Vielseitigkeit auf hohem Niveau bei den Tiroler Festspielen

Äußerst vielseitig:Das junge Ensemble des Orbis Quartetts. Füchtner

Erl – Selten besitzt ein Kammermusikensemble ein so hohes musikalisches Niveau und ist zugleich so vielseitig wie das Orbis Quartett aus Berlin.

Die jungen Interpreten Tilman Hussla und Meike-Lu Schneider (Violine), Kundri Lu Emma Schäfer (Viola) und Felix Thiemann (Violoncello) führten im Erler Festspielhaus Streichquartette von Schostakowitsch und Mendelssohn auf. Vielleicht, so Tilman Hussla, habe das Publikum ja ein Quartett von Beethoven erwartet. Doch dessen runden Geburtstag feiere man erst im nächsten Jahr. Außerdem seien sowohl Schostakowitsch als auch Mendelssohn glühende Beethovenverehrer gewesen.

So spielten die vier Musiker zunächst das 1946 komponierte Streichquartett Nr. 3 F-Dur op. 173 von Dimitrij Schostakowitsch, in dem der gebürtige Petersburger mit dem Stilmittel der Ironie Kriegserfahrungen verarbeitet hat. Nach einem tänzerischen, folkloristisch federnden Allegretto, das die leichte Ignoranz der bevorstehenden Katastrophe des Krieges thematisiert, musste der erste Geiger wegen Nasenblutens kurz innehalten und seine Geige säubern.

Das witzig pointierte Moderato con moto, aber auch das Rondo, in dem ein preußischer Parademarsch parodiert wird, spielte das Orbis Quartett mit jugendlicher Frische, Leidenschaft und Präzision.

Die abrupten Modulationen und scharfe Harmonik der Sätze faszinierten das Publikum derart, dass mancher schon mit Applaus dankte, obwohl das Werk noch gar nicht zu Ende war. Auf ein ausdrucksstarkes Adagio, eine Hommage an die Verstorbenen des Krieges, folgte zum Schluss noch einmal ein gleichsam ins Visionäre gesteigertes, von den Musikern brillant gespieltes Finale.

Dass Felix Mendelssohn Bartholdy sein Streichquartett in a-Moll op. 13 im zarten Alter von nur 18 Jahren geschrieben hat, ist kaum zu glauben. Als er das Werk komponierte, sei Mendelssohn verliebt gewesen, erklärte Tilman Hussla dem Publikum. Seine gesanglichen Qualitäten demonstrierte der erste Geiger überraschend in dem Liebeslied „Frage“, das von den drei Streichern klangschön begleitet wurde. Das Orbis Quartett interpretierte das op. 13 mit konzentrierter Hingabe und berückender Ausdruckskraft. Der an Beethovens Harfenquartett angelehnte ruhige Beginn, das figurenreichen Allegro vivace, das Adagio non lento und schließlich das mitreißende Presto waren ein Hörgenuss ohnegleichen.

Seine sympathische Vielseitigkeit zeigte das Orbis Quartett in den Zugaben. Ein arabisches Liebeslied, dessen rhythmische Melodik zum Mitwippen im Takt animierte, und ein eingängiger Italo-Klassiker wurden vom Publikum noch einmal begeistert und anhaltend beklatscht.

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