Weltklasse-Klarinettistin vor 50 Zuhörern: Sabine Meyer zu Gast bei den „Inselkonzerten“ auf Herrenchiemsee

Klassikstars vor ganz kleinem Publikum: Nils Mönkemeyer, William Youn und Sabine Meyer musizierten vor 50 Zuhörern. Mehr lassen die aktuellen Corona-Auflagen im Freistaat nicht zu.
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Klassikstars vor ganz kleinem Publikum: Nils Mönkemeyer, William Youn und Sabine Meyer musizierten vor 50 Zuhörern. Mehr lassen die aktuellen Corona-Auflagen im Freistaat nicht zu.

Der Klassikstar gab Konzert im Bibliothekssaal des Augustiner Chorherrenstifts zusammen mit dem Bratschisten Nils Mönkemeyer und dem Pianisten William Youn. Wegen Corona-Auflagen sind nur 50 Besucher zugelassen.

von Marco Frei

Chiemsee – Noch immer liegt im Freistaat bei Konzerten und Aufführungen die Obergrenze fürs Publikum bei rund 200 Menschen. Im Bibliothekssaal des Augustiner Chorherrenstifts auf der Herreninsel dürfen weiterhin nur 50 Besucher Platz nehmen. Deswegen wird bei den „Inselkonzerten“ zweimal dasselbe Programm gespielt: vormittags und nachmittags. Die Gage der Musiker verdoppelt sich aber nicht.

Was das für die Kammermusikreihe und die Künstler bedeutet, hat Co-Leiter und Bratschist Nils Mönkemeyer schon beim ersten „Inselkonzert“ Anfang Juni klar benannt. „Kultur rechnet sich so nicht.“ Ein Blick ins benachbarte Ausland verrät das ganze kulturpolitische Debakel in Bayern. Bei den Salzburger Festspielen und dem Lucerne Festival sind 1000 Menschen zugelassen. Auch die Schweizer Kammer-Reihen in Ernen und Davos dürfen weit mehr als 50 Menschen in die Konzerte lassen.

So ist es ein großes Wunder, was Mönkemeyer und der Pianist William Youn als Leitungsduo im schwierigen Corona-Jahr aus den „Inselkonzerten“ zaubern. Jetzt ist es ihnen geglückt, Sabine Meyer in den Chiemgau zu locken. Die große Klarinettistin, einst gefördert von Herbert von Karajan, präsentierte sich mit Mönkemeyer und Youn. Gemeinsam gaben sie Trios für Klarinette, Bratsche und Klavier zum Besten.

Selten Besetzung

Es ist ein besonderes Repertoire für eine seltene Besetzung. Erst mit der frühen Moderne setzt eine verstärkte Reflexion ein. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wird diese „Trio-Kombi“ einen gewaltigen Schub machen. In der Romantik sind es hingegen Robert Schumann mit den „Märchenerzählungen“ op. 132 sowie Max Bruch in den „Acht Stücken“ op. 83 von 1910, die diese spezielle Besetzung pflegen.

Selbst Johannes Brahms ersetzt in seinem originären Klarinetten-Trio op. 114 die Bratsche durch das Cello. Dabei betont diese „Trio-Kombi“ die Mittellage, was eine dunkel gefärbte, melancholische, mystische Klanglichkeit erzeugt. Hier setzen Schuman und Bruch an, um die Instrumente vielfarben zu kombinieren. In ihrer fein ausnuancierten Gestaltung haben Meyer, Youn und Mönkemeyer dieses klangliche Profil wunderbar ausgekostet: atmosphärisch dicht und berauschend schön.

Mozarts „Erfindung

Neben Schumann und Bruch ist es in der Romantik nur Carl Reinecke, der für diese Besetzung prominent komponierte. Zuvor hat Wolfgang Amadeus Mozart diese ungewöhnliche Besetzung „erfunden“: mit dem „Kegelstatt-Trio“ KV 498. Mit ihrem überaus präsenten Spiel machten Meyer, Youn und Mönkemeyer hier zugleich deutlich, wie sehr das Werk auch die Bühnen-Dramatik in sich trägt. Die Nähe zu Mozarts „Figaro“ war als Geste deutlich präsent.

Packende Ereignisdichte

Immerhin ist das Trio im Sommer 1786 entstanden, wenige Monate nach der Uraufführung dieser Oper. Eine packende Ereignisdichte ist da Meyer, Youn und Mönkemeyer geglückt. Bei den „Inselkonzerten“ wurde einmal mehr Kammermusik im wahrsten Sinn zelebriert: ein Musizieren auf Augenhöhe, absolut gleichberechtigt. Schon am 13. September geht es weiter, mit einem Klavier-Rezital von Youn. Hoffentlich dürfen dann mehr als 50 Menschen im Konzert sitzen.

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