Verweigerung der Idylle

Neubeuern – Die „Große Symphonie in C-Dur“ von Franz Schubert wird von vielen Dirigenten wie eine Glückspille verabreicht, als groß angelegte Idylle präsentiert.

Nicht so Enoch zu Guttenberg, der diese Sinfonie nun mit dem Orchester „KlangVerwaltung“ auf CD eingespielt hat. Er verweigert hier jeden Gedanken an eine Idylle.

Im Einklang mit Nikolaus Harnoncourt, der von der „verborgenen Traurigkeit hinter den heiteren Dingen“ bei Schubert sprach und dann sagte: „Wenn ein C-Dur traurig ist, wirkt es noch viel trauriger als eine traurige Moll-Tonart.“ Immerhin ereignet sich im langsamen zweiten Satz einer der größten katas trophalsten Zusammenbrüche in der Symphonik überhaupt.

Guttenberg ahnt diese Katastrophe überall: Schneidende Blechbläser und drohend rollende Pauken zerschmettern schon im Kopfsatz die wehmütig singende Oboenkantilene, Guttenberg entdeckt fast Beethoven’sche harsche Akzente, es herrscht Aufgewühltheit und ein fast fiebriges Tempo.

Das Andante des zweiten Satzes ist hier kein gemütliches Schlendern, eher unheimliches Getriebensein und dann ein fast gespenstischer Todesmarsch, begleitet von immer unerbittlich tönenden Signal-Trompeten. Nach dem Zusammenbruch und dem akustisch reinen Nichts fleht vorsichtig zitternd das Cello um Trost. Dieses fast schluchzende Beschwören des Trostes findet sich auch wieder in den wie selbstvergessenen Portamenti der Geigen. Überhaupt folgt das Orchester „KlangVerwaltung“ mit Hingabe und bedingungsloser Überzeugung Guttenbergs Interpretation.

Das jagend-stampfende Scherzo hat schon beinahe Bruckner’sche Dimensionen und Guttenberg zeigt, dass Schubert nicht nur der immer selig singende Melodiker, sondern auch der straffe Rhythmiker ist. Das Finale ist kein bloßer strahlender Siegesgesang, sondern wirkt gehetzt, gejagt, getrieben: Die Katas trophe lauert überall. Dass Guttenberg überall kleine Motive für seine Deutung entdeckt, unterstützt auch die hervorragende Aufnahmetechnik, die Kleinst-Motive hörbar macht.

Franz Schubert „Große Symphonie in C-Dur“, Enoch zu Guttenberg und „KlangVerwaltung“, Label Farao Classics.

Kommentare