Wenn Wandern zur Andacht wird

Maria Lenk: Wallfahrtsorte, Spurensuche im Rott- und Inntal, ISBN 978-3-9821096-0-2, 25 Euro.

Eggenfelden – Mit „Wallfahrtsorte“ legt die Eggenfeldenerin Maria Lenk dem Leser ein Werk vor, das Kontemplation und Aktion gleichzeitig ermöglicht.

Auf fast 400 Seiten, prächtig und umfangreich bebildert, begibt sie sich auf Pilgerwegen zu 25 Wallfahrtsorten im Rott- und Inntal.

Wer die derzeitige Diskussion über die Ausrichtung der Kirche in Zeiten umgreifender Glaubensverdunstung und massiver Kirchenaustritte verfolgt, dem eröffnet sich mit Maria Lenks Buch ein Blick auf den wahren Reichtum der Kirche: Die tiefe, unerschütterliche Volksfrömmigkeit, die sich hinsichtlich der Ausstattung und bildhaften Umsetzung nicht nur in den großen und bekannten Pfarrkirchen widerspiegelt, sondern vor allem in den „kleinen“ Kapellen am Wegesrand.

Die Wegstrecke beginnt am Ursprung der Marienwallfahrt in Bayern, der Wallfahrtskirche „Maria Himmelfahrt“ in Bogen, macht Halt in Marktl am Inn. Dort findet sich das Geburtshaus von Papst Benedikt und eine bronzene Benediktsäule des Bildhauers Joseph Michael Neustifter aus Eggenfelden, wie sie etwa auch in Oberaudorf zu bewundern ist.

Fast 30 Seiten des Buches sind dem Wallfahrtsort Altötting gewidmet. Im Zentrum der ausführlichen Betrachtung steht nicht nur die Schwarze Madonna oder der bekannte „Tod zEding“, eine Skelettfigur aus dem 17. Jahrhundert. Dem Volksmund nach stirbt bei jedem Sensenschlag der gruseligen Skulptur ein Mensch.

Im Zentrum steht auch der Heilige aus dem Rottal, Bruder Konrad, dem in Altötting die gleichnamige Kirche geweiht ist. Zur Wesensverdeutlichung des Heiligen, der so hingebungsvoll und beeindruckend demütig das Amt des Klosterpförtners in Altötting ausübte, hat Maria Lenk die Predigt des Passauer Bischofs Stefan Oster zur Altarweihe in der neuen Bruder-Konrad-Kirche eingefügt.

Unzählige Bilder laden zum virtuellen Pilgerweg durch diese heute noch so lebendige und faszinierende Glaubenslandschaft ein. Wer sich wirklich auf den Weg macht, entdeckt, wie Maria Lenk schreibt, „die erdende Wirkung der Langsamkeit“. Die Nähe zu Gott werde spürbar und Wandern zur Andacht. Die Autorin: „Probieren Sie es aus! Es kommt dabei nicht auf die Länge des Weges an, sondern auf die Absicht, die dahinter steht.“ eva-Maria Gruber

Kommentare