Eröffung am 25. Oktober

Wasserburger Künstler Paul Mooney stellt im Ganserhaus aus: „Transcendental Journey“

Paul Mooney
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Paul Mooney
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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„Transcendental Journey“ heißt die Ausstellung des aus Dublin stammenden Wasserburgers Paul Mooney, die am Sonntag, 25. Oktober, um 13 Uhr im Ganserhaus eröffnet wird. Inspiration für seine abstrakte Aquarellmalerei auf Büttenpapier findet der Künstler in der Natur: Licht und Farben des Waldes, frisch gefräste Ackerfurchen oder wellenartige Muster am Strand, wenn die Ebbe kommt.

Wasserburg – Die glatte Oberfläche eines Sees ist ein makelloser Spiegel. Man sieht darin die Landschaft, den Himmel, sich selbst. Um etwas zu bewegen, muss Bewegung in die Sache kommen. „Ich muss dann einen Stein reinwerfen in dieses perfekte Bild, das Glatte zerstören. Nur so geht es vorwärts“, sagt Paul Mooney, während er im Ganserhaus seine Bilder für die Ausstellung, die am Sonntag, 25. Oktober, ab 13 Uhr beginnt, platziert.

„Transcendental Journey“, so beschreibt er seine Arbeiten. Seine Malerei begreift Mooney als eine kontinuierliche Reise, als Prozess, als Fortentwicklung, die nicht geradlinig läuft. Wie das Leben eben – so seine Pinselstriche inzwischen auch.

Bereitet eine Installation vor, die seinen Schaffensprozess erklärt: Paul Mooney. Erst die Bleistiftskizze, dann das Kleinformat und wenn das „funktioniert“, überträgt er es mit Aquarellfarben auf großflächiges Büttenpapier.

Die Natur gibt ihm den Input

Die Natur gibt ihm den Input. So sind es Licht und Farben, wenn er mit seinem Rennrad durch den Wald fährt, oder der Duft und der Anblick von einem frisch gefurchten Acker. Die wellenartigen Muster im Flachwasser am Meeresufer – sie dienen als Vorlage für die abstrakten Aquarelle auf Büttenpapier.

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Der schöne Ripple Effect

Und dann ist da der Stein, der die Oberflächenspannung eines Sees durchbricht, die Einschlagstelle und dann die Wellen, die sich konzentrisch ausbreiten. Im sogenannten Ripple Effect findet Mooney, der 1960 in Dublin geboren wurde, Inspiration. Seit bald 13 Jahren lebt er in Wasserburg, wo er sein Atelier in einem charmanten 60er Jahre Bungalow hat. Zuvor waren seine Stationen Babensham und Berlin.

Im Erkerraum des Ganserhauses baut Mooney, der am Münchner Volkstheater auch als Kulissenmaler und Bühnentechniker arbeitet, eine Papierinstallation auf, die seinen Schaffensprozess erläutern wird. Alles beginnt „im Unterbewussten“. Wie wenn man stundenlang telefoniert und nebenbei ein ganzes Telefonbuch mit symmetrischen Skizzen und Spiralen vollmalt.

Alte Skizzen geben neue Ideen

„Ich lasse mich treiben, der Lauf kommt von selbst. Wenn ich keine Idee habe und in meinem Atelier sitze, dann finde ich Kreativität durch meine alten Skizzen, die ich als kleinformatige Aquarelle ausprobiert habe, ob sie funktionieren.“ Er hat sie in Alben gesammelt und nennt sie „Werkzeuge der Inspiration“.

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Ein Bild als Sprungbrett fürs nächste Bild

Paul Mooney

Eingebungen kommen bei der Arbeit, Entwicklung entsteht im Prozess, der Prozess selbst ist der Inhalt. Und wenn Mooney an einem Bild malt, nuancierte Ackerfurchen oder Rippelmarken aufs Büttenpapier bringt, keimt schon die Idee für das nächste Bild in ihm. „Jedes Bild wird so zu einem Sprungbrett für das nächste Bild“, erklärt er sein Wirken.

Dabei hat er nicht immer so gearbeitet. Der Weg führte ihn zunächst als Student des National College of Art in Dublin zum abstrakten Expressionismus, wie ihn die New Yorker Schule vertritt.

„Verloren in der grenzenlosen Freiheit“

Feuilletonistin Petra Hallmayer erklärt im Ausstellungskatalog, warum sich der Künstler in dieser Strömung (lebendig in den 1940er bis 1960er Jahren), die durch Action Painting und Farbfeldmalerei geprägt war, bald verloren fühlte: Es war die „grenzenlose Freiheit“ einer Vision von Kunst als spontaner, willkürlicher Ausdruck des eigenen Unterbewusstseins.

