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Kunstverein Bad Aibling

Wie sich die Bildhauerin Ilaria Locati einen künstlerischen Wettstreit mit dem Material Eisen liefert

„Ikarus“: Holz, Kupfer, Eisen (2019). Bößwetter
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„Ikarus“: Holz, Kupfer, Eisen (2019). Bößwetter
  • VonUte Bößwetter
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Ilaria Locati lebt mit ihrem Mann in 1500 Metern Höhe auf demHang des Berges Monviso im Piemont. 13 Bauernhöfe stehen hier, zwölf davon sind seit langem verlassen, das 13. bewohnen die beiden. Um das Werk von Ilaria Locati einordnen zu können, ist die Kenntnis dieser Lebensumstände wichtig.

Bad Aibling – Denn alles, was die Bildhauerin für ihre Skulpturen benötigt, muss seinen Weg den Berg hinauf finden – damit ist ein Teil der Arbeit bereits geleistet.

Studiert hat Ilaria Locati Bildhauerei in Mailand an der bekannten Kunstakademie im Stadtviertel Brera. Als sich herauskristallisierte, dass sich Ilaria Locati in ihrer bildhauerischen Arbeit im Wesentlichen mit der Natur und ihren Produkten beschäftigen wird, schloss sie naturwissenschaftliche Studiengänge an. So hat sie Kenntnis von der Geometrie, dem Rhythmus und der Symmetrie, die man in jeder Pflanze, in jedem menschlichen Körper vorfindet.

Während ihres künstlerischen Schaffens lernte sie die Faszination des Werkstoffs Eisen kennen, mit dem sie ihre Vorstellungen am besten verwirklichen zu können glaubt. Der Wettstreit mit dem Material fasziniert sie – die Aufgabe, ihm eine bestimmte Form abzuringen.

Birnen aus Eisen

Auf einem Sockel präsentiert sie in der Galerie im Alten Feuerwehrgerätehaus eine Anzahl von Birnen aus Eisen, naturgetreu und doch mehr als eine Abbildung: Die Künstlerin nähert sich in ihrer Darstellung der Ur-Idee dieser Frucht. Auffallend durch seine Größe und die vermeintliche Echtheit fasziniert ein Löwenzahn: der Stengel eine runde Eisenstange, das Blütenkörbchen aus länglichen Bleikugeln zusammengefügt und die Samen dünne Eisenstangen, an denen Naturhaarborsten befestigt sind. Das Existenzielle ist erfasst, das Wesen der „Pusteblume“ begreiflich gemacht.

Ein genauer Blick auf den Blumenkohl lohnt sich. Große Blätter – intensiv bearbeitetes Eisen – erstrecken sich weit in den Raum. Aber nur, wer sich bückt, um in die geöffneten Blätter hinein zu blicken, sieht das Kunstwerk ganz: Tief innen ruht der weiße, aus Gips naturalistisch nachgeformte Blumenkohl.

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Die „Animistische Skulptur“ entfernt sich von den sonst eher naturgetreuen Werken: Eine aus Gips geformte Muschel wird ergänzt durch das Geweih eines Damhirschs, das seitwärts aus der Öffnung der Muschel herausragt – ein Werk, das sich mehr der reinen Ästhetik verpflichtet fühlt, eine spielerische Variante der Möglichkeiten.

Mit einem Augenzwinkern begrüßt uns die kleine Skulptur „Ikarus“. Ein plumper Holzklotz ist an beiden Seiten mit leichten Flügeln aus Kupfer versehen. Das Missverhältnis des Körpergewichts zu dem der Flügel lässt ahnen, dass hier kein Abheben möglich ist. Und man wird an die Hybris erinnert, mit der Ikarus versuchte, sich in die Lüfte zu schwingen.

Noch bis 6. November

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 6. November 2022. Geöffnet ist Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr. Kunstverein Bad Aibling, Irlachstraße 5.

„Löwenzahn“: Eisen, Blei, Kupfer, Borsten (2008)

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