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Konzert zur Wiedereröffnung der Nikolauskapelle

Zweitbesetzung ist alles andere als eine Notlösung

Glanzvolles Konzerterlebnis mit Andrea Wittmann und Sopranistin Anastasia Churakova in der Nikolauskapelle des ehemaligen Klosters Seeon.
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Glanzvolles Konzerterlebnis mit Andrea Wittmann und Sopranistin Anastasia Churakova in der Nikolauskapelle des ehemaligen Klosters Seeon.
  • VonKirsten Benekam
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Zur Wiedereröffnung der Nikolauskapelle im ehemaligen Kloster Seeon spielte Kirchenmusikerin Andrea Wittmann, Sopranistin Anastasia Chorakova sang. Die Werke aus Barock und Klassik begeisterten das Publikum.

Seeon – Die vielen Engelchen in der Nikolauskapelle des ehemaligen Benediktinerklosters Seeon hatten allen Grund zu lächeln. Nach über zwei Jahren darf nun wieder in dem kleinen Rokoko-Kleinod, das bei voller Besetzung nur etwa 35 Besuchern Platz bietet, konzertiert werden. Zum feierlichen Anlass hat sich Kirchenmusikerin Andrea Wittmann ein besonderes Programm ausgedacht: „Exsultate, jubilate – Jauchzet, jubelt!“, so das Motto für ein Kirchenkonzert mit Werken aus zwei Epochen, Barock und Klassik. Die Salzburger Sopranistin Leonie Stoiber, so der Plan, war die erste Wahl für diesen Konzertfall. Die Werke waren geprobt und alles bereit, vor Publikum aufgeführt zu werden. Aber dann wurde die schöne Sache zwar nicht von Corona durchkreuzt, dafür aber von einer Kehlkopfentzündung.

Krisenmanagement

„Wenn wir eines in der Coronazeit gelernt haben, dann ist es Krisenmanagement“, so Wittmann, als sie die kurzfristige Umbesetzung mitteilte. Anastasia Churakova war die „Zweitbesetzung“ und alles andere als eine Notlösung. Die gebürtige Moskauerin verbrachte die letzten sieben Jahre an der Salzburger Universität Mozarteum, wo sie ihr Bachelor- und Masterstudium in Gesang abschloss. Seit 2022 ist sie Teil der Opernklasse von Kai Röhrig als Postgraduierte. Oper also. Kein Wunder, dass Georg Friedrich Händels „Let the Bright Seraphim“, die Arie aus dem Oratorium „Samson“, in dem kleinen Raum die Trommelfelle der Zuhörer an den Rande der Belastungsgrenze brachte. Eine klare, voluminöse Stimme, nicht schrill, sondern beweglich in allen Tonlagen, die es auch dem Cembalo nicht gerade leicht machte. Doch bereits im zweiten Werk, dem „Allegro und Menuett“ aus der Wassermusik und in „Eternal Source“, der Arie aus „Ode for the Birthday of Queen Anne“, löste sich alle Anspannung. Auch das Cembalo nutzte seine Chance. Der Mozart im Programm dürfte „Pflicht“ sein – wenn auch anspruchsvoll und sicher eine stimmliche Herausforderung. Gerade, wenn man bedenkt, dass erst ein paar Stunden zuvor im Zusammenspiel mit Wittmann geprobt wurde. Die beiden Musikerinnen machten ihn zur Kür, meisterten drei Sätze der Motette „Exsultate, jubilate“, KV 165 mit Bravour und kassierten euphorischen Applaus. Wer Andrea Wittmann kennt, der weiß, dass sie aus einem umfassenden Wissen zu den Werken, aber auch zu der Biografie Mozarts schöpft.

Geschichte des Klosters

Zwischendrin gibt sie die schönsten Anekdoten zum Besten und reicht gleich noch eine Ladung Geschichtsunterricht rund um das Kloster Seeon nach. Die Arie „Laudate dominum“ aus „Vesperae solennes de Confessore“ KV 339 ist eines von Wittmanns Herzensstücken und die Arie „Scande coeli limina“ KV 34 hat einen lokalen Bezug zu Seeon: Mozart komponierte das Werk, ein Offertorium, eigens für Seeon. Wo Mozart die Herzen zum Glühen bringt, muss Bach „nachfeuern“: Drum kam, und zwar in einer gefühlvollen Interpretation von Anastasia Churakova, sein „Ave Maria“ zu Gehör, präzise gesagt, die „Méditation sur le premier Prélude“, eine Komposition von Charles Gounod für Gesang und Klavier unter Verwendung von Bachs Präludiums in C-Dur aus dem 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers. Spätestens da war es um alle Engel in der Nikolaikapelle geschehen. Obwohl die „Air“ aus der Suite Nr. 3 in D-Dur, die im Anschluss aufgeführt wurde, ähnliche Euphorie auszulösen vermag. In diesem Fall aber war die Begeisterung eher verhalten, was an der Bearbeitung für Cembalo lag und an der Tatsache, dass das sonst melodisch-fließende Thema ein wenig holprig daherkam – was freilich am Klangcharkter des Instruments, nicht an fehlender Virtuosität lag. Nach Joseph Haydns Arie „Licht und Leben sind geschwächet“ aus den Jahreszeiten (Winter) forderten die restlos begeisterten Gäste zwei Zugaben, in denen Churakova alle Qualitäten einer großartigen Opernsängerin zeigte. Mit einem russischen Lied, das sie ihren Eltern widmete, um die sie sich sehr sorgt, rührte sie ihre Zuhörer fast zu Tränen.

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