„Ich schuf meine eigene Version der Farbfeldmalerei“, so Mooney und zeigt auf ein älteres Werk. Klare Rechtecke, zwei starke Primärfarben, Rot und Blau, eine begrenzte Fläche die strikt endet am Rande des Papiers. „Das ist etwas Konkretes, die Farbe ist das Mittel, die Formen sind straight. Ich wusste vorher, wie das Bild aussehen soll.“

Weg von den kühlen kubistischen Formen

Doch das reichte dem Iren auf Dauer nicht. Er wollte sich noch freier machen, weg von den kühlen kubistischen Formen und sich aufs „freie Spiel“ konzentrieren. So sind die jüngeren Werke geprägt von einer Dynamik im Farbverlauf, der Linienführung, sind nicht gebändigt durch strenge Formenrahmen.

Albumcover von Joy Division

Winzige Knicke und Dellen unterbrechen die Linien, die vertikal oder horizontal verlaufen. Dass dieser Stil an das Albumcover von Joy Divisions „Unknown Pleasures“ (1979) erinnert, das hat Paul Mooney schon öfter gehört. Die Linien auf dem Cover sind Abbildungen von Radiopulsen des im Jahr 1967 ersten entdeckten Pulsars (ein schnell rotierender Neutronenstern, der zum Sternbild des Füchschens am Nordhimmel gehört, Anm. d. Red.). Er blinkt wie eine Leuchtturmlampe.

Astrophysik ist jedoch nicht der Ideengeber für Mooneys Malerei. Sondern die unmittelbare Umwelt. Die Natur, die sich ihren Weg bahnt. Und sich nicht aufhalten lässt, wenn man es ihr gestattet. Wie Wasserfarbe, die auf ein schräg gehaltenes Blatt Papier tropft und sich ihren Weg sucht. „Ich gestatte inzwischen der Farbe, dass sie ihren eigenen Weg nimmt, das hätte ich früher nicht erlaubt.“

Eine eigene Ordnung

Es ist das Loslassen der totalen Kontrolle über den Verlauf und den Ausgang. Freier und chaotischer, aber keine wilde Kleckserei, sondern eine eigene Ordnung, die sich nur erschließt, wenn man die Bilder lange genug betrachtet. Dann lassen sich dreidimensionale Landschaften erkennen, Täler, Berge, schwebende Sonnen, tanzenden Seifenblasen.

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Petra Hallmayer, die seinen Schaffensprozess schon lange begleitet, beschreibt Mooney als Künstler, der sich in einem komplexen Prozess mit Farben und Formen auseinandersetzt. Er sei keiner, der ein Bild in wenigen Stunden wie im Rausch vollendet. Wer ihm mal in seinem Atelier über die Schulter schauen darf, erlebt, wie sie das meint.

Mooney schrubbt die Farbe wieder ab

Wochenlang baut er die Farben Schicht um Schicht auf seinen Bleistiftskizzen auf und wäscht sie immer wieder zurück. Gefallen sie ihm nicht, schrubbt er sie ab, legt Küchenkrepp drauf und drückt die restliche Farbe mit einer Walze ins Papier, ehe er damit wieder von vorne anfängt. „Bis zu sechs Mal wiederholt Paul Mooney diesen Prozess, bis endlich jener Eindruck berückender Leichtigkeit entsteht, auf den er abzielt. ,Ein Bild muss tanzen‘, erklärt er.“

„Good guy, bad guy“, heißt das Aquarell auf Büttenpapier, das Paul Mooney 2018 gemalt hat. Seine Linienführung erinnert an die Radiopulse, die das Albumcover von Joy Divisions „Unknown Pleasures“ zieren. „Das hör ich öfter“, sagt der Künstler schmunzelnd.

Als er im Ganserhaus die Aufteilung seiner rund 50 gerahmten Werke auf die einzelnen Räume vorgenommen hat, sagt er, „Stillstand wär der Tod“. Und damit meint er, auch, vorher schon zu wissen, was dabei rauskommt, wenn er zu malen beginnt. „Stillstand wäre es, sicher zu sein, dass das ein schönes Bild wird, weil ich das kann. So kommt man nicht vorwärts. Und dann muss man einen Stein ins Wasser werfen und das Langweilige, Glatte zerstören.“

Ohne Vernissage

Die Ausstellung im Ganserhaus in Wasserburg ist vom 25. Oktober bis 22. November immer donnerstags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Vernissage findet wegen Corona nicht statt.

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