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Traunsteiner Sommerkonzerte

Virtuosität als Bewegung des Lebens

Mit etwas scheuer Freude nimmt die Pianistin Yulianna Avdeeva den Applaus entgegen.
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Mit etwas scheuer Freude nimmt die Pianistin Yulianna Avdeeva den Applaus entgegen.

Yulianna Avdeeva spielte beim vierten Traunsteiner Sommerkonzert Klavierwerke von Chopin, Rachmaninow, Weinberg und Bach. Ein Konzert jenseits des Gewohnten, das vom Publikum begeistert gefeiert wurde.

Traunstein – Das vierte der Traunsteiner Sommerkonzerte gehörte allein der Klaviermusik. Dass sie in der Musik von Frédéric Chopin zuhause ist, spürte man schon bei den ersten Tönen: Yulianna Avdeeva, die 2010 den Warschauer Chopin-Wettbewerb gewonnen hatte, zauberte mit viel Empfindung aus den Terzen und Sexten der Barcarolle op. 60 fluoreszierende Farbeffekte, die an Sonnenreflexe auf dem Wasser denken lassen, ließ viele Mittelstimmen hören, schuf spannende harmonische Übergänge, bot ein wunderbar klingendes Piano und dann aber gegen Ende hin ein vollrauschendes Forte.

Leichthändig und dennoch voller Tiefe

Wie sehr die Musik von Sergei Rachmaninow von Chopin geprägt ist, hörte man bei den vier Préludes aus op. 23. Die spieltechnischen Schwierigkeiten überwand Yulianna Avdeeva mühelos, alles wirkte leichthändig, spielerisch, aber trotzdem voller Tiefe. Das macht das Spiel dieser russischen Pianistin aus: Mit liebevoller Hingabe widmet sie sich der gespielten Musik, so dass diese unmittelbar anrührt, jenseits bloßer ausgestellter Virtuosität. Die braucht man vor allem bei Rachmaninows zweiter Klaviersonate, die Klangpracht und leidenschaftlichen Tonfall verbindet, klanggeschmeidige Weichheit und kraftvolles Zupacken erfordert.

Belangreiche Kunst

Von dem gewiss vorhandenen salonplüschigen Pomp blies die Pianistin jeglichen Staub hinweg, machte aus vielleicht belanglosen Klangeruptionen belangreiche Kunst. Yulianna Avdeeva spielt, so scheint es, immer ehrlich, ohne Dauerschielen auf Beifall.

Sie bot nicht die bloße Virtuosität, sondern die, die der französische Musikphilosoph Vladimir Jankélévitch meint: Die Bewegung, die die Virtuosität beseelt, sei „die Bewegung des Lebens, die triumphierende Tätigkeit des freien Menschen“. So packte Yulianna Avdeeva erst im dritten Satz der Sonate ihre pianistische Löwenpranke aus, nachdem sie den Satz vorher vor allem samtweich und sinnend-meditativ gestaltet hatte. Durchaus auch virtuos, aber dazu noch expressiv-seelentief sind die beiden moderneren Stücke, die die Pianistin ins Zentrum des Abends gestellt hatte: Die Suite „Life of Machines“ aus dem Jahre 1933 von Władisław Szpilman (1911-2000) schildert humorvoll das Maschinenleben. Es ist unmöglich, dabei nicht an Charlie Chaplin im Film „Modern Times“ zu denken, wie er da den Maschinen hinterherhechelt, die immer schneller sind als er.

Hurtig und Wirbelig

Als tanzende Maschinen präsentierte Avdeeva hier diese Musik, hurtig-motorisch und wirbelig hämmernd. Mit viel Hingabe, ja Liebe, spielte Yulianna Avdeeva auch die Sonata Nr. 4 von Mieczysław Weinberg (1919-1996), dem Freund und Kollegen von Schostakowitsch, dessen Leben in der Stalinzeit so angstgeprägt war: volltönend-weich bei aller rhythmischen Präszision im ersten Satz, vibrierend erregt im Scherzo-ähnlichen zweiten Satz mit den verhuschten Walzerfragmenten, melancholisch verhangen mit verzweiflungsvollen Untertönen im den Satz prägenden Choral und unheimlich-unruhig im Finalsatz, der nach einem tröstlichen Scheinschluss doch im resignativen Moll verebbt.

Chopin und Bach als Zugaben

Das konzentriert lauschende Publikum im Kulturforum Klosterkirche antwortete auf dieses Programm jenseits des Gewohnten mit trampelndem Beifall, der auch mit zwei Zugaben belohnt wurde: mit dem sehr fließend-beschwingt gespielten Nocturne Nr. 20 in Cis-Moll von Chopin und dem motorisch-stürmisch gespielten Präludium Nr. 6 in D-Moll aus dem zweiten Buch des „Wohltemperierten Klaviers“ von Bach : Diese Pianistin überrascht immer.

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