Mit dem Gleitschirm von der Hochries - So geht es OVB-Reporterin dabei

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein: Reinhard Mey wusste, wovon er sang. OVB-Volontärin Alexandra Schöne ist mit einem Tandem-Gleitschirm von der Hochries geflogen und hat die Region von oben bewundert.
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Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein: Reinhard Mey wusste, wovon er sang. OVB-Volontärin Alexandra Schöne ist mit einem Tandem-Gleitschirm von der Hochries geflogen und hat die Region von oben bewundert.
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Anlaufen, abspringen, abheben: Begleiten Sie OVB-Volontärin Alexandra Schöne auf ihrem Gleitschirmsprung von der Hochries.

Samerberg/Hochries – Grenzenlose Freiheit – das muss auch Ikarus gefühlt haben. In der griechischen Mythologie ist er der Sohn des Dädalos. Dieser war ein begnadeter Techniker. Vater und Sohn sollen sich Flügel gebaut haben, um durch die Luft von der Insel Kreta zu fliehen. In Dädalos´ Fall hat das auch funktioniert. Ikarus stürzte leider ins Meer und ertrank.

Ich dagegen habe nicht vor, im bayerischen Meer zu ertrinken.Im Rahmen der OVB-Serie „Reporter am Limit“ werde ich von der Hochries aus das Gleitschirmfliegen ausprobieren. Das kann ich aber nicht alleine. Jedenfalls nicht, wenn ich lebend unten ankommen möchte. Deshalb begleitet mich Gabi Kittelberger. Sie ist die Chefin von Flugerlebnis Chiemgau und schon seit 1997 am Himmel unterwegs.

Mit dem Sessellift zur Hochries-Gondel

Unten an der Talstation der Hochries-Bahn in Samerberg löse ich ein Ticket und setze mich in den Sessellift. Es geht gemächlich in Richtung Gondelbahn hinauf. Über mir segeln immer wieder einige bunte Gleitschirme vom Gipfel. Wahnsinn, denke ich, in ein paar Minuten werde ich dort oben dabei sein.

Die Aussicht von der Hochries auf 1569 Metern. Bei schönem Wetter kann man bis nach München blicken. Schöne

Kurz darauf stehe ich auch schon am Gipfelkreuz der Hochries auf 1569 Meter Höhe. Während ich auf meine Pilotin warte, mache ich ein paar Fotos und Videos von der bombastischen Aussicht. Schließlich bin ich nicht zum Spaß hier, sondern zum „Arbeiten“.

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Ein paar Meter den Berg runter, auf dem Startplatz für die Gleitschirmflieger, macht sich gerade ein Pilot startklar. Ich sehe ihm fasziniert zu. Als er seinen riesigen Schirm hochzieht, fährt mit einem lauten „Ziiiischhhhhhhh“ der Wind hinein.

Gabi Kittelberger kommt und wir begrüßen uns mit einem Corona-gerechten Ellbogencheck. „Perfektes Wetter und eine schöne Thermik haben wir heute erwischt“, sagt sie zufrieden. Die Thermik hat etwas mit Aufwind und der Sonneneinstrahlung zu tun, erklärt sie. Die beste Zeit für das Gleitschirmfliegen ist Ende März oder Anfang April. „Da ist es wegen der guten Thermik am schönsten.“

Respekt vorm Sprung, aber keine Angst

Wir stehen auf dem präparierten Startplatz. Komisch, ich bin gar nicht nervös. Vermutlich liegt es an meiner Pilotin, die sehr gelassen ist. Respekt vor dem Sprung habe ich aber auf alle Fälle. Vorfreude macht sich in mir breit, während Gabi Kittelberger den Gleitschirm ausrollt und die Seile entwirrt. Jetzt geht alles ganz schnell. Helm aufsetzen, Gurt anlegen, Karabiner einhaken. Dann stehe ich vor ihr und sie zieht den Gleitschirm hoch. „Bereit?“, fragt sie. Ich nicke.

