Weihnachten im Juni und andere Kuriositäten

Günther Maria Halmer rezitierte und erzählte ausdrucksstark, humorvoll und eindringlich. Heel
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Günther Maria Halmer rezitierte und erzählte ausdrucksstark, humorvoll und eindringlich. Heel

Humorvolle und skurrile, aber auch leicht besinnliche Geschichten rund um Weihnachten präsentierte der Schauspieler Günther Maria Halmer bei seiner Lesung im voll besetzten Innenhof von Schloss Amerang. Wobei es Halmer, der vor zwei Jahren mit Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ schon einmal zu Gast im Schloss war, auch an diesem Abend verstand, sich auf Anhieb in den Texten einzurichten, sie mit großem Geschick ausdrucksstark, einfühlsam und atmosphärisch dicht wiederzugeben.

Seine erste, höchst amüsante Geschichte mit dem Titel „Der Baum“ stammte von dem unvergessenen TV-Moderator Peter Frankenfeld und handelte davon, wie schädlich unmäßiger Alkoholgenuss beim Kauf eines Christbaums sein kann. Nach einem kurzen Abstecher zu Gerhard Polt und dessen Satire „Der Weihnachtsneger“ kam er als Nächstes auf den von ihm sehr geschätzten Rosenheimer Autor Wolfgang Schierlitz zu sprechen, aus dessen neuestem Buch „Oh Pannenbaum“ er eine Episode vortrug. Eine so heitere wie lehrreiche Geschichte über einen durch brennendes Engelshaar ausgelösten Wohnungsbrand, bei dem der Besitzer auf dem Schaden sitzen bleibt, weil er versicherungsmäßig nicht vorgebildet war und deshalb wahrheitsgetreue Angaben gemacht hat.

Sprachgewaltig und kurzweilig inszeniert war auch Halmers Version des Theaterstücks „Das Christbaumbrettl“ von Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Hier schlüpfte er mühelos in die unterschiedlichsten Rollen (Vater, Mutter, Kind und Kaminkehrer) und ließ diese aberwitzige Geschichte um ein versehentlich im Juni gefeiertes Weihnachtsfest wie ein Hörspiel ablaufen. Weiter auf dem Programm stand mit „Apfent“ noch ein Text des Humoristen Toni Lauerer, Ludwig Thoma war mit „Christabend - Eine Familiengeschichte“ vertreten.

Für eine Überraschung sorgte Halmer noch, als er William S. Maughams „Die Weihnachtsreise“ vortrug, die hintergründige Story um eine geschwätzige, ältliche Engländerin, die Weihnachten auf einem deutschen Frachtschiff verbringt und hier vom Bordfunker einen Service erfährt, der sie veranlasst zu sagen: „Deutsche Weihnachten sind etwas Wunderbares.“

Mit Erich Kästners „Parade am Weihnachtstisch“ neigte sich die mit viel Applaus bedachte Lesung dann dem Ende zu.

Musikalisch umrahmt wurde die Lesung vom Kerschbam-Terzett mit Andreas Waldschütz und Manuel Kutan an der Kerschensteiner Zither und Ludwig Biegel an der Gitarre. Drei erstklassige Musiker, die so spielfreudig wie technisch virtuos traditionelle Volksmusik wie das „Tegernseer Menuett“ oder den „Tiroler Schützenmarsch“ präsentierten, aber auch anders konnten, wie sie mit dem Thema aus dem Film „Der dritte Mann“ eindrucksvoll bewiesen, dicht, intensiv und mit eigener Note.

Zum Abschied gab Halmer dann noch ein paar Weihnachtsgedichte zum Besten: „Schenken“ von Joachim Ringelnatz, das mit den Worten endet „…Sei eingedenk, dass Dein Geschenk Du selber bist“, und einen deutsch-englischen Text von Gregor Jonas, der wie folgt endet: „… when the snow falls wunderbar, and the children happy are, when the Glatteis on the street, and we all a Glühwein need, then we know, es ist so weit: she is here, the Weihnachtszeit.“. Derart humorvoll wurden die Zuhörer bestens auf die Vorweihnachtszeit eingestimmt.

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