Ein vielfach Talentierter

„Zeit der Fische“,1992, Eichenbalken, Höhe 250 cm, Stadt Rosenheim, zuletzt im Außenraum an der Städtischen Galerie öffentlich ausgestellt. privat

Der Rosenheimer Künstler Rolf Märkl ist kurz vor seinem 89. Geburtstag gestorben. Der vielseitig Begabte prägte als Bildhauer, Maler, Lehrer, Ausstellungsinitiator und Sänger mehr als sechs Jahrzehnte lang das kulturelle Leben in der Region.

Rosenheim – Seit einigen Jahren war es ruhiger geworden um den Rosenheimer Bildhauer Rolf Märkl, der mehr als 60 Jahre lang das Kunstgeschehen im Landkreis so nachhaltig geprägt hatte: als Künstler ebenso wie als Lehrer, Kunstvermittler, Ausstellungsinitiator, Kurator, Laudator, Veranstalter, Galerist, Sammler, Sänger, Dichter – und nicht zuletzt als „Querulant“ (so ein Werktitel) und engagierter Bürger. Als Mitbegründer des Rosenheimer Forums für Städtebau und Umweltfragen 1971 kämpfte er mit Kollegen wie Rainer Dillen und Heinz Kaufmann für das Rosenheimer Stadtbild, rettete unter anderem den Lokschuppen und organisierte dort die ersten drei Ausstellungen, initiierte den Weihnachtsmarkt der Künstler und war Mitglied im Kunstverein und zahlreichen Jurys.

Engagierter Kunstpädagoge

Rolf Märkl wurde 1931 in Rosenheim geboren und erfuhr mit einer Lehre zum Holzbildhauer, einer Lehre zum Steinbildhauer sowie mit dem Bildhauer-Studium an der Münchner Akademie die denkbar sorgfältigste Ausbildung. Zeitlebens hielt er seine Professoren Toni Stadler und Heinrich Kirchner in Ehren und setzte ihr Ethos und seine Hochachtung in seiner kunstpädagogischen Tätigkeit um. Den Schuldienst hatte er nach 14 Jahren als Kunsterzieher aufgegeben, um 1971 zusammen mit den Kollegen Dillen, Josef Hamberger und Peter Tomschiczek die Sparkassengalerie aufzubauen, gründete aber 1972 die Kindermalschule in der Trägerschaft des Bildungswerks und ging für 20 Jahre in die Erwachsenenbildung.

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Zusammen mit seiner Frau Anne bewohnte er das Elternhaus am Ende der Eichendorffstraße. Unvergessen bleiben die Besuche beim charmanten, überaus gebildeten Hausherrn und seine legendären Künstlerfeste: „Wer je eine laue Sommernacht in dieser Oberonschen Oase erleben konnte, dem kommt so manches Event unserer Spaßgesellschaft wie ein schlechter Traum vor“, so Rosenheims Kulturreferent Robert Berberich.

Faszinierender Garten

Eine Einkehr bei Rolf Märkl war auch für ihn „nicht denkbar ohne einen wenigstens kurzen Streifzug durch die magisch faszinierende Welt seines Gartens“. Zwischen alten Bäumen und blühenden Sträuchern fand sich neben Atelier und Haus das bildhauerische Werk eines, „international unbekannten Künstlers mit konservativ-expressiver Ausdrucksweise“, so Märkl selbst augenzwinkernd.

Bereits sein Rosenheimer „Einstand“ im öffentlichen Raum, das Bronze-Kruzifix am Rosenheimer Friedhof von 1958, nimmt in der klaren, archaischen Formensprache wesentliche Kennzeichen seines Werks voraus. Am liebsten war ihm altgedientes Eichenholz aus Burgen oder aufgelassenen Bauernhöfen, dessen Form und Oberfläche die Arbeit bestimmten. Stets verraten seine Steinskulpturen den Block, aus dem sie geschlagen wurden, und die gegossenen Bronzen das vorbereitende Wachsmodell. Selbst bei den Grafiken offenbart sich der Bildhauer in der Auswahl von strukturierten und historischen Papieren.

Zu Märkls Hauptwerken gehört die intime Bronze-Serie der „Kleinen Könige“ aus den 70er und 80er Jahren: „Ihnen ist die Krone von Natur aus eingewachsen, nicht verliehen … Ich habe ihre Strahlkraft erfahren und ihre Miseren erlebt. Sie liebten und litten mehr als ihre Mitmenschen. Heute gibt es sie kaum noch, heute schwingt die Mittelmäßigkeit das Szepter“, so das resignierende Fazit ihres Schöpfers.

Mehr über Rolf Märkl finden Sie auf seiner Homepage.

Um einen Teil seines künstlerischen Nachlasses in Rosenheim zu erhalten, rief er 2018 die Rolf-Märkl- Stiftung ins Leben. Als Märkl 1986 der Kulturpreis der Stadt Rosenheim und 2012 der Oberbayerische Kulturpreis verliehen wurde, fiel die Entscheidung – außer auf Grund seiner künstlerischen Leistung – wohl gleichzeitig trotz und wegen seines kompromisslosen kulturellen Wirkens.

Rolf Märkl ist am 7. März gestorben, wenige Tage vor seinem 89. Geburtstag. Er wurde auf Wunsch der Familie in aller Stille beigesetzt.

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