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Tiroler Festspiele Erl

Wiegen, Wogen, Rauschen und Strömen

Zanda Svede sang die „Alt-Rhapsodie“ mit dunkel-strömendem Alt.
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Zanda Svede sang die „Alt-Rhapsodie“ mit dunkel-strömendem Alt.
  • VonRainer W. Janka
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Die Camerata Salzburg hat bei den Tiroler Festspielen einen Brahms-Zyklus begonnen, in dem alle vier Symphonien sowie einige Chorwerke aufgeführt werden sollen. Der ersten Symphonie entlockten Dirigent, Orchester und Chor in Erl eine wohlige Klangpracht.

Erl/Tirol – Ursprünglich war Mozart der musikalische Hausgott der Camerata Salzburg. Unter der Leitung von Titus Engel hat die Camerata bei den Tiroler Festspielen Erl nun einen Brahms-Zyklus begonnen, in dem alle vier Symphonien und einige Chorwerke aufgeführt werden. Den Beginn machte die erste Symphonie zusammen mit der „Alt-Rhapsodie“ und der „Nänie“.

Die „Alt-Rhapsodie“ hat Brahms auf einige Strophen aus Goethes „Harzreise im Winter“ komponiert, in denen ein Unglücklicher vom Lebensweg ab und in eine Ödnis aus Lebenshass und Verachtung gerät.

Fahles Zwielicht der Streicher

Es beginnt dunkeldüster: fahles Zwielicht in den gedämpften Streichern, müd und schwer herabsinkende Schritte der Kontrabässe und Fagotte, beklemmende Zuckungen der Bratschen – hoffnungsloses Menschenherz in gespenstischer Bergeinsamkeit. Titus Engel zeichnete mit der Camerata all dies genau nach, hellte den dunkeldüsteren Orchesterklang aber auf, so dass kein dunkler Klangbrei entstand. Schon da ließen die herrlichen Hörner aufhören. Zanda Svede kam hörbar nicht vom Oratorium, sondern von der Oper, ihr vollblütig-dunkler und frei strömender Alt entfaltete sich groß, sie genoss vor allem den ariosen Teil des Mittelteils, wollte nicht unbedingt den Goethe’schen Text deutlich ausartikulieren – Zum Glück war der in Projektion zu lesen.

Überraschte Freude

Über den Beifall freute sie sich so überrascht, dass man meinen konnte, sie habe diese Rhapsodie zum ersten Mal gesungen. Der Festspiel- Männerchor tauchte den Schluss mit samtsatten Klängen in mild-hymnisches Licht. In „Nänie“ kamen die Frauenstimmen dazu. Dieses Klagelied über die Vergänglichkeit des Schönen und die Unsterblichkeit der Kunst von Schiller steht im 6/4-Takt und damit auch im Takt der von Schiller verwendeten Daktylen. Diesem Rhythmus gab sich Titus Engel mit der Camerata stimmungsvoll hin und ließ das Meer bei der Klage der Meeresgöttin Thetis um ihren Sohn Achill machtvoll aufrauschen. Der personen- und stimmstarke Chor sang wissend und überzeugend. Das Wiegen, Wogen, Rauschen und Strömen verstärkte Titus Engel dann in der Symphonie.

Brahms wird ja immer gerühmt für seine dichten Motivgeflechte. Engel demonstrierte hörbar, wie in der Einleitung „bereits das gesamte thematische Material der Symphonie enthalten ist“, wie das Programmheft kundig erklärt, und ließ immer wieder hören, wie feinädrig die Struktur dieser Symphonie ist.

Abebbende und aufzuckende Partien

Viele subtile Klangwirkungen gestaltete Engel: leise abebbende und wieder aufzuckende Partien, genau austarierte dynamische Nuancen und ein ständiges vorantreibendes Strömen, ein seliges Vorsichhinsingen im dritten Satz und ein brodelnder Strudel im Finale, das von den Hörnern eingeleitet wurde. Ein Sonderlob des Dirigenten gab’s für die Oboe, überhaupt für die ganze Holzbläserbatterie, dazu für die weichtönenden Posaunen und für die genau markierende Pauke: eine wohlige Klangpracht bei Brahms, die überschäumenden Applaus erntete.

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