Zu Ehren von Michael Ende: Eine Traumwelt voller Musik und Poesie in Söchtenau

Mal rhythmisch und kraftvoll, mal leise-melodisch: Angela Hundsdorfer und Jürgen Fischer.
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Mal rhythmisch und kraftvoll, mal leise-melodisch: Angela Hundsdorfer und Jürgen Fischer.

Unter dem Titel „Trödelmarkt der Träume“ präsentierten Angela Hundsdorfer und Jürgen Fischer in szenischen Miniaturen Texte von Ende, die der Komponist Wilfried Hiller vertont hat, der auch als Ehrengast anwesend war. Margarita Organesjan begleitete die Lieder und Balladen am Klavier.

Von Georg Füchtner

Söchtenau – „Wahre Kunst und wahre Poesie werden immer geboren aus einer Ganzheit von Kopf, Herz und Sinnen, und sie stellen diese Ganzheit bei den Menschen, die sie empfangen, wieder her, sie machen den Menschen heil, sie heilen ihn“. Dieses Zitat von Michael Ende haben Angela Hundsdorfer und Jürgen Fischer anlässlich des 25. Todestages des Autors der „Unendlichen Geschichte“ im Atelier von Antje-Tesche Mentzen in Hafendorf gleichsam als Leitmotiv für ihre musikalisch-poetische Matinee verwendet.

Unter dem Titel „Trödelmarkt der Träume“ präsentierten die beiden Schauspieler in szenischen Miniaturen Texte von Ende, die der Komponist Wilfried Hiller vertont hat, der auch als Ehrengast anwesend war. Margarita Organesjan begleitete die Lieder und Balladen am Klavier. Amüsant und anekdotenreich schilderte Hiller, der 1978 ein Stipendium für Rom erhielt, sein erstes Telefongespräch und seine Zusammenarbeit mit Michael Ende in Italien.

Uraufführung im Jahr 1984

Uraufgeführt wurde der „Trödelmarkt der Träume“ für zwei Sänger und Klavier im Jahre 1984. Angela Hundsdorfer und Jürgen Fischer gelang es beeindruckend, die Poesie von Endes Liedern und Balladen bildhaft in Szene zu setzen. Die beiden Schauspieler sprachen und sangen die oft skurrilen, scheinbar kindlich-naiven, hintergründig ernsten Texte des Dichters abwechselnd mal allein und mal gemeinsam.

Ballade von Felix Fliegenbeil

Gleich zu Beginn forderte Fischer das Publikum auf, mitzuwirken und mit ganzer Kraft an einen Seiltänzer zu denken. Die Ballade von Felix Fliegenbeil, der unermüdlich um seinen Traum kämpft, auf einem immer dünneren Seil tanzt „auf der Leere im lichten Tänzerschritt“, bis er schließlich über sich selbst hinauswächst, berührte die Hörer. Hundsdorfer trug den Text im Sprechgesang mit träumerischer Einfühlung und zauberischer Leichtigkeit vor.

Zum Nachdenken animierte „Was sollen wir tun“, heiter-naiv war der im Duett gesungene „Liebestraum“, in dem ein Jüngling von einem Mädchen träumt, sich Traum und Wirklichkeit miteinander vermischen und man am Ende lernt, dass Liebe mit Logik nichts zu tun hat. Das „Divertimento in pp“, in dem sich immer längere Wörter mit doppeltem P grotesk aneinander reihten, verlangte von beiden Schauspielern akrobatische Wortgewandtheit und Präzision.

Denkmal fürden Nonsens

Pianistin Margarita Organesjan schuf zu den einzelnen Balladen und Gedichten mal rhythmisch und kraftvoll, mal leise melodische Stimmungsbilder. Im „Denkmal für den Nonsens“ präparierte sie den Flügel mit Notenblättern und Schokoriegeln, in der „Papiertragödie“, die von der zerbrechlichen Liebe eines unschuldigen weißen Papiermädchens handelt, erzeugte sie papieren anmutende Klangeffekte. Zu Herzen ging die Szene, als die Schauspieler das letzte schwarze Flöckchen des Jünglings aus Liebe und Papier sanft wegbliesen.

Das vom Klavier atemlos und monoton begleitete Gedicht „Der Kreisel“ erzeugte Heiterkeit, traurig zu sanften Klavierakkorden erklang hingegen die „Einsamkeit“. Eine Referenz zum Beethoven-Jahr brachte die Pianistin nach dem absurden Märchen von Hänsel und Knödel mit dem prägnanten Schicksalsmotiv der fünften Symphonie zu Gehör. Dass man den zerbrochenen Traum der Liebe auf dem Trödelmarkt der Träume nicht wieder kaufen kann, rief Wehmut hervor.

Berührende Zugabe

Berührend war am Ende die Zugabe, das Gespräch zwischen dem Kind und dem Gaukler nach der Vorstellung, in dem sich der Autor selbst zu erkennen gibt. Beide, so scheint es, haben sich nun gefunden, bleiben beieinander und zaubern gemeinsam eine neue Welt herbei.

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