Das Kabarett "Die Pisaker" auf der Bühne im Rosenheimer Lokschuppen

Vom Wahnsinn des Lehrerberufs

"Tu dein Kaugummi raus! Wer hat die Papierkugel geworfen? Das Fenster bleibt geschlossen! Nicht abschreiben, Karl-Theodor." Solche Sätze scheinen Schüler im Unterricht gar nicht erst wahrzunehmen. Das ist der Alltag der Lehrer, wie ihn die "Pisaker" auf die Bühne bringen. Die "Pisaker", das sind zwölf Lehrer aus dem Landkreis Traunstein, die auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rosenheim mit ihrem Programm "Fünf plus" im Rosenheimer Lokschuppen den Alltag des Lehrers humoristisch unter die Lupe nahmen. Für das Rosenheimer Publikum - das überwiegend aus Lehrern bestand - wählten die Pädagogen die besten Sketche der letzten sechs Jahre aus.

Ob es um missratene Schüler ging, ob eine Lehrerkonferenz auf der Tagesordnung stand oder der Reformeifer des Ministeriums durch den Kakao gezogen wurde, den Protagonisten merkte man sofort an, dass sie direkt aus der Praxis kamen. Witzig war der Sketch "Reformen" mit Andreas Hüdepohl, Hildegard Rott, Bernhard Benoist und Gerhard Wonner. Als im Büro das Telefon klingelt, will keiner drangehen, der Langsamste im Kinderspiel "Reise nach Jerusalem" muss den Hörer abnehmen und macht vor dem Minister den Bückling. Die "Ministerialräte" gaben die Rechtschreibreform der Lächerlichkeit preis, mokierten sich über pädagogische Worthülsen wie "Transparenz" und "innovativ" und sangen zur Melodie "Rote Lippen soll man küssen" vom ausufernden Reformwahnsinn.

Im Sketch "Schelinsky" brillierte Frank von Sicard als pensionierter Hauptschullehrer und Apo-Opa mit Rollator im Che-Guevara-T-Shirt. Von seinen Kindern ins Heim abgeschoben, träumt er von knackigen Altenpflegerinnen. "Gebadet und gecremt werden aber nur die mit Pflegestufe III", seufzt er krächzend und will zum Tanzkränzchen auf eine Ü-80-Party, für die er aber noch viel zu jung ist.

Gekonnt boshaft tyrannisierte Gerhard Wonner als pedantischer Lehrer seine Exschülerin (Andrea Benoist), die er zu einer unterwürfigen Frau abgerichtet hat, ein wenig platt ging es im "Traumberuf" zu: Chantal (Inge Frankenberger) erzählte der neugierigen Nachbarin (Monika Krendlinger) dümmlich-aufreizend von ihrem ersten Lehrjahr im "ältesten Gewerbe der Welt". Eine Idealbesetzung war Andreas Hüdepohl als Bodyguard im Klassenzimmer. Sehr realitätsnah gelang der "Elternsprechtag" mit der radebrechenden türkischen Mutter (Claudia von Sicard). Originell war das Lied über die "Finnen" im Grönemeyer-Sound. Für ihre Schauspielkunst erhielt das engagierte Ensemble vom Publikum am Ende stürmischen Applaus.

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