Aquarelle von Günther Weigel in der kleinen Werkraumgalerie in Rosenheim

Dem Wahnsinn der Malerei verfallen

"Tagebuch", Miniaturen von Günther Weigel. Fotos feichtner
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"Tagebuch", Miniaturen von Günther Weigel. Fotos feichtner

Eigentlich ist der Rosenheimer Maler Günther Weigel ein Autodidakt und Doktor für die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Erst seit 1966 hat sich der damals 39-Jährige intensiv mit Malerei beschäftigt, unterstützt von Freunden und Kollegen wie dem Rosenheimer Bildhauer und Maler Rolf Märkl. Eigentlich ist Weigel ein Malamateur, zwar kein Sonntagsmaler, doch ein Urlaubsmaler, denn die meisten seiner Aquarelle entstanden auf Urlaubsreisen in Italien, in der Steiermark, in Kroatien und Griechenland. Eigentlich. Doch mit dieser Einschätzung wird man dem Maler Günther Weigel nicht gerecht. Auch ohne eine Akademie besucht zu haben, zählt Günther Weigel zu den professionellen Malern in Rosenheim, obwohl ihm, dem Arzt, die Malerei nie Beruf war. Dies zeigen nicht nur die große Zahl von Ausstellungen und die Ankäufe durch private Sammler und die öffentliche Hand, sondern auch die derzeitige Ausstellung in der kleinen Werkraumgalerie von Alfons Röckl in der Rosenheimer Heilig-Geist-Straße 4.

Was Günther Weigel zu einem professionellen Maler und auch zu einem Künstler macht, ist neben seinem profunden handwerklichen Können auch die Ernsthaftigkeit seines Tuns, das ständige Bemühen, der Selbstzweifel. Er zeigt, wie er selbst sagt, Bilder, die ihm gefallen und ihm wichtig sind. Und er zeigt dazu passend einige der ausgezeichneten Bronzeskulpturen seines Künstlerkollegen Rolf Märkl.

Weigels Arbeiten, seine Motive, auch seine Malweisen sind sehr verschieden. Sie reichen vom freundlichen, beinahe realistischen Blumenbild einer "Iris sibirica", vom rot leuchtenden, stark reduziertem Phlox bis zu Bildern von Steinen oder unruhig geheimnisvollen Kugeln. Es reicht von großen, die Sonne des Südens atmenden Aquarelllandschaften wie der griechischen Insel Symi, dichten Eindrücken marokkanischer Städte über stark reduzierte Landschaften mit Acker und Strand bis hin zu kleinsten Miniaturen. So hat er in einem künstlerischem Tagebuch jeweils vier Miniaturen zu vier Tagen eines Dezembermonat gemalt. Auf den kleinen, in brauner Farbe gehaltenen Aquarellen lassen sich Gestalten, Bäume, Landschaften erahnen.

Günter Weigel kommt es bei seinen Arbeiten nicht auf das Abbilden an, sondern auf die Bewältigung malerischer Aufgaben, auf das malerische Umsetzen von Eindrücken, auf das Einfangen der Atmosphäre. Es kommt ihm auf die richtige Setzung der Farben bei gleichzeitiger Reduktion der Form an. Wie es dem Wesen des Aquarells entspricht, wirkt das Weiß des Papiers am Bild mit, indem Weigel viel davon frei oder es zumindest durchschimmern lässt.

"Eigentlich ist es ein Wahnsinn, sich auf ein solches Abenteuer mit ungekanntem Ausgang einzulassen, wie die Malerei es ist", sagte Weigel bei der Eröffnung der Ausstellung, mit einigem Selbstzweifel. Doch der Besucher, darf sich freuen, dass Weigel nicht nur seinem Arztberuf nachgegangen ist, sondern dass er seit Jahrzehnten dem "Wahnsinn" ernsthafter Malerei verfallen ist.

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