Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Theatertage Wasserburg

Viel Theater hinter dem Theater: Wie das Metropoltheater eine hinreißende Komödie auf die Bühne bringt

Joachim (James Newton, rechts) und seine spleenigen Großeltern (Lucca Züchner und Thorsten Krohn).
+
Joachim (James Newton, rechts) und seine spleenigen Großeltern (Lucca Züchner und Thorsten Krohn).

Mit dem Gastspiel des Münchner Metropoltheaters stand eine erstklassige Komödie auf dem Programm der Theatertage. Die Bühnenfassung des Romans „Ach diese Lücke! Diese entsetzliche Lücke“ bot gut zwei Stunden Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau: spritzig, feinsinnig und unglaublich lustig.

Wasserburg – Goethes Werther hauchte mit den Worten „Ach diese Lücke! Diese entsetzliche Lücke…“ sein Leben aus. Bei Joachim Meyerhoff hingegen brachte der berühmte Seufzer aus der Sturm und Drang Epoche erst so richtig Leben in seinen Roman. Regisseur und Autor Gil Mehmert schrieb für die autobiografische Satire über „viel Theater“ hinter dem Theater eine rasante Bühnenfassung, die ihresgleichen sucht.

Klinik oder Schauspielschule?

Um zu vergessen und um zu trauern verlässt der 20-jährige Joachim nach dem Unfalltod des Bruders seine Heimatstadt Schleswig. Er will in München eine Zivildienststelle in einer Klinik anzutreten. Allerdings liebäugelt er damit, wenn auch recht verhalten, Schauspieler zu werden. Also bewirbt sich Joachim an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule. Schlecht vorbereitet leiert er eine Passage aus Büchners „Dantons Tod“ herunter. Zu seiner großen Überraschung wird er tatsächlich angenommen. Die Aussicht auf viele neue Bekanntschaften als Zivi im Schwesternwohnheim ist also erst einmal mal ad acta gelegt.

In der Villa der Großeltern

Allerdings ist eine Wohnung in München für Joachim unerschwinglich. Zum Glück kann er bei seinen dauerbeschwipsten Großeltern in deren Nymphenburger Villa unterkommen. Der Großvater, ein emeritierter Philosophieprofessor, und die Großmama, eine exaltierte Schauspielerin im Ruhestand, freuen sich aufrichtig, als Joachim bei ihnen einzieht.

Fortan pendelt dieser zwischen der Falckenbergstraße und dem Sechs-Uhr-Whisky im Nymphenburger Herrschaftshaus hin und her. Aus der Zwischenlösung werden schließlich drei Jahre, bis ihr „Lieberling“, wie Großmama den Enkel nennt, seine Schauspielausbildung abschließt.

Lesen Sie auch: „Bei diesem Michael Kohlhaas wird aus Sprach-Beton glänzender Marmor“

Was zunächst unspektakulär klingt, entwickelte sich dann in der Dramaturgie zu einem Unterhaltungsfeuerwerk. Die intelligente Handlung und ihre sieben Darsteller versprühten so viel Charme und Witz, wie es nur wirklich guten Komödien vorbehalten ist. James Newton spielte Joachim Meyerhoff. Auch Lucca Züchner und Thorsten Krohn sorgten für komödiantisch einzigartige Momente, und das fast zeitgleich in elf unterschiedlichen Rollen. Züchner überzeugte als spleenige, stets angeheiterte Großmutter oder Schauspiellehrerin Gretchen Kinski. Krohn spielte den verschrobenen Großvater ebenso brillant wie den von Hyperaktivität geplagten Direktor der Falckenberg Schule. Blitzschnelle Rollenwechsel waren hier gefordert. Und es ist in der Tat nicht einfach, sich innerhalb weniger Sekunden in Horst Tappert oder einen Aufseher im Tierpark Hellabrunn zu verwandeln, wo Joachim Fontanes Effie Briest als Nilpferd einstudieren sollte.

Hervorragende Besetzung

Auch die weiteren Rollen mit Kommilitonen und Dozenten aus der Schauspielklasse waren mit Vanessa Eckart, Sophie Rogall, Oliver Mirwaldt und Jakob Tögel bis ins Detail hervorragend besetzt. Percussionist Stefan Noelle am Schlagwerk sorgte stets für die passenden Geräusche in den Szenen. Aus dem gehemmten Absolventen der Otto-Falckenberg-Schule ist dann tatsächlich ein vielfach prämierter Schauspieler, Autor und Regisseur geworden. Joachim Meyerhoff spielt gegenwärtig am Hamburger Schauspielhaus.

Die durchaus stattlichen 130 Minuten Spielzeit vergingen wie im Flug. Fast war es ein wenig zu bedauern, als nach einen nicht enden wollenden Schlussapplaus ein ganz besonderes Stück zu Ende ging.

Mehr zum Thema

Kommentare