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„Alpen und Glühen“

„La pathetique“ als Schmachtfetzen

Irgendwo zwischen Volksmusik und Experiment: die acht Musiker des Projekts „Alpen und Glühen“.
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Irgendwo zwischen Volksmusik und Experiment: die acht Musiker des Projekts „Alpen und Glühen“.
  • Klaus Kuhn
    VonKlaus Kuhn
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Herbert Pixner ist ein Gratwanderer der alpenländischen Volksmusik. Für sein neues Projekt „Alpen und Glühen“ hat sich der Südtiroler mit dem österreichischen Trompeter Thomas Gansch zusammengetan. Gemeinsam mit sechs weiteren Musikern präsentierten sie das neue Programm im ausverkauften Kuko.

Rosenheim – Herbert Pixner ist ein Gratwanderer der alpenländischen Volksmusik: Er hat seinen ganz eigenen Sound geschaffen, inspiriert von alpenländischer Volksmusik, und ihr doch immer neue Facetten abgewinnend. Das hat ihm treue Fans beschert. So war das Kultur- und Kongress-Zentrum mit 1500 Besuchern ausverkauft, als er dort sein neues Projekt „Alpen und Glühen“ vorstellte.

Doch wer sich nach den zwei langen Corona-Jahren auf ein typisches Pixner-Konzert mit seinen bekannten Stücken und gewitzten Anekdoten gefreut hatte, sah sich enttäuscht. Denn mit der neuen Konzert-Tour geht der Südtiroler Musiker, typisch für ihn, einmal mehr neue Wege.

Zwei Virtuosen tun sich zusammen

Für „Alpen und Glühen“ hat er sich mit dem international gefeierten österreichischen Trompeter Peter Gansch zusammengetan. Beide Jahrgang 1975, beide Virtuosen auf ihren Instrumenten und beide mit Humor und Ironie versehen entpuppten sich auf der Bühne als kongeniale Partner.

Virtuoser Multi-Instrumentalist: Herbert Pixner.

Begleitet wurden sie von einer ungewöhnlichen Kombination an Musikern. Das Radio String Quartett mit zwei Geigen, Bratsche und Cello ist ein Streichquartett in klassischer Besetzung. Dazu kamen der Bassist Lukas Kranzelbinder und der Percussion-Künstler Manu Delago.

Lesen Sie auch: „Herbert Pixner und Berliner Symphoniker begeistern im Kuko

So bemerkenswert wie die Besetzung war auch das musikalische Ergebnis: Volksmusikalische Klänge trafen auf experimentelle Passagen, Improvisationen verbanden sich mit Elementen klassischer Musik. Jeder der Akteure steuerte eigene Stücke bei. Und so dauerte es bis zur Mitte der zweiten Hälfte, bis mit „Südost“ tatsächlich das erste Stück aus der Feder von Herbert Pixner erklang. Gansch trompetete seinen „Marsch Nr. 1“. Kranzelbinder trug sein Herz kompositorisch nach außen gekehrt („I wear my heart on the outside“). Von Manu Delago kam mit „Non Electronic Song No. 1“ eine Klangstudie, die der Komponist mit geheimnisvoll anmutenden Klängen seiner Percussion-Instrumente untermalte. Pixner stellte sich gänzlich uneigennützig in den Dienst seiner Mitmusiker, unterstützte mit spährischen Akkordeon-Klängen und feinem Klarinetten-Spiel.

Pathétique“ als Schmachtfetzen

Es war so gar nicht das typische Pixner-Programm. Sogar die ironisch-augenzwinkernden Moderationen Pixners kamen nur vereinzelt, dafür übernahm Gansch das Amt des Conferenciers. „Bei mir gibt es kein Programm ohne eine Schnulze – einen „L‘amour-Hatscher wie wir sagen“, kündigte Gansch an. Das Ergebnis war Tschaikowskys „Pathétique“, umfunktioniert zum Schmachtfetzen, bei der sich Gansch an der Trompete und Pixner am Tenorsaxophon die musikalischen Bälle zuwarfen.

Und neben der Virtuosität auf den Lippen hat Gansch auch den Schalk im Nacken – oder besser gesagt staubtrockenen österreichischen Schmäh mit Hang zum Kalauer: „Lassen Sie sich gehen, aber bleiben Sie im Saal.“

Das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen entzog sich jeder musikalischen Kategorisierung. Und so ist „Alpen und Glühen“ am Ende doch wieder ein typisches Pixner-Programm. Denn der Südtiroler vermeidet mit seinen kreativen Anordnungen – wieder einmal – jede musikalischen Schublade. So war das Konzert wie eine Verkörperung des Künstlers Herbert Pixner: virtuos, gewitzt und hochkreativ.

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