AMTSGERICHT ROSENHEIM

18-Jährige nach Gartenparty in Raubling vergewaltigt – Täter (23) bekommt Bewährung

  • vonTheo Auer
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Weil er eine damals 18-jährige Bekannte nach einer Gartenparty in Raubling vergewaltigt hatte, verurteilte ein Rosenheimer Gericht einen 23-jährigen Mann jetzt zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte eine deutlich längere Haftstrafe für den jungen Mann gefordert.

Rosenheim/Raubling – Eine gemeinsame Freundin hatte im Juni 2020 zu einem Gartenfest geladen. An die 20 Gäste feierten fröhlich bei Bier, Wein und Erdbeer-limes. Gegen 2.30 Uhr rüsteten sich die letzten Gäste zum Aufbruch. Der Angeklagte, ein 23-jähriger Raublinger, begleitete zusammen mit dem damals 18-jährigen Tatopfer zunächst einen alkoholisierten Bekannten nach Hause. Anschließend brachte er das Mädchen zu ihrer Wohnung und bat darum, bei ihr übernachten zu dürfen, weil zu betrunken sei, um mit dem Auto zu fahren.

Tochter will die Mutter nicht erschrecken

Die junge Frau willigte ein und gestattete dem 23-Jährigen, sich zu ihr ins Bett zu legen, da sie ihre Mutter nicht mit einem fremden Mann auf der Couch erschrecken wollte. Beide hatten sich anschließend voll bekleidet zum Schlafen gelegt.

Als die junge Frau in der Nacht erwachte, hatte ihr der Mann die Bekleidung von hinten nach unten geschoben und war gerade dabei, sie zu vergewaltigen. Daraufhin schmiss sie ihn aus der Wohnung.

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Der Angeklagte gab vor Gericht nun an, dass er sich weder an den Weg zu ihr erinnern könne, noch daran, was sonst in dieser Nacht geschehen sei. Er könne sich erst wieder daran erinnern, dass er daheim in seinem Bett aufgewacht sei. An die Vorkommnisse nach dem Gartenfeste habe er keine Erinnerungen mehr. Allerdings hielt er die Vorwürfe durchaus für möglich und bot sowohl seine Entschuldigung als auch ein Schmerzensgeld von 5000 Euro an, das das Opfer akzeptierte.

Mit der Einvernahme der Zeugen tauchten allerdings Zweifel auf, ob der Getränkekonsum des Täters wirklich eine derartige Bewusstseinsstörung hervorgerufen haben konnte. Spuren der Vergewaltigung wurden zweifelsfrei nachgewiesen. Weil jedoch das Tatopfer die Anzeige erst drei Tage später erstattet hatte, war die Alkoholisierung des Angeklagten unklar.

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Der psychiatrisch-forensische Gutachter Professor Michael Soyka sah sich aufgrund der angegebenen Getränkeangaben nicht im Stande, eine hinreichend sichere Beurteilung des Alkoholisierungsgrades beim Angeklagten zum Tatzeitpunkt abzugeben.

Ein Gast der Gartenparty, der von allen anderen Zeugen als der am schwersten Berauschte geschildert worden und der vom Angeklagten und dem Tatopfer nach Hause begleitet worden war, gab an, dass sie alle drei wohl betrunken gewesen seien. Er konnte sich allerdings an „keinen exorbitanten Vollrausch“ bei dem Angeklagten erinnern.

Gastgeber im Zeugenstand

Das Gastgeberehepaar berichtete, dass wohl tatsächlich sehr „über den Durst“ getrunken worden sei, der eine oder andere auch nicht mehr sicher auf den Beinen war. Deshalb hatten sich die drei Gäste auch zu Fuß auf den Weg gemacht.

Der Gutachter versuchte nun erneut, durch die angegebenen Verzehrmengen den Grad der Trunkenheit hochzurechnen. Dabei schloss er eine alkoholbedingte Amnesie aus. Zumal das Sexualdelikt erst zweieinhalb Stunden nach der Ankunft in der Wohnung stattfand. Somit sah er auch eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten nicht gegeben. Einzig eine alkoholbedingte Enthemmung konnte er dem Angeklagten zugestehen.

Taktik der Verteidigung?

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hielt das Geständnis ausschließlich für eine Taktik der Verteidigung. Auch die geschehene finanzielle Wiedergutmachung sei einzig vom Ziel der Strafmilderung beherrscht gewesen. Die vorgebrachte Amnesie sei vom Gutachter auch hinreichend widerlegt. Bei einer Mindeststrafe von zwei Jahren Haft bei Vergewaltigung sei für diese Tat eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten angemessen.

Der Verteidiger wies den Einwand der Staatsanwaltschaft, es handle sich um ein rein taktisches Verhalten seines Mandanten, vehement zurück. Dessen Verhalten sei von echter Reue und großem Bedauern getragen.

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Der habe durch sein Eingeständnis der jungen Frau eine peinliche Aussage erspart. Diese habe seine Reue und seine Wiedergutmachungszahlung akzeptiert und sein Fehlverhalten habe glücklicherweise bei dem Tatopfer nach deren Aussage keine bleibenden Schäden hinterlassen. Es sei sehr wohl eine Verschiebung des Strafmaßes angemessen, so dass eine Strafe von 14 Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne, völlig hinreichend sei.

Großer Vertrauensmissbrauch

Das Rosenheimer Gericht glaubte dem Angeklagten zwar den Gedächtnisverlust nicht, honorierte aber sein Verhalten nach der Tat. Der Vorsitzende Richter Christian Merkel machte ihm aber den großen Vertrauensmissbrauch zum Vorwurf, den er an seiner Gastgeberin begangen hatte. Das Urteil des Schöffengerichtes lautete letztlich zwei Jahre Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung.

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