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„Zuviel Beethoven gibt‘s nicht“

Der Rosenheimer Pianist Herbert Schuchkehrt am 20. Februar für ein Meisterkonzert im Kuko zurück in die Heimat.re

Rosenheim – Beim nächsten Meisterkonzert am 20. Februar im Rosenheimer Kuko wird Herbert Schuch gastieren, der berühmte Pianist, der in Rosenheim aufgewachsen ist, am Ignaz-Günther-Gymnasium Abitur gemacht und hier seine ersten Konzerte gegeben hat.

Im Vorfeld haben wir von den OVB-Heimatzeitungen ihn dazu befragt.

Wieder einmal kehren Sie nach Rosenheim zurück und zwar gleich mit zwei Beethoven-Klavierkonzerten, dem ersten und dem zweiten: Was war dabei der leitende Gedanke?

Ich kann mich an den Abend vor 20 Jahren in Rosenheim noch gut erinnern, als ich das Beethoven-Konzert Nr. 1 gespielt habe. Ich finde es interessant, diese beiden Konzerte zu koppeln, weil sie ja relativ nah beieinander sind und doch sichtbar werden kann, wie sie sich unterscheiden. Man kann sehen, wie Beethoven es schon als junger Komponist geschafft hat, unterschiedliche Charaktere klar voneinander abzugrenzen und wie alles jetzt das Unverwechselbare, ganz typisch Beethoven’sche bekommt. Ich finde spannend, wie er durch eine Modulation auf einmal eine neue Atmosphäre schafft, dass man am Anfang denkt, man ist in der Mozart-Zeit, und auf einmal kriegt man die Watsch’n ins Gesicht, ist in Des-Dur und denkt sich: „Moment, so nicht!“ Aber bei Beethoven klappt’s halt.

Sie kommen am 13. Juni wieder nach Neubeuern zu den Schlosskonzerten, mit einem gewichtigen Beethoven-Programm: die Klaviersonaten op. 109 und 110 und die Diabelli-Variationen. Wie anstrengend ist das für Sie?

Wahnsinnig anstrengend, aber ich mache jetzt alle 32 Beethoven-Sonaten zyklisch. Es hängt alles von der Vorbereitung ab. Wenn sich die Stücke alle in Konzerten davor „eingegroovt“ haben, dann ist das gar nicht mehr so anstrengend. Das Anstrengende ist eigentlich, den Geist zu hundert Prozent auf diese Musik zu fokussieren. Da von null auf hundert hochzufahren, erfordert einfach wahnsinnig viel Kraft.

Wenn Sie heuer so viel Beethoven spielen – bekommen Sie ihn nicht über?

Zuviel Beethoven gibt’s nicht. Das liegt daran, dass die ganz private Arbeit zwischen mir und dem Stück am Flügel nie langweilig wird. Man muss die richtigen Tempi finden, man muss sich klar werden, wie jetzt dieser Charakter werden soll – das begleitet einen ein Leben lang. Bei Beethoven ist es erstaunlich, wie viele Möglichkeiten einem da eröffnet werden, am Schluss soll es aber dann genau die eine Möglichkeit sein, die man selber am besten findet, und das herauszufinden, da reicht ein Leben eigentlich gar nicht – und ein Jahr sowieso nicht.

Sie haben kürzlich die künstlerische Leitung dieser Neubeurer Schlosskonzerte übernommen. Welche Erfahrungen haben Sie schon gemacht?

Ich fange jetzt erst an, meine erste künstlerische Saison zu planen, das ist die Saison 2021/22. Ich bin froh, dass Kurt Hantsch, der bisherige künstlerische Leiter, mir dieses Vertrauen entgegenbringt. Ich mache das sehr gerne, weil Neubeuern ja meine musikalische Kinderstube war, was Kammermusik angeht. Genauso wie das Rosenheimer Kuko meine musikalische Kinderstube war, was Orchesterkonzerte angeht.

Planen Sie das Programm thematisch – oder nehmen Sie es, wie es kommt?

Es kann schön sein, thematisch zu planen, aber es passt oft mit den Themen der einzelnen Künstler gar nicht zusammen. Ich bin der Meinung, dass das, was man gerade spielt, auch immer das Beste ist. Ich freue mich immer, wenn ich ein Programm öfter spielen kann, weil ich merke, dass da eine Tiefe und Art von Selbstverständlichkeit in der Musik entsteht, bei der ich ganz, ganz sicher bin, dass sich das auch mitteilt. Es gibt nichts Schlimmeres als Künstler, die in einer Woche vier ganz verschiedene Programme spielen. Das ist schrecklich. Wir sind keine Maschinen, wo man das Lied einstellt und dann abspielt. Das Herzblut ist eben nicht unendlich.

Uns Zuhörer wundertja immer, wie viele hochkarätige Solisten undEnsembles in dem doch kleinen Schlosssaalvon Neubeuernspielen wollen.

Ich denke, dass die Atmosphäre und der Raum ausschlaggebend sind, aber es ist sicherlich auch der Hartnäckigkeit von Herrn Hantsch geschuldet. Ich werde versuchen, das fortzusetzen, da ich ja viele Musiker sehr gut kenne. Und es ist doch ein Unterschied, wenn man von einem Kollegen angerufen wird.

Das Neubeurer Publikum ist ein treues und kundiges. Empfinden Sie das auch?

Ja, dieses Publikum hat, glaube ich, ein geschärftes Ohr. Dazu kommt, dass man wahnsinnig nah dran sitzt, dass man sozusagen umarmt wird vom Publikum. Das ist eine besondere Atmosphäre. Es ist für mich immer spannend, dass, wenn ich in Neubeuern und auch in Rosenheim spiele, sehr viele Menschen sitzen, die mich gut kennen und neugierig sind, wie ich jetzt spiele. Das ist Ansporn, durchaus auch Aufregung.

Sie haben zusammen mit Ihrer Frau Gülru Ensari, die ebenso wie Sie Pianistin ist, eine Tochter bekommen. Spielen Sie seitdem anders? Verändern sich die Empfindungen beim Spielen?

Ich merke das nicht so wirklich – aber es kann sein, dass man etwas anderes ausstrahlt. Was ich ein bisschen merke, ist, dass der Akt des Konzerts für mich eine andere Bedeutung bekommen hat. Früher war es das Ereignis, worauf ich mich mein ganzes Leben immer vorbereitet habe. Und jetzt merke ich, es ist immer noch für mich irrsinnig wichtig, aber im Hintergrund schwebt das Bewusstsein: Daheim wartet die Zukunft auf dich.

INTERVIEW: RAINER W. JANKA

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