Zartfarbige Leichtigkeit

Alice Guinet (Flöte) und Herbert Wess an der Orgel.
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Alice Guinet (Flöte) und Herbert Wess an der Orgel.

Rosenheim – Die „Hedwiger TastaTouren“, initiiert und in erster Linie getragen von Herbert Wess, sind ein verlässlicher Publikumsmagnet: Die Kirche war, soweit es der Sicherheitsabstand gestattete, gefüllt.

Als Duo-Partner wirkte diesmal die Flötistin Alice Guinet, bestens in der regionalen Szene als vielseitige Musikerin bekannt und geschätzt.

Den Reigen eröffnete ein Anonymus des 18. Jahrhunderts aus Norddeutschland. Dessen „Concerto in a“ glitzerte in mannigfachen Klangfarben anmutig und wohlproportioniert. Damit waren Stimmung und Gehalt des Abends vorgezeichnet.

Dann brachte sich Alice Guinet mit drei Sätzen aus der „Suite Antique“ von John Rutter nachdrücklich ins Spiel. Die Flöte wirkte einerseits wie ein zusätzliches und attraktives Register der Orgel, wusste sich aber mit vollem, beseeltem Klang als Soloinstrument zu profilieren.

Dieses frühe Werk des Engländers – Rutter schrieb es 1979 – ist ein melodiöser Ohrenschmeichler und zeigt bereits wesentliche Merkmale, welche die große Popularität des Komponisten begründet haben.

Entzückend zwei Sätze aus einem Concerto von Giovanni Battista Pergolesi. Zartfarbige Transparenz dieses „Raffael der Musik“, die ohne Schnörkel auskommt, lässt Pergolesis feingliedrige, schwerelose Miniaturen zu großer Musik werden. Spirituoso ist einer der Sätze überschrieben; genauso zupackend und geistvoll musizierten Alice Guinet und Herbert Wess. Die Orgel war sensibel registriert, so- dass feinste Nuancen wahrnehmbar wurden und die tönenden Girlanden der Flöte sich, wie auf Händen getragen, entfalten konnten.

Höfischer Glanzstatt Steifheit

Johann Joachim Quantz war einst Flötenvirtuose und Lehrer des „Alten Fritz“; seine „Sonate IV“ strahlte höfischen Glanz, nicht aber höfische Steifheit aus. Im Gegensatz dazu ein „Andante religioso“ des unbekannten Hans Hiller, das in großen Bögen schier schmachtend den Tonraum ausfüllte und vom vollen Klang der Flöte machtvoll getragen wurde.

Eine kleine Preziose lieferte Eberhard Werdin mit seinen originellen „Green sleeves-Variationen“. Der Komponist beschäftigte sich nach dem Krieg intensiv mit Musik für Jugendliche und Amateure. Die charmanten Variationen erforderten freilich den Profi. Alice Guinet und Herbert Wess ließen es daran nicht fehlen und brillierten mit einem sehr inspirierten Zusammenspiel. Dankbarer Beifall nach dem Rausschmeißer, dem „Final pour Orgue“ des Kanadiers Denis Bédard.

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