Von Malerfreunden und der Freude am Gestalten

Zwei Bilder von Hans Breu (1902 bis 1977): Autobahnbau am Irschenberg 1934 (links) und Bild ohne Titel, zu sehen sind die Druckrohrleitungen des Leitzachkraftwerkes 1940.
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Zwei Bilder von Hans Breu (1902 bis 1977): Autobahnbau am Irschenberg 1934 (links) und Bild ohne Titel, zu sehen sind die Druckrohrleitungen des Leitzachkraftwerkes 1940.

Bruckmühl. – Im Jahr 1994 übereignete der Restaurator Rupert Dorrer dem Markt Bruckmühl die Kunstsammlung seines Vaters, des Arztes Dr.

Rupert Dorrer, als unveräußerliche Stiftung.

Das vom Großvater erbaute Wohnhaus im Ortskern von Bruckmühl wurde zur Galerie. Seit ihren Anfängen ist die ursprüngliche Sammlung stark angewachsen, zum einen durch Bemühungen von Rupert Dorrer, auch durch Ankäufe des Fördervereins der Galerie und durch Schenkungen vonseiten einiger Künstler.

Büsten aufAugenhöhe

Der Stifter selber ist mit einem von ihm gemalten modernen Votivbild in der Stiftung vertreten.

In mehrjährigem Abstand wird die Sammlung gezeigt und jedes Mal mit neu überdachtem Konzept präsentiert. Zum jetzigen Zeitpunkt füllt sie einen Leerraum im Jahresplan der Galerie, weil das vorgesehene japanische Ehepaar wegen der Pandemie nicht anreisen konnte. Ernst und würdevoll blicken sie dem eintretenden Besucher entgegen: die beiden Malerfreunde Leibl und Sperl, vom Rosenheimer Künstler Franz Lankes aus Keramik geformt und farbig gestaltet. Ein Holzsockel hebt die beiden Büsten auf Augenhöhe zum Betrachter, sodass die Intensität ihrer Blicke deutlich zutage tritt.

Schon alleine wegen seiner Größe beeindruckt „Der Kuhhirte“ (1,50 mal 2 Meter) von Rudolf Schramm-Zittau aus dem Jahr 1900.

Bemerkenswert ist der moderne Malstil, der die Objekte nicht mehr originalgetreu wiedergibt, sondern eine Auflösung zulässt, besonders deutlich im Gesicht des Kuhhirten oder auch an der Wiese zu erkennen. Schramm-Zittau steht damit an der Schwelle zur Moderne.

Dokumentarischen Charakter besitzen die beiden Werke des Bruckmühler Malers Hans Breu. 1940 gemalt, zeigt eine der Arbeiten die Druckrohrleitungen des Leitzachkraftwerkes. Eine weitere dokumentiert den Bau der Autobahn München-Salzburg im Jahr 1934, verschiedene Arbeitsprozesse sind zu sehen.

Eine neue Schenkung wurde kurz vor der Ausstellungseröffnung überreicht: ein Zyklus von Weihnachtskarten, als Holzschnitte von der verstorbenen Bildhauerin Marianne Lüdicke gefertigt, die 1999 mit dem Kulturpreis des Landkreises Rosenheim ausgezeichnet wurde. Die 14 gerahmten Karten fanden noch einen adäquaten Platz.

Das erste Stockwerk widmet sich weitgehend den zeitgenössischen Künstlern der Rosenheimer Region. Peter Tomschiczek ist mit einem großen Porträt des Stifters Rupert Dorrer vertreten, daneben Peter Weigel, Fried Stammberger, die früh verstorbene Stefanie Höllering, Alfred Regnat, Peter Pohl und Andreas Legath, alle mit unverkennbarer Handschrift.

Fried Stammbergers rotes Ölbild auf Leinwand erzählt von der Freude am Gestalten mit Farbe, aber auch vom Anspruch, auf Wanderungen Erlebtes in einer eigenen Bildsprache wiederzugeben. Andreas Legath hat abgelegene sardische Täler erwandert, ergründet und auf Leinwand nachempfunden, authentisch gestaltet mit aufgetragenen Erden und Steinen. So werden seine Werke selber zur Landschaft.

Bilder alsHonorar

Im Dachgeschoss hängt eine Vielzahl kleinerer Bilder, teils in Öl, teils in Mischtechnik, im Wesentlichen aus den 1940er Jahren stammend, die dem Arzt Dr. Rupert Dorrer als Honorar für medizinische Behandlung geschenkt wurden: Landschaften und Porträts von Constantin Gerhardinger, Sepp Hilz, Max Märtens, Otto Miller-Diflo und Hans Müller-Schnuttenbach.

Die Ausstellung ist bis zum 22. November zu sehen, geöffnet Mittwoch von 14 bis 18, Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr.

Galerie Markt Bruckmühl, Sonnenwiechser Straße 12 in Bruckmühl, Telefon 0 80 62/ 53 07.

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