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Seit zehn Jahren leitet Andreas Legath das Spektakel

Wie aus den „Inntaler Klangräumen“ eine erfolgreiche Konzertreihe wurde

Andreas Legath legt letzte Hand an seine großen Bilder des trauernden Petrus.
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Andreas Legath legt letzte Hand an seine großen Bilder des trauernden Petrus.
  • VonRainer W. Janka
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Bei den zehnten „Inntaler Klangräumen“ finden drei Konzerte mit Kunstinstallationen in ausgewählten Barockkirchen des Inntals statt. Eigentlich sollten die „Inntaler Klangräume“ ein einmaliges Ereignis bleiben. Was absichtslos begann, ist heute eine höchst erfolgreiche Konzertreihe.

Bad Aibling – Die „ Inntaler Klangräume “ finden heuer zum zehnten Mal statt, eine Folge von drei Konzerten zusammen mit Kunstinstallationen in ausgewählten Barockkirchen des Inntals: am Freitag, 16. September um 19.30 in der Klosterkirche Attel, am Samstag, 17. September, um 17 Uhr in der Wallfahrtskirche in Kirchwald in Nußdorf und am Sonntag, 18. September, um 17 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche in Westerndorf bei Pang. Die Konzerte werden von exzellenten Musikern unter der Leitung von Andreas Legath bestritten. Die OVB-Heimatzeitungen haben mit dem Begründer der Konzert-Reihe gesprochen.

10 Jahre „Klangräume“: Können Sie ein Resümee ziehen?

Es hat eigentlich ganz absichtslos begonnen mit drei kleinen Konzertchen, die eigentlich einmalig bleiben sollten und mit einem Personalaufwand von vielleicht zehn Leuten verbunden waren. Dabei ist es nicht geblieben, es ist immer größer, aufwendiger, umfangreicher und damit arbeitsintensiver geworden. Mit der Inszenierung von zwei Oratorien von Giacomo Carissimi letztes Jahr in Attel sind wir an die Grenzen der Belastbarkeit gestoßen.

Also absichtslos begonnen, aber höchst erfolgreich geworden?

Das Anliegen, kirchliche Räume unserer Region in den Mittelpunkt zu rücken und zum Klingen zu bringen, hat sich ja nicht geändert. Mein spezielles Anliegen ist es, der Erodierung unserer Identität und Kultur etwas entgegenzusetzen. Und was wäre mehr geeignet als Musik, die vielleicht im Konzertraum nicht erklingen kann und auch in der Liturgie keinen Platz (mehr) hat und die trotzdem so wunderbar und wie geschaffen für diese Kirchenräume ist!

Heuer heißt das Thema „Von Tränen und von Freude“. Was bedeutet das?

Das ergibt sich aus dem ersten und dem letzten Programm. Das erste Programm ist einem einzigen Werk gewidmet, den „Lagrime Petri“, also den Tränen Petri, von Orlando di Lasso. Hier geht es um die Reue des Heiligen Petrus, dem durch den dreimaligen Hahnenschrei bewusst wird, dass er Christus verleugnet hat. In einem Text des Italieners Luigi Tansillo in 21 Motetten wird über diese Schuld reflektiert. Es ist eine fantastische Musik, ein siebenstimmiges Werk, das Lasso ganz am Ende seines Lebens geschrieben hat und das ihm die letzte Kraft abverlangt hat.

Wie klingt das – mystisch?

Orlando di Lasso geht hier einen Schritt weiter als in seinen großen Werken vorher, wo es um die Perfektionierung des Chorsatzes geht. Die große Anlage, die große Symmetrie ist in diesem Werk überhaupt nicht mehr wichtig. Es geht ihm vielmehr um eine kleinteilige Abbildung der Emotionen, es steigert sich bis zu letzten der 21 Motetten.

Ich glaube, wenn man sich auf diese Klangwelt einlässt, die ja nahezu 500 Jahre zurückliegt, wird man mit Sicherheit eingenommen davon. Es wird eine Reflexion des eigenen Selbst geben, aber natürlich auch eine Freude an der Großartigkeit dieser Musik, die durch das Ensemble „Cantando Admont“ interpretiert wird, dessen Sänger aus allen europäischen Ländern kommen.

Ich glaube, dass es eine Schnittmenge und speziell in diesem Raum eine tiefe Entsprechung des Raumes gibt, wenn einerseits Musik von Mozart und Michael Haydn und andrerseits bayerische Volksmusik erklingt, weil beides im Raum vorhanden ist: die schöne barocke Architektur und die Volkstümlichkeit in den Votivtafeln, die im ganzen Raum verteilt sind. Gesungen werden ja auch von Mozart und Haydn die volkstümlicheren marianischen Werke. Dies alles stammt ja aus dem musikalischen Bodensatz unserer Landschaft.

Der Lasso hat eine besondere Herausforderung dargestellt. Ich bin auf eine Reihe von grandiosen barocken Darstellungen des reumütigen Petrus gestoßen und habe mir diese Bilder vergrößern lassen. Ich habe auch die Zahl sieben gewählt, diese Bilder übermalt und sie mit Attributen versehen, die zu Petrus gehören, zum Beispiel den Schlüssel, den Hahn, das umgekehrte Kreuz und die Marterwerkzeuge, und habe somit Assemblagen (Anmerkung des Autors: das ist: dreidimensionale Objekte der Kunst) hergestellt, um den emotionalen Gehalt des Textes und der Musik noch zu steigern.

Das Theatrum Sacrum entspringt eigentlich der Liturgie. Bis zur Liturgiereform war die Liturgie ja selber noch mehr oder weniger Theatrum Sacrum.

Im 17./18. Jahrhundert wurden in den großen Klosterkirchen mit größtem Aufwand, großartigen Bühnendekorationen und musikalischen Kräften biblische Stoffe auf der Theaterbühne in der Kirche dargestellt: eine Art visueller Darstellung des Heilsgeschehens.

AUTOR: RAINER W. JANKA

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