei. Die Umfahrung der Stadt könne zur Folge haben, „Über die Verknüpfungsstellen kann der wichtige Fernverkehrshalt in der Stadt auch zukünftig angefahren werden“, sagt dagegen Neumaier.

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Die Bahn setzt bei der Planung für den Brenner-Nordzulauf auf den Neubau einer vierspurigen Bahntrasse. Die Bürgerinitiativen, die sich unter dem Dach von Brenner-Dialog versammelt haben, bestehen dagegen darauf, dass die bestehende Strecke in die Diskussion aufgenommen wird, quasi als sechste Trasse neben den fünf Grobtrassen der Planung von DB und ÖBB.

Ei des Kolumbus oder Sackgasse?

Die so genannte Bestandsstrecke sei mit geringeren Kosten und weniger Belastung für Mensch und Natur für alle Anforderungen zu ertüchtigen, die Brenner-Nordzulauf und Deutschlandtakt stellten. Schonender und billiger sowie genauso schnell und ausreichend belastbar – das wäre das Ei des Kolumbus der Verkehrspolitik. Von Seiten der Bahn heißt es jedoch: „Dieses Konzept ist fachlich gesehen ein Weg in die Sackgasse.“

Mehr Belastung ohne Vorteil?

Schon dem ersten Teil der Studie des Büros von Vieregg & Rössler für den Streckenabschnitt von Kufstein bis Rosenheim hatte Matthias Neumaier eine Absage erteilt. „So erreicht man nicht das große Ziel, deutlich mehr Kapazität für den Schienenverkehr der Zukunft zu schaffen. Stattdessen würde man mehr Belastungen für die Menschen entlang der Strecke erzeugen“, sagte der Projektleiter. Die Studie bescheinigt allerdings einem ausgebauten Bahnhof Rosenheim eine Kapazität knapp unter der des Brenner-Basistunnels.

„Das passt auf den Zentimeter“, sagt der Gutachter

Der zweite Teil der Studie, von der in den vergangenen Wochen immer mehr Einzelheiten nach außen gedrungen waren, sieht als Herzstück einen Ausbau des Bahnhofs Rosenheim vor, kreuzungsfrei und etwa doppelt so vielen Gleisen wie bisher. „Alles auf Bahn-Grund, sagte Planer Martin Vieregg bei der Erläuterung seiner neuen Studie in Rosenheim; „das passt bis auf den Zentimeter.“ Die Beseitigung der Engpässe zusammen mit „moderaten Veränderungen“ der Bestandsstrecke würde, so sagt es die Bürgerinitiative, Fahrten fast ebenso beschleunigen wie eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke.

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Die Bahn weigert sich aber, den großen Um- und Ausbau eines Knotenpunktes mit „750 Zugbewegungen täglich“ zu erwägen. „Viele Zugfahrten müssten dabei monate-, vielleicht jahrelang entfallen. Viele Pendler würden über Jahre hinweg enorm beeinträchtigt“, sagt Neumaier.

Bahn-Halt Hochschule soll bedient werden können

Die Vieregg-Planungen sehen auch nördlich von Rosenheim beträchtliche Abweichungen von der Bestandsstrecke vor, etwa in der Ortsumfahrung von Großkarolinenfeld. Umfahren werden sollen demnach auch Oberaudorf, Brannenburg und Happing. Vieregg bemühte sich bei der Präsentation am Dienstag, Wogen zu glätten. So müsse auch nach seiner Planung und einer Verlegung der Strecke Rosenheim – Mühldorf der Bahn-Halt Hochschule nicht aufgegeben werden. Eine Anbindung sei ohne großen Aufwand zu bewältigen.

Strecke wäre grundätzlich machbar, sagt BI

Kritik gegen die Studie war auch wegen technischer Fragen geübt worden. Geologische und topographische „Randbedingungen“ habe man in Zusammenarbeit mit Dr. Siegfried Niedermeyer von igi Consult geprüft, ein Büro, das auch schon für die Bahn gearbeitet habe, wie es am Dienstag hieß. „Von einer grundsätzlichen Machbarkeit der erarbeiteten Trasse“ könne ausgegangen werden, sagt Thomas Riedrich von Brennerdialog. „Mit der Vieregg-Planung ist der Nachweis erbracht, dass eine modernisierte Bestandsstrecke alle Anforderungen für einen leistungsfähigen Brennernordzulauf erfüllt und den Bahnhof Rosenheim fit für den Deutschlandtakt macht.“

Spielraum für Bedarf der Zukunft

Die Bahn jedoch rechnet mit höheren Anforderungen. „Alle Planungen richten sich auf Verkehre für die kommenden Jahrzehnte“, sagt Matthias Neumaier. Dabei wolle man Errungenschaften keinesfalls aufgeben. „Neue Entwicklungen, wie die Konzepte eines Deutschlandtakts, sind selbstverständlich mit der Planung einer Neubaustrecke vereinbar und können gut integriert werden. „Da haben wir ausreichend Spielraum.“

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