Vivaldi-Orchester zupft sich von Barockklängen bis zum Rock

Knappe Sache:Das Vivaldi-Orchester Karlsfeld mit seiner Leiterin Monika Fuchs-Warmhold füllte die kleine Bühne vollends aus. Pillatzki

Das preisgekrönte Ensemble aus Karlsfeld und seine Leiterin Monika Fuchs-Warmhold begeistern nicht zum ersten Mal das Publikum auf Schloss Amerang.

Amerang – Platztechnisch völlig ausgereizt war die kleine Bühne im Schlossinnenhof beim Konzert des Vivaldi-Orchesters Karlsfeld, das ohnehin in reduzierter Besetzung angereist war. „Mehr Musik geht dann nicht mehr“, kommentierte Schlossherr Ortholf Freiherr von Crailsheim das Bild der dicht an dicht gedrängten Zupfmusiker, wohlwissend, dass die Platzverhältnisse jene in ihrer Arbeit nicht einschränken würden, schließlich war es nicht das erste Gastspiel des Klangkörpers in Amerang. Etwas ganz Besonderes verbinde ihn mit diesem Orchester, verriet von Crailsheim vorab. 1996 war Neubeginn der Schlosskonzerte unter seiner Leitung. Das Vivaldi-Orchester Karlsfeld gestaltete damals das erste Konzert im frischrestaurierten Arkadeninnenhof.

Das Motto heißt „Cool and Blue“

Jetzt spielten Monika Fuchs-Warmhold und ihr preisgekröntes Ensemble vor gutbesuchtem Haus. Mit einem kurzen Blick über die Schultern prüfte die Dirigentin und Orchestergründerin den Abstand zum Bühnenende und gab dann mit dem Taktstock das Zeichen zum Start. Unter dem Motto „Cool and Blue“ drehte sich an diesem Vormittag alles um Wasser in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Dass der Himmel mit einigen Regentropfen seines dazugab, war purer Zufall.

Einem unbekannten Tanzstückchen aus dem 16. Jahrhundert folgte alsbald die berühmte „Wassermusik“, die Georg Friedrich Händel. In Martin Ziegenaus‘ Bearbeitung für das Zupforchester sorgen Mandolinen, Mandolen und Gitarren anstelle von Blas- und Streichinstrumenten für barocke Klangfülle. Den Hörgenuss ergänzten Angelika Tausch und Ralf Hanrieder im Wechsel mit informativen wie humorvollen Kommentaren.

„Wasser in seiner emotionalsten Form“ beschreibt John Dowlands Lautenlied „Flow my Tears“, das Christine Hupfauf mit kräftigem Sopran vortrug. Durch ihr langsames Tempo steigert die Musik die Stimmung der Trauer. Das absteigende Vier-Noten-Melodiemuster stellt fallende Tränen dar.

Konzert von Antonio Vivaldi

Aus Venedig, „der wasserreichsten Stadt der Welt“, kommt der Namenspatron des Orchesters, Antonio Vivaldi. Er wurde mit dem Concerto F-Dur „La tempesta di Mare“ entsprechend gewürdigt. Im Zentrum des adriatischen Seegewitters stand Brigitte Rost, die als Solistin an der Mandoline virtuos den Ton angab. Dem Sturm folgte ein tosender Applaus. Ihre enorme Fingerfertigkeit stellten die Instrumentalisten einmal mehr in „La légende de Ulisse“ unter Beweis, einer wunderbaren, mehrteiligen Komposition des 1959 geborenen Franceso Civitareale. Hier werden Textpassagen aus Homers „Odyssee“ mit dichten, zuweilen an Filmmusik erinnernden Musikstücken zu einem hochmelodiösen Abenteuer verquickt.

Dem Vivaldi-Orchester Karlsfeld ist es ein erklärtes Anliegen, „das Publikum davon zu überzeugen, dass Zupfinstrumente ein weites musikalisches Spektrum eröffnen“ – so steht es im Programm-Flyer. Und so folgte dem klassischen Repertoire aus Renaissance, Barock und Frühbarock im zweiten Teil der Matinee ein buntes Cross-Over. „Mitschunkeln erlaubt“ hieß es einleitend zu Johann Strauß‘ „An der schönen blauen Donau“, dem Superhit im Dreivierteltakt. Assoziationen mit Turtle Island und blauer Lagune wurden beim jazzigen Titel „Cool & Blue“ von Peter Lehel erweckt.

Humor bewies das Ensemble mit seiner Coverversion von „It’s raining men“, dem 80er-Jahre-Hit der Weather Girls. Dass das ausgetüftelte Arrangement von Martin Ziegenaus größtenteils vom lautstarken Vortrag der Sängerin Julia Warmhold übertönt wurde, kümmerte das Publikum, das von der Nummer völlig begeistert war, nur wenig. Bevor das Orchester seinen finalen Knaller zündete, lud stimmungsvolle Filmmusik von Hans Zimmer („Fluch der Karibik“, „Mission Impossible“) noch einmal zum Zurücklehnen und Genießen ein.

Dann wurde der „Gitarrengott von Karlsfeld“, Andreas Froschmayer, angekündigt. Der hatte sein Sakko kurzerhand gegen eine Lederjacke ausgetauscht und die Akustikgitarre gegen eine Fender Stratocaster, um gemeinsam mit dem Orchester das Publikum mit Deep Purples „Smoke on the Water“ zu rocken. Angesichts der dargebotenen musikalischen Bandbreite bleibt nur ein Fazit: Mission geglückt. Angela Pillatzki

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