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Riederinger Theaterzelt

Wenn die Lebensfreude gewinnt

Das Bühnenbild mit den Türmen der Frauenkirche nutzt die komplette Höhe des Theaterzelts.
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Das Bühnenbild mit den Türmen der Frauenkirche nutzt die komplette Höhe des Theaterzelts.
  • VonKlaus Bovers
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Zahlreiche Prominente aus der Region waren dabei, als im Riederinger Theaterzelt die fünfte Premiere von Elfriede Ringsgwandl auf die Bühne kam. Mit viel Lebens- und Spielfreude begeistererte das Ensemble mit dem Stück „Lukas Straßenkind“ sein Publikum.

Riedering – Es war die fünfte Erstaufführung der Autorin, Regisseurin, Schauspielerin und Theaterchefin Elfriede Ringsgwandl. Ihr Stück heißt „Lukas Straßenkind“ und zu seiner heiter festlichen Weltpremiere am vergangenen Montag hatten sich im Riederinger Theaterzelt auch wieder mal prominente Fans getroffen: Ilse Aigner, Wolfgang Heubisch, Landrat Otto Lederer, Christoph Vodermaier, der Riederinger Bürgermeister, und wer es nicht erlebt hat, mag es kaum glauben, zu welcher Jubellautstärke eine Landtagspräsidentin im Stande ist.

In Frieden und Freiheit leben

Nicht ohne Grund, denn die Lebensfreude ist in Elfriedes Theaterzelt ja bekanntlich Dauergast. Doch gegen wen oder was wurde sie diesmal als Gewinner in Stellung gebracht? So muss man das wohl formulieren in Zeiten, in denen wieder geschossen wird und wo auch im Stück anfangs Menschen feindlich aufeinander losgehen. Wobei die Kinder als die Schwächsten auf der Strecke bleiben. Zitat aus dem zweiten Akt: „Kein Mensch hat diesen scheiß Krieg gebraucht. Und das ist auch heute noch so! Wir wollen keinen Krieg, wir möchten leben in Freiheit und Frieden! So schaut’s aus!“ Das ist die Erkenntnis des versehrten 1942er-Kriegskindes Lukas, wenn er als blinder alter Mann auf den Stufen vor der Münchner Frauenkirche sitzt und für mildtätiges Kleingeld „La Paloma“ auf der Harmonika spielt.

Der Wind weht durch die Türme

Unter seinen Zuhörern ist auch das kleine Mädchen Marlena. Ihr erzählt Lukas seine Geschichte, von den Bomben auf München und der Verfolgung von Menschen mit dem gelben Stern. Auch vom Wind, seinem einzigen Freund, der ihm all das beschreibt, was er nicht mehr sehen kann. Wir Zuschauer sehen dagegen alles, angefangen beim Wind, der als zart weibliche und zauberhaft glitzernde Erscheinung mal oben zwischen den Türmen, mal unten durch die Gassen ihre Pirouetten weht. Und wir sehen die Vergangenheit mit ihren Soldaten, Waffen, Schergen in Uniform, lauten Befehlen, verschreckten Frauen und inmitten von Trümmern und Tod einen blinden kleinen Jungen, an die Hand genommen von Lena, dem tapferen Mädchen mit dem gelben Stern. Doch bei den Ringsgwandl-Stücken gewinnt zum Glück die Lebensfreude. Gleich die allererste Szene mit munterem Volksgewimmel am Domplatz zeigt, dass die Menschen eine Katastrophe („der feige Held und seine Bande!“) hinter sich haben und auf die Zukunft hoffen. Die beginnt dann im zweiten Akt vor dem Vorhang mit Glenn Millers „In The Mood“, performed durch eine bejubelte Karaoke-Band der kleinen und kleinsten Theaterkinder.

Elvis Presley auf der Seitenbühne

Danach ist auf einer erhöhten Seitenbühne Elvis Presley live zu Gange (Casey Don Yeager mit Band), Frank Sinatra darf live auch nicht fehlen (Manfred Stecher und Maria Imania) und schließlich Edith Piaf mit „La vie en rose“, live mit der blutjungen Magdalena Staber und ihrer tollen Stimme. Mit Ton vom Band und als hinreißendes Schattenspiel dann die Mondlandung 1969, mit einem Gag für Kenner: Präsident Nixon spricht mit den Astronauten übers Himmegugga -Telefon!

Resümee, wenn man so will: Die siegreiche Lebensfreude hat der Wind eindeutig vom Westen herbei geweht. Als Symbol dafür braust in der Pause ein Oldtimer-Jagdflieger mit Original-US-Kriegsbemalung dreimal im Tiefflug über das Theaterzelt und wackelt als Gruß mit den Tragflächen. Vom Flugplatz in Mühldorf soll er gestartet sein. Fans, die so etwas organisieren können, hat wohl nur die Ringsgwandl-Truppe! Und etwas fürs Herz gibt es auch: Lukas‘ kleine Zuhörerin sorgt dafür, dass er seine verloren gegangene Lena mit dem gelben Stern wiederfindet. Eine ältere Dame inzwischen, zurück aus der Emigration in den USA – und er trägt immer noch ihren roten Schal. Ein rührendes Happy End am Münchner Domplatz, auch das kann der Huber Wast in der Hauptrolle mehr als überzeugend rüber bringen.

Slapstick schon vor Spielbeginn

Nicht zu vergessen: die diversen Slapstick-Einlagen des komischen Duos Beppo und Karl (Seppe Staber und Hans Ittlinger). Noch bevor der Vorhang zum ersten Mal hoch geht, sorgen sie für gute Stimmung, wenn sie artistisch versuchen, über eine Leiter die zu hoch hängende Laterne anzuzünden. Die brennt dann über die ganze Spieldauer, wohl damit uns ein Licht aufgeht. Das alles hätte das Publikum aber nur halb so begeistert ohne das grandiose Bühnenbild. Endlich konnte Erwin Ringsgwandl mit den Münchner Frauentürmen mal die ganze Höhe seines Zeltes ausnützen. Wie viel Luft nach oben ist jetzt noch übrig für die nächsten Stücke von Elfriede Ringsgwandl? Warten wir’s ab, bei ihr weiß man nie.

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