15.000 Tests an der A93: Der Kampf gegen Corona ist hier auch einer gegen die Hitze

  • Heidi Geyer
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Die Corona-Teststation in Kiefersfelden ist in Betrieb gegangen. Die Reisenden können sich über ein unkompliziertes Verfahren freuen –  die Rettungskräfte ächzen in Schutzanzügen unter den hohen Temperaturen.

  • Bei Kiefersfelden ist innerhalb eines guten Tages ein Drive-in für Corona-Tests entstanden Die Tests erfolgen seit dem 30. Juli freiwillig und kostenlos Für die Einsatzkräfte bedeutet das Projekt einen immensen Aufwand
  • Bei Kiefersfelden ist innerhalb eines guten Tages ein Drive-in für Corona-Tests entstanden 
  • Die Tests erfolgen seit dem 30. Juli freiwillig und kostenlos 
  • Für die Einsatzkräfte bedeutet das Projekt einen immensen Aufwand

Kiefersfelden Seit Donnerstag 7 Uhr ist die Corona-Teststation an der A93 in Betrieb. Rund um die Uhr können sich Rückkehrer aus dem Urlaub an der Rastanlage Inntal-Ost auf Corona testen lassen. Und zwar freiwillig, egal ob aus einem Risikogebiet oder einer anderen Region, sagt Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamts Rosenheim. Für die Urlauber eine Erleichterung, für die Rettungskräfte ein Kampf mit der Hitze.

Noch ist es ruhig

Am frühen Morgen ist es vergleichsweise ruhig, ohne Wartezeiten. „Es muss sich erst noch rumsprechen, dass man sich testen lassen kann und wie das funktioniert – per Drive-In eben“, sagt Hierl. Die Entscheidung, eine Teststation einzurichten, sei schließlich recht kurzfristig gefallen. Lediglich eineinhalb Tage Vorlauf seien es für das Bayerische Rote Kreuz (BRK), sagt Stefan Müller, stellvertretende Kreisgeschäftsführer in Rosenheim.

Genügend Testmaterial sei aber vorhanden, noch in der Nacht seien 15.000 Test-Sets geliefert worden. Neben dem BRK seien die Ambulanz Rosenheim, die DLRG Bad Aibling, die Johanniter Unfallhilfe Wasserburg, der Malteser Hilfsdienst Rosenheim und das Technische Hilfswerk Rosenheim an der Aktion beteiligt.

Die Drive-In-Station für Corona-Tests ist an der Rastanlage Inntal-Ost in Betrieb.

Unangenehmer, aber aushaltbarer Abstrich

Der Ablauf der Tests funktioniert so: Die zu testende Person wird mit Ausweis und Versichertenkarte registriert. Außerdem muss sie ihr Einverständnis erklären, dass die Daten anonym an das Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt werden. Dies dient der Corona-Warn-App. Sollte der Test positiv sein, werden auch die anderen Nutzer der Corona-App gewarnt, die mit dieser Person in Kontakt waren.

Im nächsten Schritt kommt der Abstrich: einmal von der Rachenhinterwand, einmal durch die Nase bis zur Hinterwand. Unangenehm, aber auszuhalten, kann auch die Autorin dieses Textes bestätigen, die sich ebenfalls hat testen lassen. Die Proben werden dann gekühlt aufbewahrt und täglich ans Labor geliefert, sagt Hierl.

Bei OVB-Reporterin Heidi Geyer wird ein Abstrich in der Nase genommen.

Urlauber begrüßen Test-Station

Einer der ersten, der dieses Prozedere mitmacht, ist Dirk Rutloff aus dem Erzgebirge. Er kommt mit seiner Familie aus dem Urlaub vom Gardasee. Im Radio habe er gehört, dass er sich an der Grenze testen zu lassen kann. „Wir probieren das jetzt einfach mal. Sorge habe ich eigentlich nicht, dass wir uns angesteckt haben“, sagt Rutloff.

Corona-Ticker: Gesundheitsamt Rosenheim auf der Suche nach Urlaubern aus Risikogebieten

Auch Dragana Miljkovic kommt aus dem Urlaub, sie war in Serbien. Um damit in einem Risikogebiet. Miljkovic war sich dessen schon vor Reiseantritt bewusst. Ihre Familie lebt dort, die Tochter war bereits vorgefahren. Milkjovic weiß, dass sie zuhause erst mal mit der Familie in Quarantäne muss. Für sie ist die Teststation daher von Vorteil, da sie schnellstmöglich ein Ergebnis bekommt. „Ich finde das super, dass das direkt an der Grenze organisiert ist“, sagt Milkjovic. Wie lange es dauert, bis das Ergebnis kommt, weiß allerdings auch Amtsleiter Wolfgang Hierl nicht. Er rechnet derzeit mit ein bis zwei Tagen.

Hohe Belastung für Einsatzkräfte

Für die Urlauber ein unkompliziertes Vorgehen, für die Einsatzkräfte ein immenser Aufwand. Drei Zelte sind für sie vor Ort: eines zum Ankleiden, eines zum Ausziehen und ein Aufenthaltszelt. Die Schutzanzüge werden täglich entsorgt. Nach dem Abstrich werden die Hände desinfiziert und neue Handschuhe angezogen.

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Pro Schicht sind zehn bis 15 Sanitäter, die meisten ehrenamtlich, im Einsatz. Und der hat es in sich. Denn bei Temperaturen über 30 Grad ist die Arbeit eine große Belastung. Florian Epp ist als Rettungssanitäter eingesetzt. Er hat bereits viele Testungen durchgeführt, war dabei auch in Altersheimen. Nun setzt ihm die Hitze zu: „Nach einer Stunde im Schutzanzug ist man komplett durchgeschwitzt und will eigentlich nur noch raus.“

Seinem Kollegen Andreas Mitzer geht es ähnlich: „Es ist sehr, sehr anstrengend. Deutlich anstrengender als ein normaler Einsatz.“ Zwar versuchen die beiden, sich zwischendurch abzukühlen, trinken etwas und nehmen den Mundschutz ab. Der Schweiß fließt dennoch in Strömen, selbst das Kunststoffschild ist mit Kondenswasser angelaufen.

Bald verpflichtende Tests?

Wie lange die beiden noch in Kiefersfelden schwitzen müssen, ist noch nicht ganz klar. Ab 7. August soll die Teststation an den Rastplatz Heuberg umziehen, wo momentan noch eine Baustelle die Zufahrt versperrt. „Wir haben den Auftrag für eine Woche, dann soll die Teststation vergeben werden“, sagt Stefan Müller vom BRK.

Die weitere Planung hängt laut Müller in erster Linie davon ab, ob beispielsweise eine Testpflicht eingeführt wird, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits gefordert hat.

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