257000 Wahlbriefe in Rosenheim und dem Landkreis unterwegs

In allen Gemeinden im Landkreis Rosenheim war das Verwaltungspersonal – zum Teil mit ehrenamtlichen Helfern – Ende der vergangenen und Anfang dieser Woche besonders fleißig: Mit viel Aufwand und Energie sowie ausreichend Abstand wurden die Wahlunterlagen – hier für die Gemeinden Halfing, Höslwang und Schonstett – einkuvertiert und an die Wähler versendet. In der Verwaltungsgemeinschaft Halfing waren dafür rund 20 Personen im Einsatz. Böck

Nein, die Wähler müssen keine Briefmarke auf ihre Wahlbriefe kleben. Zwar fehlt auf manch einem Wahlbrief der Vermerk, dass der Brief ohne Porto verschickt werden kann, dennoch ist es so. Das bestätigt auch die Deutsche Post. Der fehlende Vermerk ging in der Corona-Krise unter. Und was war noch?

Von Sylvia Hampel

Rosenheim – Knapp 210 000 Wahlberechtigte im Landkreis und knapp 47 000 in der Stadt Rosenheim entscheiden am Sonntag über Landrat beziehungsweise (Ober-)Bürgermeister, zum Teil auch über beides. Alle per Briefwahl. Eine riesige logistische Aufgabe, die ihre Tücken hat. Es ging schon damit los, dass es nicht losging, die Unterlagen etwas auf sich warten ließen. Der Termin für die Stichwahlen steht seit Jahren fest. Dass aber ganz Bayern Briefwahl macht, das war vor wenigen Wochen nicht abzusehen.

Neun Bürgermeister und ein Landrat

Erst Freitag Vormittag kamen die Landkreisgemeinden an die Unterlagen. Und mussten die verschiedenen Formulare und Stimmzettel selber in die Kuverts packen – in acht Landkreisgemeinden zusätzlich auch Stimmzettel für die Stichwahl der Bürgermeister. Freitag Nachmittag und Montag waren laut Ordnungsamt-Chefin Claudia Schaber in Wasserburg die Mitarbeiter der Stadt beschäftigt, die 10 000 Wahlbriefe fertig zu machen. Die Rosenheimer schafften ihre knapp 47 000 Wahlbriefe am Montag, Prien und Halfing waren schneller, da lagen sie am Wochenende schon in den meisten Briefkästen. Die Bruckmühler waren am Freitagabend fertig, lieferten direkt ans Briefzentrum in Kolbermoor.

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Und stießen auf unerwartete Hindernisse, wie Bürgermeister Richard Richter, selbst einer der Brieflieferanten, amüsiert berichtet: Zunächst stellte der zuständige Mitarbeiter der Post fest, dass die Briefe nicht alle in der selben, der richtigen Richtung einsortiert waren. „Also haben mein Mitarbeiter und ich uns hingestellt, die 13 000 Briefe von Hand nachsortiert“, erzählt Richter.

Der Bürgermeister bürgt

13 000 Wahlbriefe kosten eine Stange Porto, gut 18 000 Euro inklusive Frankierservice. Das sprengte das Limit der Post-Card, die Gemeinden haben. „Und wer bürgt jetzt dafür?“ wollte der Mitarbeiter der Post wissen. „Ich bin der Bürgermeister, ich bürge“, habe er versichert, so Richter. „Sehr gut reagiert und mitgedacht von unserem Mitarbeiter, so wünschen wir uns das“, freut sich Post-Sprecher Klaus-Dieter Nawrath.

Nicht auf den letzten Drücker wählen

Der aber auch mahnt: Bei der Rücksendung der Wahlbriefe sollten die Wähler es nicht auf den letzten Drücker ankommen lassen. Je früher die Briefe in den gelben Post-Briefkästen seien, umso besser. Sonst solle, wer kann, seinen Wahlbrief direkt in die Postkästen der Rathäuser werfen, rät Priens Wahlleiter Alfons Kinne. Peter Böck, scheidender Bürgermeister von Halfing sagt, die Gemeinde habe die Briefkästen schon am Samstag das erste Mal leeren müssen.

Kommunales Personal zählt Wahl aus

Zählen wird am Sonntag überwiegend das Personal der Kommunen. In Wasserburg in den großen Räumen des Rathauses wie Sitzungssaal oder Foyer, in Bruckmühl in den Klassenzimmern der benachbarten Realschule, auch wenn dem Bürgermeister lieber wäre, es zählten Zweiterteams in den größeren Rathausbüros, „dann wären wir zwar erst am Montag fertig, aber auf den einen Tag kommt es doch nicht an“. Kommt es dem Innenministerium schon, denn von dort kam auf unsere Anfrage nur ein Satz: „Die Stichwahlen finden am 29. März statt und werden nicht verschoben.“

Unerfüllte Bitte

Vom Landratsamt kam die Bitte, dass Feuerwehrleute und Rettungssanitäter nicht als Wahlhelfer eingesetzt werden sollen. Kaum zu machen, denn viele Gemeinde- und Stadt-Mitarbeiter sind bei den Feuerwehren aktiv. Und die Zahl der freiwilligen Helfer ist überschaubar.

Letztes Ergebnis spätestens 22 Uhr

Die Stadt Rosenheim hat 30 Briefwahlbezirke eingerichtet, will ihre 47 000 Stimmen – vier Mal so viel, wie bei der Wahl am 15. März – bis 20 Uhr ausgezählt haben. Die acht Gemeinden im Landkreis sollten dann längst wissen, wer Bürgermeister oder Bürgermeisterin ist. Und spätestens gegen 22 Uhr dürfte die letzte Gemeinde ihr Landrats-Wahlergebnis haben. Und dann haben alle Beteiligten sechs Jahre Ruhe.

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