Zwischen Mannigfaltigkeit und Klarheit

„Deep Space XXI“,Gemälde von Roswitha Huber. jacobi
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„Deep Space XXI“,Gemälde von Roswitha Huber. jacobi

Mit der jüngsten Ausstellung „Stratum“ von Roswitha Huber begeht die Galerie „Pia Arce“, die den Mädchennamen der in Chile geborenen Inhaberin Pia Hamberger-Arce trägt, zugleich ihr fünf-jähriges Bestehen. Hier in Stephanskirchen bei Rosenheim finden wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst von anerkannten Künstlern aus dem In- und Ausland statt.

2010 wurde dort auch die Kunstakademie „La Luna del Arce - die Wiege der Kunst“, als Zentrum für Kunst eröffnet, wo jeweils von März bis November Seminare, geleitet von renommierten Künstlern, angeboten werden.

Die Künstlerin Roswitha Huber zeigt jetzt bis 18. Dezember großformatige Arbeiten und einige kleinformatige Blätter, alle in Mischtechnik, in einem Querschnitt der letzten fünf Jahre. Geboren 1966 in Vogtareuth, besuchte sie von 1986 bis 1987 das College of Arts und Crafts in Oakland und wurde eingeladen am Anderson Ranch Arts Center in Colorado zu arbeiten. Von 1987 bis 1989 studierte sie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und setzte ihr Studium bis 1994 an der Akademie der Bildenden Künste in München fort, das sie mit Diplom abschloss. Sie lebt und arbeitet in München. Roswitha Hubers Malerei ist wie auch ihr ganzes kreatives Schaffen in Film, Fotografie und Installation überaus vielfältig. Offenheit zu den verschiedensten Kunstrichtungen zeichnet sie aus. Diese Vielfalt bezieht sich auch auf die Materialität in der Malerei, wo Roswitha Huber Farben mischt, die sich eigentlich nicht vertragen. Das heißt wasserlösliche Farben geben den Untergrund. Dann sind es unzählige verschiedene Schichten mit Lacken, die aufgetragen werden. Wenn der Lack getrocknet ist, walzt die Künstlerin die Bilder komplett mit weißer Farbe. Über Nacht entstehen dann aus der weißen Fläche die wasserlöslichen Farben, die nicht mit Lack behandelt wurden. Es entwickelt sich wie in der Polaroidfotografie ein Bild. Vielfacher Arbeitsprozess zeigt Flächen in grafischer Wirkung, wobei schöne Flächen durch Übermalungen immer wieder zerstört werden. Wie Elisabeth Pilhofer, Kuratorin bei der Kunstplattform „Pablo & Paul“, bei ihrer Einführung zur Ausstellung sagte, steckt große Mannigfaltigkeit von Formen, Farben und Techniken vor allem in den großen Werken Roswitha Hubers, so in der Serie „Deep Space XXI“. In einigen Malereien, die gezeigt werden, sind auch Elemente aus Collagen der Serie „She suddently said“, zu entdecken. Während des Malprozesses werden dabei die Bilder immer wieder gedreht.

Seit Ende der 90er-Jahre arbeitet die Künstlerin mit natürlich runden Formen, wozu sie sagt: „Organische Formen haben mich immer fasziniert.“ Sie übermalt sie mit Zeichnungen und Collagen, wie im Bild „Clearwater XXII“. Seit 2008 ergänzen architektonische Formen die organischen, dadurch entstehen ganz klare Strukturen. In Bildern der „Deep-Spaces- Serie IV und V“ erzielt pastoser Farbauftrag oder die Verwendung von Leim mit anschließender Übermalung reliefähnliche Wirkung. Im Detail sind zwar viele Farben von Rot über Blau, Gelb, Grün und Silber zu finden, das ganze Erscheinungsbild ist aber doch dunkel. „Der Betrachter wird“, so Elisabeth Pilhofer, „den Sog fühlen, der einem förmlich in das Bild hineinzieht. In den kleineren Arbeiten steht Geometrie klar den organischen Formen gegenüber. Farbe und Formen sind auf den Punkt gebracht. Alle der unterschiedlichen Bilder treten in Dialog zwischen Mannigfaltigkeit und Klarheit.“

Roswitha Huber fühlt sich privilegiert, eine einzigartige Malerei entwickelt zu haben und in dieser ihrer Formensprache voll kontinuierlicher Faszination und Neugierde auf Neues kreativ tätig zu sein.

Geöffnet ist die Ausstellung in der Galerie „Pia Arce“ in Stephanskirchen, Rohrdorfer Straße 180, dienstags bis freitags von 10 bis 14 Uhr bis 18. Dezember.

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