Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Die wahre Geschichte des Ah Q“

Kultur in Wasserburg: Zwei Salon-Revoluzzer und die Anarchie

Nik Mayr spielt den Protagonisten Wang Krätzebart, der gerne große Reden schwingt.
+
Nik Mayr spielt den Protagonisten Wang Krätzebart, der gerne große Reden schwingt.

Wasserburg – Eine bemerkenswerte Inszenierung von Uwe Bertram feierte am Theater Wasserburg Premiere.

„Die wahre Geschichte des Ah Q“ erwies sich als ebenso komplexes wie hochdramatisches Kammerspiel, dargeboten mit grandioser Schauspielkunst.

Autor Christoph Hein war am Premierenabend selbst zugegen. Im Jahr 1983 schrieb der vielfach ausgezeichnete Dramatiker „Die wahre Geschichte des Ah Q“ nach einer Novelle von Lu Xun (1881-1936). Xun gilt in China als Wegbereiter der modernen Literatur.

Es bleibt bei markigenSprüchen und Theorie

Wie die literarische Vorlage ist auch Heins Theaterstück eine philosophische Betrachtung über das Elend der „kleinen Leute in der Welt“.

Die beiden Protagonisten Ah Q und Wang, genannt Krätzebart, hausen in Dreck und Elend. Das hält die Freunde nicht davon ab, große Reden zu schwingen über Anarchie, Revolution und wie sie die Welt verändern könnten. Aber aus Trägheit und auch Furcht, selbst in Gefahr zu geraten, blieb es bei markigen Sprüchen und der Theorie. Beide verharrten lieber in ihrer heruntergekommenen Behausung. Doch selbst bloßes Reden kann sehr gefährlich sein, wie der Fortgang des Stückes zeigte.

Hilmar Henjes und Nik Mayr spielten die beiden Möchtegern-Revolutionäre Ah Q und Wang mit Bravour, Ah Q ein leicht zu begeisternder und überhitzter „Haudrauf“, Wang ein intellektueller, aber stets alkoholumnebelter Feingeist. Deshalb war es unausweichlich, dass es zwischen den beiden verwahrlosten Existenzen immer wieder zum Streit kam, wie die Revolution wohl auszusehen hätte. „Es lebe die Anarchie“, schrie Ah Q lauthals. Nur reicht es nicht zum Umsturz, wenn den Worten keine Taten folgen. Ihre eigene Lebensgeschichte hielt sie davon ab: „Damals besaß ich über 300 Lebensweisheiten, heute habe ich keine mehr“, entgegnete Krätzebart, der irgendwo zwischen einer Schnapsflasche und einem abgegriffenen Koffer nach dem Sinn des Lebens suchte. Nach dem Sinn des Lebens suchten auch die fünf „grauen Menschen“, Personen einer surrealen Welt, irgendwo in der Schwebe zwischen Leben und Tod.

Sie alle erzählten ihre eigene Geschichte, angelehnt an Klassiker des deutschen Märchenschatzes der Gebrüder Grimm und Co. Mit der „Fabel vom Wolf und dem Menschen“ oder dem Märchen „Von einem, er auszog das Fürchten zu lernen“ wurden vier von ihnen zu Unheilsboten bevorstehender, schrecklicher Ereignisse um Ah Q und Wang. Sie wurden gespielt von Andreas Hagl, Carsten Klemm, Rosalie Schlagheck und Annett Segerer. Dem fünften grauen Menschen, dargestellt von Susan He cker, oblag es dann in der letzten Szene das Schicksal von Ah Q und Wang zu vollenden. Dramaturgische Untermalung kam zusätzlich von einer Livemusik, gespielt von Georg Karger (Bass), Anno Kesting (Schlagwerk) und Wolfgang Roth (Holzklänge). Wie die beiden Hauptakteure überzeugten auch die „grauen Menschen“ mit brillanter Schauspielkunst. Zudem war deren Sinn für Bewegung und Gleichgewicht maximal gefordert. Uwe Bertram hatte für seine Inszenierung die Akteure auf einer in alle Ebenen beweglichen Bühnenplattform positioniert.

Mühsame Balanceauf der Bühne

Schon bei geringster Lageveränderung eines Einzelnen mussten die anderen „grauen Menschen“ die Balance ausgleichen, um nicht von der Bühne zu fallen. Und wenn einer aufstand, um seine Geschichte Herrn Ah Q und „Krätzebart“ zu erzählen, bedurfte es einer gewissen Akrobatik, um den Platz zu halten. Damit wurde überdeutlich, wie schnell das Leben ins Taumeln geraten und letztendlich kippen kann.

Re

Kommentare