Video als Beweis?

22-Jähriger Fan der Rosenheimer Starbulls muss sich wegen Schlag gegen Polizisten verantworten

Bei der Auseinandersetzung mit dem Starbulls-Fan ist ein Polizist leicht verletzt worden.
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Bei der Auseinandersetzung mit dem Starbulls-Fan ist ein Polizist leicht verletzt worden.

Hatte ein 22-jähriger Rosenheimer nach einem Spiel der Starbulls einem Polizisten einen Schlag verpasst? Diese Frage musste jetzt ein Gericht in Garmisch-Partenkirchen beantworten. Wichtiges Beweismittel: Ein Video, das den Vorfall am 6. März nach dem Spiel beim SC Rießersee zeigte.

Rosenheim/Garmisch-Partenkirchen – Felix Jungwirth, der Staatsanwalt, hat eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten für den Ultra-Fan der SB Rosenheim gefordert, Verteidiger Christoph Michel einen Freispruch für seinen Mandanten beantragt. Der 22-Jährige musste sich vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen verantworten, weil er am 6. März nach dem Eishockeyspiel des SCR gegen die Starbulls Rosenheim einem Polizisten einen Schlag verpasst hatte. Richter Dr. Benjamin Lenhart sah die Tat als erwiesen an. Er verurteilte den Rosenheimer aber nur zur Geldstrafe von 7200 Euro.

Videoaufnahmen des Vorfalls

Was sich nach dem Oberligaspiel auf dem Weg zum Bahnhof zugetragen hatte, wird den Beteiligten mehrmals auf Video vorgespielt. Wieder und wieder werden die Szenen vor- und zurückgespult. Zu sehen sind Starbulls-Ultras, die von etwa 50 Polizeibeamten begleitet werden. Die Stimmung ist aufgeheizt, die Fans – ihr Team hat 1:3 verloren – rufen Schmählieder gegen den Gegner und Polizisten. Einer der SB-Anhänger ist der Angeklagte, der mehrmals im Video in Erscheinung tritt. „Ich habe nicht zugeschlagen. Ich hab‘ eine draufgekriegt. Dann bin ich festgenommen worden“, schildert der Rosenheimer seine Sichtweise. Er gibt der Polizei eine Mitschuld an der Eskalation.

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Die entscheidende Szene wird unzählige Male gezeigt. Laut Anklageschrift soll der Angeklagte den Polizisten, der ihm mit der Taschenlampe ins Gesicht leuchtet, angeschrien haben: „Ey, mach das Licht aus!“ Anschließend wird der Beschuldigte geschubst und macht seinerseits eine Handbewegung Richtung Polizisten. „Es tut mir leid, ich sehe das nicht. Das ist doch nicht ins Gesicht“, erkennt Verteidiger Michel nichts Verwerfliches.

Polizeibeamter leicht verletzt

Der beim Vorfall leicht verletzte Beamte der Operativen Ergänzungsdienste Weilheim sagt aus. Er spricht von einer „tiefen Feindschaft zwischen den Fangruppierungen“. Als er mit seinen Kollegen die SBR-Fans eskortierte, sei die Lage eskaliert. Einige Fans hätten eine Polizeikette in der Olympiastraße durchbrechen wollen, weil dahinter SCR-Anhänger warteten.

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„Wir wollten die Rosenheim-Fans an die Wand bringen, um die Lage zu beruhigen“, berichtet der 32-Jährige. Auch er habe vereinzelt Personen an eine Hauswand geschoben, räumt der Polizist ein. Detailgenau schildert er, wie ihn der Angeklagte anschrie und ihm „einen schmerzhaften Schlag ins Gesicht“ verpasste.

„Die Lampe weggedrückt“

Weitere vier Polizisten sind als Zeugen geladen. Keiner kann viel Erhellendes beitragen, sie stehen im Schatten der ständig gezeigten Videoaufzeichnungen. Nur die Beobachtung eines Beamten lässt aufhorchen. „Es hat einen Wischer gegeben“, sagt der Ermittler. Auf Nachfrage wird der Beamte konkret. „Der Kollege leuchtet ihm mit der Taschenlampe ins Gesicht. Es hat keinen Schlag des Beschuldigten gegeben. Der hat mehr die Lampe weggedrückt“, schildert der 41-Jährige die Szene.

Ultra-Szene sei „Ersatzfamilie“

Unbeeindruckt davon fordert Jungwirth eine Bewährungsstrafe für den tätlichen Angriff. Er wirft dem Angeklagten vor, sich bewusst in die Gefahrenlage begeben zu haben. Die Ultra-Szene sei für ihn die „Ersatzfamilie“. Im August 2019 wurde ein Verfahren wegen eines tätlichen Angriffs eingestellt. Der Staatsanwalt sieht eine hohe Rückfallgeschwindigkeit. „Sie sind vorbelastet. Und sechs Monate später der gleiche Schmarrn.“ Diese Stupidität mache ihn fassungslos, betont Jungwirth.

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Verteidiger Michel hält einen Freispruch für angebracht. Sein Mandant habe nur reagiert und die Hand nach vorne gestreckt, als ihn der Polizist anleuchtet. Darüber hinaus beschuldigt der Rechtsanwalt drei Beamte, dass sie bei der Zeugenaussage gelogen hätten. Lenhart sieht die Lage jedoch anders. Der Polizist habe Distanz schaffen wollen und wurde durch eine „nach vorwärts gerichtete Geste in Richtung Kopf“ getroffen. Eine Freiheitsstrafe sei jedoch nicht nötig. Der Angeklagte habe sich kooperativ verhalten, die Verletzung des Beamten sei gering gewesen.

Ermittlungen gegen Polizisten

Am Rande des Verfahrens wurde bekannt, dass gegen den verletzten Polizisten ein Ermittlungsverfahren des BKA eingeleitet wurde. Der 32-Jährige verpasste nach dem Schlag des Angeklagten diesem einen Fausthieb.

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