Deutsch-japanischer Benefizabend mit Tanztheater von Ingo Taleb Rashid für Katastrophenopfer

Zwischen Schmerz und Hoffnung

Mit den Opfern der Katastrophen in Japan begann das Tanztheater "Warrior Soul".
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Mit den Opfern der Katastrophen in Japan begann das Tanztheater "Warrior Soul".

So groß war der Andrang der Besucher an der nur mit einer einzigen Person besetzten Kasse des Kultur- und Kongresszentrums Rosenheim für die Benefizveranstaltung zugunsten von Opfern der Naturkatastrophe vor einem Jahr in Japan, dass das Tanztheater "Warrior Soul: Die Blume, das Herz und die Klinge" erst mit Verspätung begann. Der Rosenheimer Stadtrat Franz Weiland, Vertreter des Fördervereins der Städtepartnerschaft zwischen Ichikawa und Rosenheim, freute sich bei seiner Begrüßung über das große Interesse. Hilfsgelder von 40000 Euro spendet der Verein zur Unterstützung von Waisenkindern aus der stark betroffenen Stadt Rizuzentaka. Lüder Payer von der Deutsch-japanischen Gesellschaft in Bayern wies vor Beginn der Vorführung auf die mangelnden sozialen Netzwerke in Japan hin.

Besonders Waisenkinder seien kaum versorgt. Dank der Deutsch-japanischen Freundschaft werden nun 33000 von ihnen bis zu ihrem Abitur mit monatlich 100 Euro unterstützt. Natürlich kommt auch der Reinerlös des Tanztheaters dem Waisenhausprojekt zugute.

Mit einer buddhistischen Zeremonie, präsentiert bei gedämpftem Bühnenlicht von Nisshin Toda, Abt des Onjuin Tempels in Ichikawa, und seiner Frau Myouju wurde die Veranstaltung eröffnet. Den buddhistischen Ritualgesang begleitete der harte Klang von Metallklöppeln, die der Abt dazu aneinanderschlug.

Wesentlich vehementer wurden die Töne beim folgenden Taiko-Konzert, wo große und kleinere Trommeln von Ljilliana Bulic' und ihrer Formation "Sakura no Ki Taiko" in wechselndem Rhythmus zu faszinierenden Tönen geschlagen wurden. Die größte Trommel lag auf einem Holzkonstrukt und wurde, da zweiseitig bespannt, teilweise gleichseitig von zwei Trommlern geschlagen. Das schwere dumpfe Dröhnen gemahnte an die Gewalt der Naturereignisse. Aus der Dunkelheit auf der Bühne leuchtete das Rot der Trommelkörper, das Weiß ihrer Bespannung. Schweiß glänzte auf der Haut der Trommler.

Nach der Pause führten Tetsuya Fukushima und Gioh Ohuchi japanische Schwertkunst vor, entstanden aus der Kampfkunst der alten Kriegerkaste Japans, der Samurai.

"Iai-do der japanische Weg des Schwertziehens" hat den geistigen und spirituellen Übungsweg als Ziel. Das Vocal-Esemble "Der Chor" aus München und ein kleines feines Orchester mit alten japanischen Saiteninstrumenten, Klangschalen, Harfe, Geige, Trommel, Flöte und sogar einer Ziehharmonika begleiteten das meditativ anmutende Geschehen mit experimenteller Musik. Langsam wurden die Schwerter gezogen, blau schimmerte ihr Stahl im Dämmerlicht.

Als Nebel vom Boden der Bühne aufstieg begann "Warrior Soul", das Tanztheaterstück des Abends von und mit Ingo Taleb Rashid und der El Haddawi Dance Company.

Schlafen die Menschen, die auf dem Boden liegen oder sind es Tote? Der Chor verleiht ihnen Wimmern und Wehklagen. Langsam kriechen die Gequälten voran, erheben sich taumelnd. Hände recken sich hilfeflehend zum Himmel. Grau sind die Gesichter, die Haare. Über schwarzer Kleidung legen sich Hemden wie Spinnweben. Diese Überlebenden der Katastrophe finden sich zwischen Schmerz, Verzweiflung und Hoffnung. Ein Überlebender (Ingo Taleb Rashid ) kehrt zurück und im Angesicht der Verwüstung wandert er in seiner Erinnerung durch sein Leben vor der Katastrophe. So sehen wir ihn als Samurai, als Kamikaze-Pilot, als jungen Krieger, der auf seine Stärke, der Macht des Schwertes vertraut und als Katastrophenhelfer. Rashid verbindet Sufi-Tanz, Elemente aus dem Butho-Tanz und nahöstliche Bewegungsformen, Kampfkünste, Modern Dance und Akrobatik in seinen Vorführungen. Als er der Liebe begegnet, wird aus dem Rot des Schlachtfeldes, das Rot der Liebe. In den Tanz mit seiner Partnerin wird später die Gruppe einbezogen. Das wahre Schlachtfeld war im Körper, der Seele und dem Geist des Kriegers. Er findet den Frieden und die Harmonie im spirituellen Weg und in der Liebe.

Blumen des Friedens verteilten er und seine Company am Schluss an die Zuschauer. Mit dem Schlusschor aus Robert Schumanns "Das Paradies und die Peri" endete ein Theaterabend, der auf faszinierende Weise Einblicke in fremde Kulturformen bot und die deutsch-japanische Verbindungen beeindruckend bereicherte.

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