Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„ALLES FASSADE“

Pepe Kremer: Kunst des Bildausschnitts füllt im Wasserburger Ganserhaus eine ganze Ausstellung

Auf den Bildausschnitt kommt es Pepe Kremer an.
+
Auf den Bildausschnitt kommt es Pepe Kremer an.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
    schließen

Pepe Kremer geht es nicht um gefällige Schönheit, wenn er mit seiner Kamera Fassaden fotografiert. Ihn interessiert das Marode, Verwitterte. Frontansichten alter Häuser sind wie die Gesichter hochbetagter Menschen: Sie erzählen, was sie erlebt haben.

Wasserburg – Unperfekt, marode, ramponiert – und gerade deswegen schön: Das sind die Fassaden alter Häuser. Sie erzählen Geschichten, verbergen Geheimnisse, haben viel erlebt. Pepe Kremer aus Rott versteht es, sie mit seiner Spiegelreflexkamera so in Szene zu setzen, dass sie spektakuläre Kontraste, optische Täuschungen und eine Sogwirkung entfalten. Und dann schreinert er seinen Bildern einen Rahmen.

Voranmeldung nötig

„Alles Fassade“ heißt seine Ausstellung im Ganserhaus, die noch bis Sonntag, 11. April dauert. Besuchen kann man sie (je nach Inzidenden) nach Voranmeldung unter Telefon 08071/4484. Öffnungszeiten sind donnerstags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr.

Die Motive finden ihn

Wenn der Rotter Fassaden und Baulinien in einem Neubaugebiet fotografiert, arbeitet er mit Schatten, oder gleich mit einer Schwarz-weiß-Einstellung. „Sonst ist kein Leben in den Bildern“, wie er sagt. Er geht nicht auf die Suche nach Motiven, sie finden ihn – überall. Häufig beim Spazierengehen, Um-die-Häuserziehen oder im Urlaub.

Lesen Sie auch: Kultur ist systemrelevant, denn sie ist für die Seele da

Seine ersten Bilder schoss Kremer, der in Venezuela geboren ist, als Kind, als er eine ausrangierte Kamera zu Weihnachten geschenkt bekam. Eine längere Schaffenspause gab es, als der Umbruch zur digitalen Fotografie kam – was aber an den Lebensumständen gelegen habe. „Da waren meine Kinder wichtiger und auch das Arbeiten“, erzählt der Rotter. Die gute Auftragslage in seiner Schreinerei drängte die Fotografie in die zweite Reihe.

Dann fand eine digitale Spiegelreflexkamera den Weg zu ihm und er legt wieder los. Seit rund zehn Jahren fotografiert er nun auf diese Art. Es wird nichts verfälscht und auch nichts bearbeitet.

Auch interessant: Wasserburger Künstler Paul Mooney stellt im Ganserhaus aus: „Transcendental Journey“

Kremer geht es nicht um gefällige Schönheit. Ihn zieht es zu Narben, Rissen, fleckigem Putz, verwitterten und überwucherten Wänden.

Weitere Nachrichten aus der Kultur

Der Regen hat die Farben verwaschen, der Frost feine Linien hineingesprengt. Der 61-Jährige wählt den Bildausschnitt so feinfühlig, dass das Gezeigte wie eine expressionistische Landschaft wirkt, wie scheinbar ordentlicher Kubismus oder eine düster romantische Tusche-Zeichnung eines Gewitters. Eine Wand mit Fliesenmustern aus den 70ern oder zwei Fassaden die mit ihren Leitungen und Regenrinnen kleine Felder bilden – sie wirken durch sein Arrangement wie von Piet Mondrian entworfen.

Fotografie wird zum Fotobild

Großen technischen Aufwand betreibt er nicht, wenn er „Schnappschüsse“ macht, wie er sagt. Farbe, Licht, und Schatten führen Regie. So wird das scheinbar Alltägliche zu einem abstrakten Kunstwerk. Fotografie wird zum Fotobild.

Das könnte Sie auch interessieren: Kultur in Mühldorf mit, nicht nach Corona

„Alles Fassade“ – unter diesen Titel hat er seine rund 75 Exponate gestellt. Darunter sind Hausfronten aus Wasserburg und weiteren Orten der Region, aber auch aus Italien.

„Mein Hauptanliegen ist es, dass der Betrachter darin was entdeckt, sich fragt, warum ist da dieser Fleck? Oder welche Familie, welches Schicksal verbirgt sich hinter der Fassade? Sie erzählt eine Geschichte, wie das verlebte, zerfurchte Gesicht eines hochbetagten Menschen.“

Mehr zum Thema

Kommentare