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„Catacoustic Consort“

Neues Künstlerehepaar in Kiefersfelden: Vom Ohio River an den Inn

Annalisa Pappano spielt Gambe.
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Annalisa Pappano spielt Gambe.

Sie stammt aus Indiana/USA, er aus München, kennengelernt haben sie sich in Cincinnati/Ohio, jetzt aber leben sie in Mühlbach/Kiefersfelden: der Pianist und Kulturmanager Marcus Küchle (50) und die Gambistin Annalisa Pappano (47). Sie führen das „Catacoustic Consort“.

Kiefersfelden –Der Name des Ensembles spielt humoristisch mit dem Wort akustisch: Consort, eigentlich „Viol Consort“, ist der Name für das Gamben-Ensemble. „Catacoustic“ hat sich Annalisa Pappano ausgedacht, „weil es interessant klingt, sich gut merken lässt – und noch nicht vergeben ist“, wie Küchle schmunzelnd sagt.

Wie kam es zur Gründung dieses Ensembles? Annalisa Pappano ist nach Cincinnati gezogen und hat festgestellt, dass es dort nicht viel Alte Musik gab: „Wenn es das nicht gibt, dann mach ich es selber“, beschreibt Küchle die Beweggründe seiner Frau. Bis 2019 spielte das Ensemble mit großem Erfolg, jedes Jahr gab es eine Konzertreihe von vier bis fünf Konzerten und alles hat Annalisa Pappano selber organisiert: Website, Fundraising, Marketing. Daneben hat sie an der University of Cincinnati unterrichtet.

Studieren in Amerika

Kann man also in Amerika Alte Musik so gut studieren? „Ja“, sagt Annalisa bestimmt, „sehr gut! In Indiana war ja auch Thomas Binkley.“ (Anmerkung des Interviewers: ein 1995 gestorbener amerikanischer klassischer Lautenist, Musikwissenschaftler und Spezialist für Alte Musik und der eigentliche Gründer des Münchener Ensembles „Studio der frühen Musik“)

Wo und wie haben sich beide kennengelernt? „Oh, in Cincinnati“, strahlt da Annalisa, „Marcus hat mich gefragt: Könnte ich auf Deiner Mailinglist sein?“ Cincinnati sei eine schöne, ja eine „bayerische“ Stadt mit vielen Einwohnern mit deutschem Migrationshintergrund.

Masters in Klavier und Administration

Und wie ist Marcus Küchle nach Cincinnati gekommen? „Ich bin nach dem Aufbau-Studium in Bloomington/Indiana mit zwei Masters in Klavier und Administration an die San Francisco Opera gekommen, von dort bin ich an die Oper in Cincinnati engagiert worden.“ Warum ist er überhaupt in die USA gegangen? „Weil die Ausbildung sehr gut ist, geradezu phantastisch“, sagt Küchle bestimmt. Er hat zuerst in München an der Musikhochschule studiert. „In Amerika sind mir die Augen aufgegangen!“

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Warum sind beide wieder nach Europa zurück? „Sechzehn Jahre in Amerika waren schon eine lange Zeit, wir haben eine Tochter bekommen und meine Eltern sind älter geworden“, erklärt er. Bis vor kurzem war Marcus Küchle stellvertretender Intendant der Tiroler Festspiele Erl. Sind beide im Inntal gut aufgenommen worden? „Ja, die Leute sind sehr nett“, lächelt Annalisa Pappano, „ich fühle mich zuhause. Es ist so schön hier.“ Sehr wichtig sei es hier, Beziehungen aufzubauen. „Ich brauche Kontakt und die Gemeinschaft mit dem Publikum.“ Und erklärt lächelnd dazu: „Ich komme aus den USA!“ Um Deutsch zu lernen, ist sie viele Tage jeden Tag nach München gefahren.

Von der Kälte in den Kirchen

Annalisa Pappano hat kürzlich erst in Augsburg und Salzburg gastiert und war einige Male schon in Rosenheim zu hören, zusammen mit Simon Steinkühler, und auch in österreichischen Kirchen: „Es war so kalt - Ich habe mir ein Heizkissen gekauft. In Amerika sind alle Kirchen geheizt.“ Der Rosenheimer Kritiker hatte damals formuliert: „Sie reichert den asketischen Ton der Gambe mit gradliniger, ja keuscher Süße an – wie wilder Honig.“ Was sind die Pläne des „Catacoustic Consort“? „Erstmal wollen wir uns hier etablieren, konsistent eine Präsenz aufbauen, nicht nur als Konzertveranstalter, sondern auch als eine Organisation, die das Erleben von barocker Kultur in diesem Kulturkreis bündelt. Deshalb haben wir uns für die Zusammenarbeit mit dem Oberaudorfer Barockmuseum entschieden.“ Wie wird das aussehen? „Wir machen eine spartenübergreifende Co-Promotion mit Führungen zu barocker Architektur und Malerei. Annalisa Pappano wollte immer schon nicht nur die Musik, sondern auch das Leben, die Umstände, den Zeitraum, das Gedankengut präsentieren.

Aktive Partner gesucht

„Das Barock hat gerade in unserer Gegend so viel Vermächtnis hinterlassen. Wir suchen aktive Partner und Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten können, um dieses Erleben gestalten zu können.“ Wäre da Kloster Reisach auch ein geeigneter Ort? „Natürlich“, meint Küchle begeistert, „da wären wir gerne involviert.“

Marcus Küchle leitet den „Catacoustic Consort“.

Kann man Gamben auch mit modernen Instrumenten kombinieren? „Durchaus, Annalisa hat das in Cincinnati schon getan. Tan Dun (Anmerkung des Interviewers: ein in New York lebender chinesischer Komponist) hat für Gambe geschrieben.“ – „Auch Paul McCartney!“ wirft Annalisa ein. Was sind die nächsten Pläne für unsere Region? „Konzerte sind am 3. Juni und am 22. Juli im Barockmuseum. Das erste mit dem Geiger Simon Steinkühler und dem Cembalisten Michael Anderl - quasi ein Kennenlernkonzert. Das zweite Konzert nimmt konkret Bezug auf das Gemälde „Die Musizierenden“ von Pieter de Grebber.“

Verbindung mit Johannes Berger

Auch die Verbindung zu dem aus Oberaudorf stammenden Organisten Johannes Berger, der mit Concerto München ein eigenes Barock-Ensemble hat, ist angebahnt. Mit dem in Rosenheim wohnenden Tenor Manuel Warwitz wird sie auch ein Konzert gestalten: Bald wird sich Annalisa Pappano noch mehr im Inntal zuhause fühlen. Alle künftigen Auftritte sind unter www.catacoustic.com zu finden.

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