Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Der Liebestrank“ bei den Festspielen Schloss Amerang

Wie der Korken in die Weinflasche

Am Ende kriegen sich (von links) Nemorino (Gabriel Arce) und Adina (Selin Dagyaran), Dulcamara (Nejak Isik Belen) ist zufrieden und Belcore (Fernando Arajo) ist noch empört.
+
Am Ende kriegen sich (von links) Nemorino (Gabriel Arce) und Adina (Selin Dagyaran), Dulcamara (Nejak Isik Belen) ist zufrieden und Belcore (Fernando Arajo) ist noch empört.

Mit einer Premiere endet der Festspiel-Sommer auf Schloss Amerang. Donizettis „Liebestrank“ bietet passende leise-ironische Leichtigkeit für den heißen Sommer

Amerang – Das Bühnenbild im Schlosshof, wie immer zehn Meter hoch, von Hendrik Müller, zeigt einen kleinen Platz mit Dorfbrunnen, im Hintergrund läuft ein Weg einem kleinen Weinberg zu, über dem eine überdimensional große Weinflasche aufragt (nichts anderes ist ja der “Liebestrank“) mit dem Titel „Coup de foudre“ drauf, also: Liebe auf den ersten Blick. Zum Zeichen dafür sprühen aus dem Flaschenhals Tropfen in Herzchenform, die bei der Einnahme des Liebestranks rot aufglühen.

So auf leis-ironische Sommerleichtigkeit gestellt war die ganze Inszenierung der Oper „Der Liebestrank“ von Gaetano Donizetti bei den Festspielen Schloss Amerang.

Ohne Chor und einige Titel

Die Premiere ist ulkigerweise das Ende der Saison, dabei passt diese Oper wie der Korken in die Weinflasche in diesen reizvollen Arkadenhof und in die warme Sommernacht: „Hier stirbt wenigstens keiner“, flachste der Schlossherr und Festspielintendant Ortholf von Crailsheim. Die reiche Bäuerin Adina verstreut Koloraturen, der in sie verliebte arme Bauer Nemorino seufzt melodieselig, der Macho-Sergeant Belcore, dessen Gewehr sofort losging, bramarbasiert baritonal und der Quacksalber und Liebestrankverkäufer Dulcamara singplappert ununterbrochen. Der Regisseur Ingo Kolonerics musste notgedrungen auf den Chor und damit einige Titel verzichten, auch die Ausstattung ist sparsam, aber die Kostüme schön und kennzeichnend: Belcore trägt eine quietschbunte Rokoko-Uniform und Dulcamare ist in flammendes Rot getaucht. „

Vor Singfreude überströmende Stimmen

Die Besetzung ist die halbe Regie“, sagt Ingo Kolonerics und hatte durchwegs außerordentlich gute Sänger mit vor Singfreude überströmenden Stimmen aufzubieten, die auch noch eine unbändige komödiantische Spiellust zeigten. Als eitler Soldat stolzierte Fernando Araujo über die Bühne, den Holzstock im Rücken und den prollig polternden Macho in der Stimme. Dulcamara (Nejak Isik Belen) schwang seinen Gehstock wie einen Zauberstab und setzte seinen Prachtbass unentwegt marktschreierisch ein. Mariana Pedrozo sang mit verschwenderisch schönem Sopran die Giannetta, Adinas Freundin.

In die Herzen der Zuschauer gesungen

Gabriel Arce als Nemorino sang sich als echter Tenore di grazia in die Herzen der Zuhörer, verwendete bisweilen sehr schön die Messa voce und punktete auch mit gefühlvollen Piani. Seine „Una-furtiva“-Romanze kam vielleicht ein bisschen zu forciert, aber insgesamt sehr geschmackvoll. Ganz liebreizend, mit viel Liebessehnsucht, doch auch kesser Koketterie in ihrem vollblühenden Sopran, spielte und sang die junge Selin Dagyaran die Adina, mit ihren üppig koloraturgespickten Schlussarien bezauberte sie vollends das Publikum, das vorher schon nicht mit Zwischenapplaus geizte. Der langanhaltende Schluss-Applaus galt auch dem fein aufspielenden, von Stefano Seghedoni umsichtig geleiteten Mini-Orchester, das unter anderem mit wissend kichernden Holzbläsern aufwartete.

Mehr zum Thema

Kommentare