HERRENCHIEMSEE-FESTSPIELE

Zartheit und Ausdruckskraft

Das Signum Quartettmusizierte im unvollendeten Treppenhaus. Füchtner

Chiemsee – Einem Streichquartett bei der Ausübung seiner Kunst zusehen und zuhören zu dürfen, ist immer ein Erlebnis.

Im unvollendeten Treppenhaus von Schloss Herrenchiemsee, einem für Kammermusik idealen Aufführungsort, spielte das renommierte Signum Quartett im Rahmen der Festspiele unter dem Motto „Intime Briefe“ Werke von Haydn, Janácek und Schubert.

Mit großer Spielfreude, klanglicher Homogenität und technischer Brillanz bezauberten Florian Donderer und Annette Walther (Violine), Xandi van Dijk (Viola) und Thomas Schmitz (Violoncello) das Publikum zunächst mit dem Streichquartett in D-Dur op. 20 Nr. 4 von Joseph Haydn. Der fröhliche Charakter der Komposition kam bereits im Allegro di molto zum Ausdruck. Den häufigen Wechsel von Liedzeilen und konzertanten Triolen brachte das Signum Quartett mit Leichtigkeit und Frische zu Gehör. Der dunkel-herbe Celloton und das virtuose Violinsolo im melancholisch eingefärbten Adagio berührten die Hörer. Anklänge an Zigeunermusik besaß das Menuett, dessen funkensprühendes Temperament das Publikum elektrisierte. Mitreißenden Schwung besaß auch der Schlusssatz mit seinen fantasievollen und kontrastierenden Themen.

Das Streichquartett Nr. 2 „Intime Briefe“ von Leos Janácek beschreibt seine große Liebe zu Kamilla Stösslová. „Da wird unser Leben drin sein (…). Hinter jedem Ton stehst Du, lebendig, heftig, liebevoll“, so Janácek. Die Fülle an Motiven, die erregende Vielfalt dieser emotionalen Tondichtung spielte das Signum Quartett mit Atem nehmender Ausdruckskraft. Mal ernst und elegisch, dann wieder leidenschaftlich und ungestüm, entfaltete sich ein ergreifender Klangkosmos.

Im ersten Satz bestachen der samtene Ton der Bratsche und der Gesang der Geige, den Florian Donderer mit wehmütigem Vibrato erklingen ließ. Dominierten im Moderato sehnsuchtsvolle, affektgeladene Impulse, war das Allegro, in dem die zweite Geige durch eine zarte drängende Melodik gefangen nahm, mit seinen plötzlichen Stimmungs- und Tempowechseln aufwühlend und verstörend. Für die überragende Interpretation erhielt das Signum Quartett vom Publikum stürmischen Beifall.

Liedhaft zart und melancholisch endete das Konzert mit Schuberts „Rosamunde“ Streichquartett in a-Moll op. 29 Nr. 1. Das Signum Quartett brachte dieses Werk mit einer ruhigen Abgeklärtheit und harmonischen Farbigkeit zum Erklingen. Oft hatte man das Gefühl, die Zeit würde stillstehen. Die zarte Melancholie des Hauptthemas im Allegro ma non troppo und die dazu kontrastierenden Triolen bannten die Hörer. Immer wieder suchten die Musiker lächelnd zuei nander Blickkontakt. Im lyrischen Andante, aber auch im Menuett, dessen Melancholie nur durch eine kurze Ländlerseligkeit aufgehellt wird, zeigte das Signum Quartett ein fein ausbalanciertes, harmonisches Miteinander.

Nach dem heiteren, trillerdurchsetzten Finalsatz spendeten die Hörer erneut stürmischen Beifall, für den sich die vier Musiker mit Schuberts Lied „Du bist die Ruh´“ in einer Fassung für Streichquartett bedankten, die sie dem verstorbenen Enoch zu Guttenberg gewidmet hatten.

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