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Ein wundersames Künstlerleben

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Er hinterlasse „tiefe zeitlose Spuren“ und präge seit vielen Jahren das kulturelle Leben und das architektonische Erscheinungsbild der Stadt Rosenheim und der Region. Trotz seines hohen Alters ist Josef Hamberger immer noch voller Schaffenskraft und in seinem Beruf tätig.

So würdigte Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer die Verdienste des Bildhauers Josef Hamberger, als sie ihm im Jahr 2011 den Kulturpreis der Stadt Rosenheim überreichte. Jetzt feierte er in seinem Geburtsort Frasdorf im Kreis seiner großen Familie den 90. Geburtstag.

In den letzten fünf Jahren schuf er unter anderem in der Hauskapelle des Prämonstratenserklosters Wilten bei Innsbruck Wandbilder zu den „Sieben Worten Jesu am Kreuz“, ein fünfmal fünf Meter großes zweiflügeliges schmiedeeisernes Tor für das Benediktinerstift Göttweig in der Wachau und für die barocke Stiftskirche des gleichen Klosters die Entwürfe für eine Neugestaltung des Altarraums. Zurzeit arbeitet Hamberger an der durch den Umbau notwendigen Neugestaltung der Kapelle des Rosenheimer Klinikums. Auch ist er mit der Neugestaltung des Altarraums der Kirche in Rosenheim Pang betraut.

Wohl niemand hätte bei der schweren Geburt des kleinen Josef auf dem Nigglhof in Pfannstiel bei Frasdorf einen Tag nach Weihnachten im Jahr 1925 geglaubt, dass der kleine Bub viele Jahre später den Bischofsstab von Kardinal Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI. gestalten und zu einem der bedeutendsten Bildhauer sakraler Kunst in Bayern werden würde.

Wundersam war sein Überleben in schwerer Zeit und sein Weg zum Künstler. Josef Hamberger hat sich sein Leben lang von Gott behütet gesehen und so Kindheit, Nazizeit und Krieg überlebt. Als 15-jähriger wird Josef 1940 Bauernknecht in Frasdorf. 1943 muss er in den Krieg, 1944 gerät er in russische Gefangenschaft. Bereits 1945 entlässt die jüdische Chefärztin des Lazaretts den Schwerkranken, der an Ruhr und Rippenfellentzündung leidet, in die Heimat.

Mit einer Schuhschachtel nimmt Hambergers Leben 1946 eine entscheidende Wendung. Darin sammelt er seine kleinen, selbstgeschnitzten Holzfiguren. Ein Frasdorfer Bauer erkennt sein Talent und schickt ihn zum Priener Arzt und Kunstmäzen Dr. Rupert Dorrer, der ihn zu Josef Henselmann, Münchner Professor für christliche Kunst. Als Hamberger dann mit seiner Holzfigur des heiligen Sebastian im zerbombten München bei der Bewerbung an der Kunstakademie vor dem Haus zufällig Professor Josef Henselmann begegnet, wird er von diesem in seine Bildhauerklasse aufgenommen.

„Ich bin mit der Mistgabel in die Akademie gestolpert“, sagte Hamberger rückblickend zu seinem Lebensweg. Schließlich studierte er 1946 bis 1950 in München Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste bei Professor Henselmann. Ein Stipendium ermöglichte ihm 1950 bis 1951 einen Studienaufenthalt in London am Royal College of Art, wo ihn Henry Moore in sein Atelier einlud. 1951 bis 1954 setzte Hamberger sein Studium in München an der Akademie als Meisterschüler von Henselmann fort. Seine Abschlussarbeit, ein monumentales Kruzifix, dominiert die Altarwand der Rosenheimer Kirche St. Hedwig. 1955 heiratete der Bildhauer die Rosenheimer Geigerin Eleonore Hörmann (1927 bis 2015) und ließ sich in Rosenheim als freischaffender Künstler nieder.

Der Schwerpunkt von Hambergers Schaffen liegt im sakralen Bereich. Viele Kirchenräume zeigen seine einfühlsam-unaufdringliche und zugleich doch unverwechselbare Handschrift. Kirchenbauer schätzen seinen Sinn für den Zusammenklang von Form und Farbe und vertrauen seiner Schlichtheit des Ausdrucks, seiner Suche nach Einfachheit und Strenge. Altar und Kreuz sind seine großen Themen. Hambergers große Stärke ist die Einfühlsamkeit, mit der er Räume mit neuen Mitteln so umgestaltet, dass der Betrachter meint, es sei immer so gewesen. Hamberger selbst nennt das den „Klang des Raumes“, der stimmen müsse.

Die Summe seiner Erfahrungen ist in engem Verbund mit anderen Künstlern und Architekten auch in die Neugestaltung des Innenraums der Rosenheimer Stadtpfarrkirche St. Nikolaus eingeflossen. Von Hamberger stammen neben vieler Arbeiten in den Kirchen wie Kreuze, Taufsteine, Ambos und Altäre in Rosenheim auch das Wasserrad am Kultur- und Kongresszentrum und das Mahnmal vor dem Rosenheimer Friedhof. Für sein Engagement und seinen vermittelnden Rat bei Denkmalschutz und Stadtplanung hat ihn die Stadt 1999 auch mit der goldenen Bürgermedaille ausgezeichnet.

Die große Ausdruckskraft von Hambergers Werken mag seine Wurzeln in der harten Zeit seiner Jugend und dem in der Kriegszeit erfahrenem Leid haben, aber auch in der persönlichen Erfahrung, von Gott stets behütet zu werden. rf/glu

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