Drahtobjekte von Bettina Lüdicke und Aquarelle von Maximilian Schmetterer

Versponnene Welten und rostige Schönheit

"Ins Blaue", Objekt von Bettina Lüdicke.
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"Ins Blaue", Objekt von Bettina Lüdicke.

Aquarelle mit ruhig-nüchterner Ausstrahlung von Maximilian Schmetterer stehen filigran-luftigen Drahtgebilden und Zeichnungen von Bettina Lüdicke in der aktuellen Ausstellung der Bad Aiblinger Galerie Villa Maria gegenüber. Die 55 Werke bilden einen harmonischen Kontrast, sind auf den ersten Blick voller Unterschiede, jedoch mit einer gemeinsamen atmosphärischen Anmutung.

In Darmstadt 1958 geboren, studierte Lüdicke Design an der Fachhochschule Coburg sowie Textilgestaltung an der Hochschule der Künste in Berlin mit anschließender Atelierförderung des Berliner Senats. Ihre Werke zeigte sie in vielen Städten Deutschlands, aber auch in Kopenhagen. Über die Jahre erfuhr Lüdickes Schaffen einen massiven Wandel, von Steinskulpturen zu Drahtobjekten.

Massivität tauschte sie gegen die filigranen Gebilde, die sie in der Villa Maria zeigt. Industriedraht ist das Ausgangsmaterial, aus dem sie versponnene Welten entstehen lässt. Aufwändig verknüpft, arrangiert sie viele Bahnen, in die es einzutauchen gilt. Harmonische Rundungen, aber auch Ecken und Kanten sowie einzelne herausstehende Fäden ergeben Gebilde, deren Teile in Beziehung zueinander verflochten sind. Patina in Schwarz oder Grün bildet den Abschluss der Arbeiten sowie Teillackierungen, die weiß, rot, blau oder türkis Akzente setzen. Im Gegensatz zu ihren früheren, massiven Steinskulpturen schafft Lüdicke mit Draht Räume, statt Abgeschlossenheit entsteht Weite und gibt die Möglichkeit zu einer visuellen Reise in die Skulptur.

Der 1941 in Prien geborenen Maximilian Schmetterer wählte erst keine künstlerische Laufbahn, sondern wurde Augenoptiker. Studien in bildnerischem Gestalten und eine umfangreiche Auseinandersetzung mit der Aquarelltechnik folgten genauso wie Malreisen und Ausstellungen. Denkt man an typische Chiemsee-, oder Aquarellmalerei, kann man Schmetterer als ungewöhnlich ansehen. Zwar stellt er Szenerien aus dem Maghreb dar und auch Landschaften. Letztere sind jedoch keine blumigen Idyllen, sondern von herber Schönheit. Die Städtedarstellungen von Hamburg oder Salzburg feiern nicht schöne Fassaden, sondern bieten eher außergewöhnliche Blickwinkel, etwa auf eine Dachlandschaft oder den Friedhof. Untypisch für einen Aquarellmaler gilt das Interesse des Künstlers Hafenszenerien, Bahnhöfen und Industrieanlagen, etwa der stillgelegten Völklinger Hütte. Rost zeigt er, Rohre, Hochöfen, mit einem Blick, der nicht einfach auf Schönheit ausgerichtet ist, sondern gerade auch das zeigt, was als weniger attraktiv bewertet wird. Schmetterers Bilder sind Letzteres jedoch durchaus. Sie strahlen eine Ruhe und Zartheit aus, die auch Bettina Lüdickes Drahtgebilden innewohnt.

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