Abstand halten! Rosenheimer Experten geben Tipps für Begegnung zwischen Mensch und Kuh

  • vonBarbara Forster
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„Sie sehen drollig“ aus, sagt Kreisbäuerin Katharina Kern aus Oberaudorf. Aber sie können auch gefährlich werden. Am Freitag, 10. Juli, wird der „Ehrentag der Kuh“ begangen. Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen erklärt die Kreisbäuerin, warum Kühe keine „Streicheltiere“ sind.

  • Auf der Alm gibt es immer mehr Mutterkuh-Haltung. Das hat Folgen.
  • Gefährlich! Viele Wanderer wollen Kühe streicheln und Selfies machen.
  • Wanderer mit Hunden sollten besondere Sicherheits-Tipps beherzigen.

  • Oberaudorf/Rosenheim – Keine „Streicheltiere“. Ein Satz, den sich Wanderer und Touristen zu Herzen nehmen sollten, findet Kern. Denn jetzt, wo der Bergtourismus Corona-bedingt zunimmt, gewinnen Almbauern den Eindruck, dass einige Wanderer den Kühen immer mehr auf die Pelle rücken. „Viele verstehen die Hintergründe nicht“, erklärt Kern. In letzter Zeit habe die Mutterkuhhaltung auf den Almen zugenommen. Und eine Mutterkuh, die mit ihren kleinen Kälbern auf der Weide herumläuft, hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Da könne es durchaus vorkommen, dass eine Kuh mal „austickt“.

    Kühe reagieren sensibel auf das Verhalten von Wanderern

    Auch Christian Tegethoff, Almfachberater amAELF Rosenheim, hat das Phänomen bemerkt, dass Kühe „beliebter“ werden und Wanderer immer weniger auf Abstand gehen. Die meisten Wanderer würden direkt durch die Herde laufen – und ein großer Anteil der Touristen nutzen die Gelegenheit, um die Tiere zu streicheln oder gar ein Selfie mit ihnen zu machen.

    Hat sich für den „Ehrentag der Kuh“ am 10. Juli in Pose geschmissen: Kuh Walli, die der Aschauer Familie Moosmüller gehört während des Sommers auf einer Alm an der Kampenwand grast.

    Tegethoff hat nach eigenen Angaben auch schon die Beobachtung gemacht, dass Mountainbiker nachts durch die Weiden rasen. „Das stört die Rinder in der Ruhephase“. Die Konsequenz: Die Kühe können langfristig ihr Verhalten gegenüber Wanderern ändern – und aggressiver reagieren.

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    „Und um den Ganzen noch eins draufzusetzen“, setzt Tegethoff an, „gebe es einen neuen „TikTok‘-Trend“. Eine Challenge, bei denen sich Teilnehmer einen Spaß daraus machen, Kühe zu erschrecken. Ihm selbst seien noch keine Fälle im Landkreis Rosenheim bekannt. Aber durch die sozialen Medien würden immer mehr Videos von aufgeschreckten Kühen geistern. Ein Unding, wie der Almfachbereiter finde: „Solche Personen verlieren den Respekt vor dem Tier.“

    Auf Wanderer mit Hund reagieren Kühe besonders

    Dennoch gibt es laut Kern nicht nur Anlass für Kritik, sondern auch für Lob: „Vorbildliche“ Wanderer gebe es nämlich genauso. Und manchmal, da sei es auch einfach die Unwissenheit der Leute, die zu unglücklichen Zwischenfällen führen. Vor einem Jahr war sie selbst Zeuge eines Kuh-Ausrasters: Eine ihrer Mutterkühe sei auf einen Wanderer mit Hund losgegangen.

    Solche Schilder weisen vielerorts auf Almen auf das richtige Verhalten hin, wenn man als Wanderer mit Hund unterwegs ist.

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    Die Kreisbäuerin sei glücklicherweise in der Nähe gewesen und habe dem Hundebesitzer zugerufen, seinen Vierbeiner fortzuschicken. Den größten Fehler, den man laut Kern machen kann: den Hund auf den Arm zu nehmen. Dreht eine Kuh wegen eines Hundes durch, sollte sich dieser nicht in der Nähe des Menschen aufhalten, sondern weglaufen.

    Wanderer sind lediglich „Gäste“ auf der Alm

    Mittlerweile gebe es auf den Almweiden immer mehr Hinweisschilder, sagt Tegethoff. Ein Signal für Wanderer, ihre Hunde anzuleinen, und im Ernstfall die Leine loszulassen. Generell sollte man einen Bogen um weidende Kühe machen. „Eine Alm ist frei zugänglich, aber in erster Linie Futtergrundlage für die Viecher“, betont Kern. Wanderer seien so gesehen nur „Gast“ auf der Alm – und sollten sich dementsprechend auch so verhalten.

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    In den vergangenen Jahren haben viele Almbauern ihren Milchviehbetrieb aufgegeben, schildert Kern. Für kleinere Betriebe sei das Milchgeschäft „unrentabel“ geworden, auf den Almen können sich die Betriebe nicht vergrößern. Viele seien deshalb zur Mutterkuhhaltung übergegangen. Das sei auch der Grund, weshalb es jetzt vermehrt Kälber und Mutterkühe auf den Weiden gebe.

    Der wichtigste Appell der Expertin an die Wanderer: Abstand halten. Denn selbst die Kreisbäuerin, die täglich mit Kühen zu tun hat, sagt: „Man kann in die Viecher nicht hineinsehen.“

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