Widerstand gegen die Welt der Roboter

„Benkanator“, ist dieses Bild von Benka aus dem Jahr 2020 überschrieben.
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„Benkanator“, ist dieses Bild von Benka aus dem Jahr 2020 überschrieben.

Ruhpolding – Kommunizieren wir mit Robotern oder ist das ein Mensch?

Internetbenutzer können sich oft nicht mehr sicher sein, dass hinter tausendfach geposteten Nachrichten in Twitter und Co ein menschliches Individuum steckt oder ein simpler „Meinungsmachroboter“. Alte, Kranke und Kinder werden mancherorts bereits erfolgreich durch Roboter betreut.

Kosmopolit mitwichtiger Botschaft

Ein junger Künstler, der sich seit Jahren mit dieser Entwicklung befasst, ist der in München wohnhafte Benka, eigentlich Taymour Benkhalef. Derzeit sind insgesamt 20, meist großformatige Bilder von Benka bis Ende August in der Ruhpoldinger Galerie Kaysser zu sehen. Die meisten davon entstanden in 2019 und 2020 und waren vorher noch nicht öffentlich zu sehen.

Unter dem Titel „Captcha“ nimmt der 37 Jahre alte Künstler aus München hier die Problematik künstlicher Intelligenz und der Smartphonesucht unserer Tage ins Visier. Hoch aktuell bedient er sich in seinen Kunstwerken sogenannter Captchas. Sie dienen in der Realität als Sicherheitscheck von elektronisch übermittelten Nachrichten und bestehen aus zufällig ausgewählten Zahlen und Buchstaben, mit denen überprüft wird, ob ein Mensch oder eine Maschine hinter den Nachrichten stecken.

Diese Captchas interpretiert Benka in ästhetisch ansprechenden Bildern, meist mit Schriftzeichen übersät: Sie sind Symbol für seinen künstlerischen Kampf gegen die Robotisierung der Welt.

Benka wurde 1983 in Abu Dhabi als Sohn einer Französin und eines algerischen Diplomaten geboren. Er hatte das Glück, sehr jung durch die Welt zu reisen und unterschiedliche Kulturen zu erleben. Früh wurde er mit Diskriminierung und Suchtverhalten konfrontiert. Nachdem er die französische Schule in Wien absolviert hatte, konzentrierte sich Benka erst auf die Musik, wobei er als Schlagzeuger in verschiedenen Metalbands wie Xtrunk mitspielte, mit denen er zwei Alben aufnahm und zahlreiche Konzerte in Europa gab. Gleichzeitig studierte er klinische Psychologie mit dem Schwerpunkt Abhängigkeit von Smartphones, worüber er schließlich auch seine Masterarbeit schrieb.

Abhängigkeitals Problem

Schon in seinen ersten Bildern beschäftigte Benka sich mit der Problematik der Abhängigkeit. Diese Gemälde, Zeichnungen und Collagen waren figurativ und farbintensiv, wobei seine Bewunderung für die Bilder des afroamerikanischen Künstlers Jean Michel Basquiat (1960 bis 1988) unübersehbar war. Dieser wurde besonders für seine Graffiti-Kunst berühmt und hatte in seinem kurzen Leben bereits mit Künstlern wie Salvador Dali, Keith Haring, Andy Warhol und Joseph Beuys zusammen gearbeitet und ausgestellt. Benka bringt das gefährliche Spiel der unterschätzten Konsequenzen von künstlicher Intelligenz, zum Beispiel die Kreation der Humanoiden Sophia, Erica oder Aida ins Bild. In der Galerie gibt es für zehn Euro ein Plakat von Benka zu kaufen, dessen Erlös vollständig an Unicef gespendet wird. Die sehenswerte Ausstellung „Captcha“ in der Ruhpoldinger Galerie Kaysser an der Hauptstraße 28 gegenüber dem Hotel „Zur Post“ ist bis einschließlich Sonntag, 30. August, zu sehen.

Geöffnet ist die Galerie Kaysser mittwochs bis freitags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis bis 17 Uhr, außerdem nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 8663/3559798 und mobil unter 0170/4204108. Christiane Giesen

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