Mit virtuoser Leidenschaft

Jasminka Stancul im Festspielhaus Erl. Füchtner

Erl – Sie verbindet einen wunderbar lyrischen, perlend klaren Ton mit einer großen musikalischen Sensibilität: Jasminka Stancul.

Im Festspielhaus von Erl gestaltete die serbische Pianistin vor einem begeisterten Publikum einen Klavierabend mit Werken von Beethoven, Schumann und Schubert. Stancul spielte auch ein Stück ihres Landsmanns Vasilije Mokranjac, eines serbischen Komponisten aus dem 20. Jahrhundert.

In Beethovens „Sturmsonate“ op. 31 Nr. 2 in d-Moll demonstrierte die Pianistin gleich zu Beginn eine große Ausdruckskraft. Beethovens berühmtes Werk wurde zum Inbegriff musikalischer Dämonie, zum Prototyp aller romantischen Stürme und Leidenschaften. Ganz aus der Stille, leise und mit behutsam gesetzten Pausen, sodass die Stille gleichsam zu hören war, eröffnete Jasminka Stancul das Largo. Nach der von tiefster Ruhe bis zur stürmischen Erregung geprägten Einleitung gelang der Pianistin ein ergreifendes Wechselspiel zwischen scharf rhythmisierten, kraftvollen Akkorden und zarter Kantabilität. Meditative Ruhe strahlte hingegen das Adagio aus, dessen feierlicher Gesang und zauberhafte Melodik die Pianistin mit samtenem Anschlag zu Gehör brachte. Die rhythmisch wilde Monotonie des Finales hätte Stancul vielleicht noch etwas stärker betonen können, den imaginierten Sturm schien sie ein wenig abzumildern. Für ihre brillante Interpretation erhielt sie gleichwohl stürmischen Applaus.

Die g-Moll Sonate op. 22 von Robert Schumann mit ihrem temporeichen nervösen ersten Satz, der innigen Melodik des Andantino, dem flirrenden Scherzo und dem von energischen Akkord-Akzenten geprägten Rondo spielte Jasminka Stancul mit virtuoser Souveränität und Leidenschaft. Im Vergleich zu dem überwältigenden Klangwunder von Beethovens „Sturmsonate“ musste dieses Werk gleichwohl ein wenig abfallen.

Harte, ernste Akkorde, trillerdurchsetzte Passagen und ein großer Gegensatz zwischen raschen und langsamen Passagen, zwischen kraftvollem Forte und zartestem Pianissimo kennzeichneten die Komposition „Echoes“ aus dem Jahr 1973 von Vasilije Mokranjac. Immer wieder übten Glockenklänge und imitierte Gesänge auf den Hörer eine eigentümlich bizarre Wirkung aus.

Ganz in ihrem Element war Jasminka Stancul in Schuberts „Wanderer-Phantasie“ op. 15 in C-Dur. Der stürmische Beginn und harte Rhythmus des Hauptthemas nach den wunderbaren lyrischen Einschüben im Allegro wechselte mit einer Folge von Variationen im Adagio, die sich oft rhythmisch steigerten. Die Pianistin spielte die melodischen Passagen mit perlender, kristalliner Klarheit. Ihre Interpretation war voller Farbigkeit und Klangfülle, es schien, als würde das Klavier die feinen und zarten Lyrismen singen. Das Scherzo, in dem Jasminka Stancul noch einmal eine bezwingende Virtuosität zeigte, endete in einer grandiosen, arpeggienrauschenden Schlusssteigerung.

Für den enthusiastischen Beifall bedankte sich Jasminka Stancul noch mit einer Schubert-Zugabe und dem „Guten Abend, gute Nacht“ von Johannes Brahms.

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