38-jährige Ex-Ehefrau starb im Hinterhof - Mord aus Heimtücke - Lebenslange Haft - Erneute Revision

"Absolute Tötungsabsicht"

Zum zweiten Mal für den Mord an seiner Ex-Frau verurteilt: ein türkischer Pizzabäcker. Foto kretzmer
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Zum zweiten Mal für den Mord an seiner Ex-Frau verurteilt: ein türkischer Pizzabäcker.

Traunstein/Rosenheim - Lebenslange Haft wegen Mordes aus Heimtücke - so lautete gestern das Urteil der Ersten Strafkammer am Landgericht Traunstein als Schwurgericht gegen einen 43-jährigen türkischen Staatsangehörigen, der in Nacht zum 12. Februar 2011 seine 38-jährige Ex-Ehefrau in einem Hinterhof an der Samerstraße in Rosenheim brutal getötet hatte.

Der Pizzabäcker hatte das gleiche Ergebnis bereits im August 2011 von einer anderen Traunsteiner Strafkammer zu hören bekommen. Der Fall musste auf Weisung des Bundesgerichtshofs jedoch nochmals von vorne aufgerollt werden. Die Erste Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann verhandelte sechs Tage lang, hörte zahlreiche Zeugen und Sachverständige.

Der Angeklagte nahm die Entscheidung gestern mit unbewegter Miene auf. Er starrte vor sich hin, runzelte nur manchmal die Stirn während der Urteilsbegründung. Der Vorsitzende Richter erinnerte an die Vorgeschichte der Gewalttat mit einem Verfahren gegen den konservativen, sehr eifersüchtigen 43-Jährigen wegen Körperverletzung an seiner früheren Ehefrau und weiteren Personen.

Ihm habe die Abschiebung in die Türkei gedroht, blickte der Richter zurück. Kurz vor dem Prozess habe er eine SMS auf dem Handy seiner Frau gelesen und daraus auf einen neuen Freund geschlossen. An jenem Abend habe der Angeklagte in seiner eigenen Wohnung verschiedene Tatmittel - vom Messer bis zu Strumpfhose und Klebeband - für eine Entführung oder Tötung vorbereitet und mitgenommen. Ab etwa drei Uhr morgens habe er in dem Hinterhof auf seine Frau gewartet, die um vier Uhr Dienstbeginn in einer Bäckerei hatte. Die Frau, die anderswo übernachtet hatte, sei aus ihrem Fahrzeug ausgestiegen und habe gefragt: "Was machst Du da?" Sie erhielt nach Worten Weidmanns sofort etwa ein Dutzend Hiebe mit einem Schlagstock gegen den Kopf, dazu Faustschläge und Tritte. Schädelknochen wurden zertrümmert. Fünf heftige Messerstiche in den Rumpf folgten, dann das Drosseln mit einem aus Strumpfhosen gedrehten Band. Bei den Stichen brach das Küchenmesser ab. Die Sterbende deckte der Täter mit einer Plane ab und schob sie unter ein geparktes Auto. Er selbst fuhr mit dem Auto seiner Ex-Frau weg und wurde gegen 15.30 Uhr am Samerberg von der Polizei gefasst.

"Er handelte schon beim ersten Schlag mit absoluter Tötungsabsicht", so der Vorsitzende Richter gestern, und sprach von einer "vorsätzlich begangenen heimtückischen Tötungshandlung". Einen angeblichen Dialog vor der Tat mit massivsten Beleidigungen durch die Frau und Tritte ihrerseits gegen sein Schienbein - diese Einlassung im jetzigen Prozess bezeichnete der Vorsitzende Richter als "nicht glaubhaft".

Das Gericht stützte sich auf die ausführlichen Angaben des 43-Jährigen kurz nach der Tat vor der Polizei. Die Kammer habe dieses Geständnis verwertet. Die Verteidigung hatte einer Verwertung widersprochen - wegen mangelhafter Belehrung durch die Polizei. Dazu Richter Weidmann: "Der Angeklagte hatte von sich aus den Drang, alles zu erzählen - um sich und anderen verständlich zu machen, warum es zu dieser Tat gekommen ist. Einen Anwalt wollte er nicht. Dieses Bedürfnis, sich umfassend zu äußern, stand im Vordergrund."

Die Steuerungsfähigkeit des 43-Jährigen zur Tatzeit sei nicht erheblich beeinträchtigt gewesen, auch nicht durch den in der Nacht konsumierten Alkohol, fuhr Weidmann fort. Weiter habe der Täter bedauert, dass die gemeinsamen Kinder beide Eltern verloren hätten und jetzt bei Verwandten leben müssten.

Gegen das Urteil wird der Angeklagte wiederum Revision einlegen. Das erklärte Verteidiger Peter Dürr gestern unmittelbar nach Urteilsende. Hauptansätze dabei sind nach Dürr wiederum das aus seiner Sicht bestehende Verwertungsverbot für das Geständnis und das Mordmerkmal Heimtücke - die nach seiner Überzeugung nicht gegeben ist.

kd/OVB-Heimatzeitungen

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