Zwei Sicheln aus der Spätbronzezeit

Oberaudorf – Pünktlich zum Beginn der Museumssaison wartet das Oberaudorfer Museum im Burgtor wieder mit einer attraktiven Erweiterung seiner Ausstellung auf.

Es ist dies seit der Eröffnung des Museums 1991 bereits die vierte Aktualisierung der Sammlung, denn nach Abschluss der archäologischen Grabungen an der Ruine Auerburg, auf der Keltensiedlung am Burgberg und in der Höhlenburg Grafenloch konnten die Funde und Erkenntnisse zur Ortsgeschichte jeweils ins Museumskonzept eingefügt werden.

Im Bereich des Florianibergs wurden 2015 zwei Bronzesicheln gefunden. Die Anordnung der beiden Sicheln sowie der Fundort selbst lassen auf ein Depot schließen, das heißt, die Stücke wurden in ritueller Weise niedergelegt.

Die vom Historischen Verein veranlasste Untersuchung des Metalls ergab, dass das Erz einer Sichel vom Mitterberg im Salzburger Land stammt, das der anderen aus dem Revier Kitzbühel. Die Objekte gehören innerhalb der böhmisch-bayerischen Sichelgruppe zum Typ „Weidachwies“, benannt nach einem Sichelfund von 1922 im Priental. Dieser Sicheltyp datiert in die Zeit um 1300 bis 1100 v. Chr., also vom Beginn der Spätbronzezeit bis in die ältere Urnenfelderzeit.

Sie waren zur selben Zeit, in der auch der Brandopferplatz in Oberaudorf genutzt wurde – und noch kurz danach – in Gebrauch. Dieser zeitlichen Parallele entsprechend werden die beiden Themen der bronzezeitlichen Besiedelung in einer neu gestalteten Vitrine ausgestellt.

Ein weiteres außergewöhnliches Fundstück, die Taschensonnenuhr von der Auerburg, findet nun ebenfalls seinen Dauerplatz im Burgtormuseum. Bei dem Bodenfund aus 2010 handelt es sich um ein seltenes Exemplar einer Vertikal-Taschensonnenuhr. Konkret Vergleichbares ist bisher nicht überliefert.

Durch typologische Vergleiche und die Analyse der gotischen Ziffern kann das Stück zwischen 1550 und 1600 datiert werden.

Als ein Kernstück des während des letzten Jahres durchgeführten Euregio-Projekts „Töpfe, Truppen, Taschenuhren“ mit Ausstellung in sieben Innstädten von Rosenheim bis Innsbruck erlangt das Objekt einen großen Bekanntheitsgrad und bereichert jetzt das Museumsthema „Auerburg“. Daneben befinden sich viele weitere Exponate, die im Laufe der letzten Jahre an das Museum kamen, in den jeweiligen Ausstellungsvitrinen.

Öffnungszeiten Audorfer Museum im Burgtor bis Oktober: jeweils Dienstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Für Gruppen werden gesonderte Führungen angeboten.

Bürgermeister Hubert Wildgruber, Nicola Neumeier (Touristinfo), Museumsbetreuer Michael Steigenberger, Grafiker Hans Stölzl und Norbert Schön (Historischer Verein, von links) freuen sich über den außergewöhnlichen Sichelfund. gruber

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