Ausstellung in der Aschauer Galerie an der Festhalle

Ein Wiedersehen

"Kartenhaus", Gemälde von Mirko Schellenberg. Foto Falk
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"Kartenhaus", Gemälde von Mirko Schellenberg. Foto Falk

Ein Wiedersehen mit drei Künstlern gibt es derzeit in der Galerie an der Festhalle des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau. Thomas Kämmerer, Philipp Mager und Mirko Schellenberg stellen nach zehn Jahren erneut ihre Arbeiten vor. Die Ausstellung sei eine "Spurensuche in drei Künstlerleben und ein in Bildern aufgehängtes Lehrstück über das, was nach einem Jahrzehnt blieb und was sich veränderte", sagte der Kulturreferent des Landkreises Rosenheim, Klaus Jörg Schönmetzler, bei der Vernissage.

Bereits angesichts der großformatigen Bilder im Erdgeschoss der Galerie stellt der Besucher fest, dass Thomas Kämmerer in den vergangenen zehn Jahren künstlerisch "über sich hinaus gewachsen" ist. Fällt dem Betrachter auf Anhieb der Begriff "fotorealistisch" ein, so korrigiert er diesen gleich wieder. Ist doch das Tor der Kathedrale in Palma von einem barocken Pathos, wie es keine Kamera der Welt wiedergeben könnte. Das malerische Spiel mit Ornamenten und Lichtreflexionen übermannt den Beschauer förmlich.

Ebenso verblüfft ihn das riesige Bild mit dem Titel "Karneval der Kulturen". Es stellt eine Menschenmasse aus verschiedensten Ländern dar. Doch das Ganze ist kein abgemalter Schnappschuss, sondern ein Versuch, jeder einzelnen Person Individualität zu verleihen. So auch bei der "Schaufensterpuppe". Dank der Kraft der Malerei gelang es Thomas Kämmerer, der sterilen Schaufensterpuppe gleichsam Leben einzuhauchen. Und selbst "Goldene Kannen" erhalten durch ihre zahllosen Schattierungen etwas Mystisches.

Philipp Mager hingegen haben die Galeriebesucher als Stillleben-Maler in Erinnerung. Dieses Mal erleben sie ihn vornehmlch als Menschen-Maler. Doch es sind nur scheinbar Comic- und Spielfiguren. Gleichwohl scheint ein Plastikmann in sich hinein zu horchen (Bild 17 "Hineinhorchen"). Er starrt dabei in ein schwarzes Loch als Kubus, dessen Tiefenwirkung verblüfft.

So verhält es sich auch bei Bild 25, "Mann mit Kind". Vor dem für Mager typischen, kubistischen Hintergrund steht ein Mann, der ein kleines Mädchen im Arm hält. Der Blick der beiden ist starr, doch von großer Tristesse. Ihr Ausdruck spricht von leidvollen Erfahrungen und Angst vor der Zukunft.

Gleich geblieben sind bei Philipp Mager die bunten Schachteln. Doch in seinen neuen Bildern steht der Mensch im Vordergrund. Ein Mann in einem offenen Pickup schaut hinaus aufs Meer. Er scheint die bunten Kisten hinten auf der Ladefläche vergessen zu haben.

"Denksport-Aufgaben" nannte Schönmetzler bei der Vernissage die Bilder von Mirko Schellenberg. Und: "Bizarre Architektur und exakte Konstruktivität". Für den Betrachter sind diese Bilder zunächst ziemlich irritierend. "Kartenhaus" zeigt ein Goldfischglas, drei aneinander gelehnte Spielkarten, eine blaue Vase und ein umgestüztes Weinglas auf einem Holzklotz.

Was hier von wem gehalten wird, kann der Betrachter nicht ergründen, obwohl das Bild ein perfektes Gleichgewicht zu haben scheint. Schönmetzler deutete die Ausstellung so: "Drei Stillleben-Perfektionisten haben ihre Funde auf der Suche nach einer verlorenen Zeit auf der Leinwand konserviert".

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