Vo Ort zu Ort: Was so alles in die Mangfall und in den Inn fließt

Der Wasserfall des Gießenbachs ist tatsächlich ein „Diessenbach“, also ein tosender, laut tönender Bach.
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Der Wasserfall des Gießenbachs ist tatsächlich ein „Diessenbach“, also ein tosender, laut tönender Bach.

Zum letzten Mal in den Sommerferien trifft sich das digital-online veranstaltete Kinder-Ferien-Programm vieler Gemeinden in unserer Region. Abschließend geht es um die Namensherkunft von Bächen, die im Mangfalltal, Inntal und im Chiemgau vorkommen.

Von Armin Höfer

Rosenheim – Zuletzt ließ sich die Prien als keltischer Name „Brigenna“ ist gleich „Bergache“ und die Mangfall mit einem germanischen Namen als die „Manachvalta“ ist gleich „Manigfalltige Ache erklären.

Fehlte noch der Name des Inn. Dazu meint die Johanna aus der Gegend von Wasserburg: „Da Inn hoaßd auf guad Boarisch ‚In‘ mid anam langa i oder glei ‚I‘; s n werd do nasaliert gschbrocha.“ Die Namensherkunft fasst sie im Schnelldurchgang zusammen: ‚Inn‘ hängt mit ‚en‘ zsamm. Er entspringt ja im schweizerischn Engadin. De Grundlag is a keltisches Wasserwort ‚en‘, wos de Räto-Romanen iwanomma hamm. Dann lateinisch ‚Aenus‘, griechisch ‚Ainos‘, mittellateinisch ‚Enus‘ und ‚Inus‘, altbairisch (750-1050) ‚In‘, mit romanischa Schreibung ‚Igne‘. Aba dees muaß iatz glanga!“

Der Litzldorfer Bach

Da grinst der Hansi aus Litzldorf und meint, da habe er es schon leichter: Sein nächstgelegenes Gewässer sei der Litzldorfer Bach, der Anfang August durch das Hochwasser, das er in Kirchdorf verursacht habe, berühmt geworden sei. „Der Boch hoaßd genauso wia insa Darf. Koa Problem ned.“

Aber auf die Rückfrage von Gertraud aus dem nahen Bad Feilnbach, woher der Name „Litzl“ komme, hilft ihm das Maarä, das direkt am Litzldorfer Bach aufgewachsen ist: „Litzl, auch lützl, kommt vom althochdeutschen ‚luz(z)il‘, mittelhochdeutsch ‚lützel‘ und bedeutet ‚klein‘. Fürn Lisldarfa Boch“ – jetzt fällt sie in die Muttersprache – „stimmt dees normal scho, awa beim Houchwassa is a gar ned so kloa!“

Die Gertraud weiß von einer noch schlimmeren Naturkatastrophe als es das Hochwasser in Kirchdorf war. Ihr Hausbach ist der Jenbach. Sie zitiert aus dem Mangfall-Boten vom 20. August: „Jenbachweg gesperrt. Großer Erdrutsch am Brechries – Wirtschaftsweg unpassierbar – Arbeiten beginnen“. Ihr Bruder Andi meint: „Da is a wieda, der jähe Bach!“ Aber Gertraud leitet, in Kenntnis der Erklärung im Deutschen Gewässernamenbuch von Professor Albrecht Greule, den Jenbach nicht von „jäh“ – „sonst daada ja Gaachboch hoaßn!“ – , sondern von einem Personennamen „Üen“, „Ien“ her, der später falsch mit J geschrieben wurde.

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Die Öde liegt aber nur im Namen

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„Sowas hamma in da Kiefer aa“, meldet sich die Sarah aus der Gemeinde Kiefersfelden. Sie meint den Namen des Gießenbachs. Dieser habe ebenfalls den Namen gewechselt. Der Name Diessenbach sei ab 1530 nicht mehr verstanden worden und heiße infolge einer sogenanten Eindeutung seit 1836 Giessenbach.

Auf Gertrauds Frage, was „Dieß“ denn ursprünglich bedeutet habe, sagt Sarah: „Althochdeutsch ‚diozan‘, mittelhochdeutsch ‚diezen‘, bedeuteten ‚laut tönen‘, ‚schallen‘, ‚rauschen‘ – nicht aber ‚dissen‘ aus der Jugendsprache!“ Gertraud: „Dann machts doch wieda a Umbenennung! Dießenbach-Klamm bassd doch guad, so laut wia da Boch do is!“ Beifall der Jugend- lichen! Armin Höfer

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