17-Jährige vergewaltigt – trotzdem Bewährung für den Täter

Rosenheim –. Eine Vergewaltigung unter ungewöhnlichen Umständen wurde vor dem Schöffengericht Rosenheim verhandelt: Im Oktober 2017 trafen sich ein damals 21-jähriger Kaufmann und eine 17-jährige Schülerin zu einem vorher abgesprochenen Sex-Date.

Dabei kam es zu einvernehmlichen sexuellen Handlungen. Als der junge Mann auf die Idee kam, den Coitus auch anal zu vollziehen, verweigerte das die junge Frau. Er setzte dies aber gewaltsam gegen ihren Willen durch. Damit war der Tatbestand der Vergewaltigung nach Paragraf 177 StGB gegeben. Eine solche Tat wird mit Gefängnis, nicht unter zwei Jahren, bestraft. Nun hatte das Verfahren aber etliche Besonderheiten.

Psychische Folgenfür das Opfer

Die Anzeige erfolgte erst zweieinhalb Jahre nach der Tat. Dazu erklärte die Frau, dass sie im Anschluss an die Vergewaltigung unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, Angstzuständen und Depressionen gelitten habe. Erst 2018, als sie wegen der Probleme in einer klinischen psychiatrischen Therapie gewesen sei, habe sie erkannt, dass diese aus dem Geschehen im Jahre 2017 herrühren.

Sie sei nach wie vor in therapeutischer Behandlung. Schließlich habe sie sich im vergangenen Jahr dazu entschlossen, Anzeige zu erstatten. Wortreich schilderte sie, wie sehr sie noch heute unter diesem Ereignis aus dem Jahre 2017 leide.

Was sie nicht erwähnte, war, dass sie bereits mit 16 Jahren eine Vergewaltigung von einem Unbekannten hatte über sich ergehen lassen müssen. Und dass sie sich – nur wenige Wochen nach dem Vorfall – dennoch erneut mit dem Angeklagten zu einem Sex-Date getroffen und dafür ein Salär von 100 Euro empfangen hatte.

Verteidiger beantragtRechtsgespräch

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Wolfgang Müller, sah sich einerseits versucht, mit einer Konflikt-Verteidigung die Darstellung der jungen Frau infrage zu stellen. Andererseits war durch den angeklagten Vorgang vom Oktober 2017 tatsächlich eine Vergewaltigung verwirklicht worden. Um für seinen Mandanten die Gefahr einer Vollzugshaft abzuwenden, beantragte er ein Rechtsgespräch, bei dem er die Möglichkeiten für seinen Mandanten ausloten konnte. Wesentlich war auch, dass sein Mandant niemals einschlägig vorbestraft war.

Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht einigten sich darauf, dass sich ein Geständnis und ein Täter-Opfer-Ausgleich im Sinne einer Schmerzensgeldzahlung strafmildernd auswirken würden. Dies bedeute, so der Vorsitzende Richter, dass die Strafe auf 18 bis 24 Monate gesenkt werden könne, wodurch eine Aussetzung zur Bewährung möglich wäre.

Mit einem unwiderruflichen Schmerzensgeld-Vergleich sicherte der Angeklagte dem Tatopfer zu, in monatlichen Raten 6000 Euro zu bezahlen. Gemäß der Verständigung beantragte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft eine Strafe von 24 Monaten Gefängnis, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Rechtsanwalt Müller argumentierte hingegen, dass eine Strafe am unteren Rand – also 18 Monate  – ausreichen würde.

Das Schöffengericht, unter dem Vorsitz von Richter Christian Merkel, verhängte schließlich eine Gefängnisstrafe von 20 Monaten, die es für drei Jahre zur Bewährung aussetzte. au

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