Erfolgreich gelandet: Flugerlebnis-Chiemgau-Chefin Gabi Kittelberger (rechts) und Alexandra Schöne nach dem Flug.

Wir laufen los und überqueren die Klippe. „Oh woooooooooooow“, schreie ich. Innerlich. Das Gefühl zu schweben ist der Wahnsinn. Der Wind fängt unseren Schirm auf und zieht ihn nach oben. Ich grinse bis über beide Ohren und kann gar nicht mehr aufhören. Gleichzeitig: Adrenalin pur.

Ich rutsche tiefer in meinen „Sitz“, lehne mich zurück und entspanne mich. Wir steigen höher und höher und zirkeln über der Hochrieshütte. Von hier oben hat man einen grandiosen Ausblick: München, Rosenheim, Inntal und Simssee und Chiemsee. Auch die Kampenwand, der Wilde Kaiser, der Wendelstein und die Kitzbühler Alpen liegen mir zu Füßen. Sogar die Zugspitze lässt sich in der Ferne erkennen. „Herrlich, oder?“, sagt mir Gabi Kittelberger ins Ohr und ich stimme ihr aus ganzem Herzen zu.

18 Grad Celsius auch auf 1800 Meter Höhe

Wir befinden uns auf 1800 Meter Höhe. Diese wird von einem Gerät gemessen, das an meinem Gurt befestigt ist. Es piepst immer, wenn wir höher steigen. Der Wind bläst mir ins Gesicht, aber kalt ist er nicht. Sogar in dieser Höhe beträgt die Temperatur im Sommer 18 bis 20 Grad. Wir sind mit einer Geschwindigkeit von 25 bis 35 Kilometer pro Stunde unterwegs.

Wie viele Minuten wir schon in der Luft sind, weiß ich nicht. Mein Zeitgefühl ist unten im Tal geblieben. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Diese Aussicht! Ich werde mir einmal mehr bewusst, wie schön meine Heimat ist. Aus dieser Perspektive lerne ich sie auf eine ganz andere Weise kennen. „An der Aussicht kann ich mich gar nicht sattsehen“, rufe ich Gabi Kittelberger zu.

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Nach und nach entfernen wir uns von den Bergen und steuern eine große Wiese an. Gabi Kittelberger fragt mich, ob ich vor der Landung ein bisschen Action haben möchte. Action? Ich? Her damit. In immer enger werdenden Kreisen geht es nach unten. Dabei nehmen wir ordentlich Schwung auf.

Das ist schon noch mal eine andere Nummer als das gemächliche Dahinschweben in luftiger Höhe.

Bei der Landung lege ich mich ins Gras

Der schwierigste Part an der ganzen Geschichte steht mir noch bevor: das Landen. Der Boden kommt näher. Ich habe den Kamerastab in der Hand, mit wir unsere Reise dokumentiert haben. Ich strecke die Beine vor, bis meine Füße den Boden berühren. Der Plan, eine Ladung wie aus dem Gleitschirmfliegen-Lehrbuch hinzulegen, funktioniert natürlich nicht. Ich falle der Länge nach ins Gras. Toll. Jetzt hab ich das Video versaut.

Mühsam rappel ich mich auf. Kurz dreht sich alles in meinem Kopf. „Du hast dich gut geschlagen“, tröstet mich meine Pilotin. „Das lange Fliegen verträgt auch nicht jeder.“ Die 45 Minuten in der Luft sind aber auch buchstäblich wie im Fluge vergangen.

So gut ich das Fliegen anscheinend auch vertrage, anstrengend war es trotzdem. Auch wenn ich nichts anderes gemacht habe, als gemütlich sitzend durch die Luft zu fliegen. Kaum bin ich daheim angekommen, muss ich mich erst einmal hinlegen. So groggy bin ich normalerweise nur nach einer anstrengenden Schwimmeinheit. So hat sich vielleicht auch Ikarus damals gefühlt. Bevor er ins Meer gestürzt ist.

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