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Victory-Zeichen und Geschwindigkeitsrekord

65 Jahre Radarfalle: Autobahn-Polizist aus der Region erinnert sich an spektakulärste Fälle

Die A8 ist sein Revier: Thomas Wagner arbeitet seit 1990 bei der Autobahnpolizei in Holzkirchen, die zur Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim gehört.
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Die A8 ist sein Revier: Thomas Wagner arbeitet seit 1990 bei der Autobahnpolizei in Holzkirchen, die zur Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim gehört.
  • Andreas Höger
    VonAndreas Höger
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Für sie bremsen sogar notorische Raser: Die stationäre Radarfalle feiert Jubiläum. Vor 65 Jahren, am 21. Januar 1957, blitzte es erstmals in Deutschland. Das Gros der Arbeit erledigen heute mobile Anlagen und Handmessgeräte. Doch eine prominente, stationäre Anlage in der Region gibt es noch.

Rosenheim/Holzkirchen – Die vier jungen Araber wussten, dass sie fotografiert werden. Im August 2016 präsentierten sie feixend das Victory-Zeichen, als sie in ihrem gemieteten Opel Astra mit 193 km/h unter der Autobahn-Schilderbrücke am Irschenberg nordwärts jagten. Sie dachten an ihren baldigen Abflug und hatten offenbar Lust, der Autobahnpolizei eine lange Nase zu drehen. Sie hatten allerdings nicht mit Polizeihauptkommissar Thomas Wagner (58) gerechnet.

Wagner ist ein alter Hase. Seit 1990 arbeitet er bei der Holzkirchner Autobahnpolizei, die zur Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim gehört. Dort betreut er die technische Verkehrsüberwachung. Sein Flaggschiff steht am Irschenberg: Die Schilderbrücke dort, seit 2014 ausgestattet mit digitaler Messtechnik, macht nie Pause. „Die läuft 24 Stunden durch“, sagt Wagner. Allerdings werden die Aufnahmen nicht online übermittelt. „Zweimal in der Woche fahre ich hin und lade die Daten auf meinen Laptop“, sagt der 58-Jährige.

Im Büro checkt er den Fang. Täglich können 200 bis 400 Bilder anfallen. Üblich ist, dass Wagner die Fotos auf DVD brennt und zur Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim schickt. Das Eintreiben der Strafen übernimmt das Polizei-Verwaltungsamt Straubing.

Feixend auf dem Weg zum Flughafen

An jenem Augusttag anno 2016 ploppte auf Wagners Laptop aber unvermittelt das recht scharfe Bild der vier feixenden Araber auf. „Da war klar, dass es jetzt schnell gehen muss.“ Ein Anruf bei den Kollegen der Flughafenpolizei – und prompt gelang es, den Fahrer zu erwischen. Die Staatskasse freute sich über 1263,50 Euro. Die offensichtliche Vorsätzlichkeit hatte das Bußgeld verdoppelt.

Die Messanlage am Irschenberg ist mit Drucksensoren in der Fahrbahn gekoppelt. Das System erfasst das Tempo, zieht Grenzwerte ab und löst nur dann eine Aufnahme aus, wenn die aktuell gültige Höchstgeschwindigkeit überschritten wird. „In der Regel fahren wir dort mit 100 km/h“, sagt Wagner, „es geht in die Gefällstrecke, dann kommt eine Rechtskurve – ein Unfallschwerpunkt.“

Vor 2014 hatte Wagner die Wahl, welche von vier Schilderbrücken er im Holzkirchner Abschnitt mit der analogen Messanlage bestückt. „Das waren Nassfilme, nach 420 Bildern war Schluss.“ Am Ende, als die Film-Qualität schlecht und die Entwicklungslabore immer weniger wurden, habe die Qualität der Bilder arg gelitten. „Die alte Technik gibt’s nicht mehr.“

Die Technik der Zukunft heißt „Section Control“: Dabei wird nicht das Tempo an einer Stelle erfasst, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen zwei Messpunkten errechnet. „Bei uns gibt’s das noch nicht“, sagt Wagner, zu dessen Aufgabe es auch zählt, in der Region die Überwachung mit mobilen Radargeräten am Straßenrand zu organisieren – in Absprache mit den jeweiligen Inspektionen.

Schnellester Fahrer mit 225 km/h

Das schnellste Auto, dessen Foto Wagner sichtete, brachte es unter der Schilderbrücke am Irschenberg auf 225 km/h. „Zulassung in Osteuropa“, erinnert sich Wagner. Obwohl etwa zwei Drittel aller Temposünder vom Irschenberg einen Brief mit Foto bekommen, ging dieser Fahrer leer aus. Wagner ist Profi, aber das ärgerte ihn schon: „Leider konnten wir den nicht ermitteln.“

Für Temposünder gelten seit November deutlich höhere Tarife

Für Temposünder gilt in Deutschland seit November 2021 ein neuer Bußgeld-Katalog, der deutliche höhere Tarife vorsieht. In vielen Kategorien wurden die Sätze glatt verdoppelt. Fährt man etwa innerorts über 25 km/h zu schnell, sind jetzt 180 Euro fällig (außerorts 150 Euro). Passiert das zweimal innerhalb eines Jahres, greift bereits ein einmonatiges Fahrverbot. Die regulären Tarife steigen exponentiell an, innerorts bis 800 Euro, außerorts auf 700 Euro (jeweils über 70 km/h zu schnell). Bei den Spitzentarifen wurde auf eine Verdoppelung indes verzichtet, die Steigerungen machen hier nur 100 bis 220 Euro aus. Neben dem Bußgeld sollen auch Fahrverbote abschrecken. Wer innerorts in 50er Zonen mit über 80 km/h geblitzt wird, zahlt nicht nur 260 Euro (außerorts 200 Euro), sondern muss automatisch seinen Führerschein einen Monat abgeben.

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